Tankow, Kreis Friedeberg

Ältere Bezeichnungen: Tangov, Tanckow, Tancko, Tankowe

 

Schloß                                                                    Dorfstraße

 

Das Gebiet zwischen Tankow und Friedeberg gilt als das in der Neumark am frühesten besiedelte. Dort haben die Dörfer, zu denen auch die verschwundenen Dürrenfelde bei Büssow und Kunersdorf gehörten, entweder 8 oder 10 Hufen als Lehngut. Dies war nach den Bedeverträgen des Jahres 1281 ausreichend (ein Knappe erhielt 4, ein Ritter 6 Hufen).

Im übrigen Kreis Friedeberg gab es kaum Rittergüter unter 8 Hufen. Aus dieser kann man nur schlussfolgern, dass die Besiedelung des übrigen Landes Friedeberg erst spät erfolgt ist, zu einer Zeit, in der die Ausstattung mit 4 bzw. 6 Hufen nicht mehr genügte, um den edlen Kriegsmann zu ernähren.  

 

Geschichte des Ortes

 

22.05.1300 Erste urkundliche Erwähnung: Markgraf Albrecht von Brandenburg übergibt anläßlich seiner Anwesenheit in Clodow (Kladow bei Landsberg/Warthe) dem Abte des pommerschen Zisterzienserklosters Kolbatz zum Ersatz für Schaden, den er, seine Vorfahren oder Söhne dem Kloster in den Kriegen mit den Stettiner Herzögen zugeführt hatten, zur Gründung eines Tochterklosters Himmelstädt (Locus coeli) den Hof Crevelstorp und eine ganze Anzahl Dörfer, darunter Clodowa (Kladow), Zanzyn (Zanzin), Vycz (Virtz), Pyrene, Genyn und Loppow, sowie eine Reihe von Seen. In der Grenzbeschreibung des Klosterbesitzes wird u. a. gesagt, daß er "bis zum Dorfe Tankow" reichen solle.
14.09.1303 Die Markgrafen Otto, Konrad, Woldemar und Johann von Brandenburg, die an diesem Tage in Tankow weilten, verliehen  der Stadt Kallies (Calis) 104 Hufen Acker, 50 Hufen Weide, Abgabenfreiheit auf 6 Jahre, sowie andere Rechte, womit also die Gründung dieser Stadt vorgenommen wurde

1315

Die Familie Blume besitzt das Schloß Tankow
13.07.1334 Otto der Ältere, Herr in Yleborgk, Obertruchseß der ganzen Mark über der Oder, und andere Räte und Hofleute des Markgrafen Ludwig von Brandenburg vermitteln in Tankow einen Vergleich zwischen dem Bischof von Lebus und der Stadt Frankfurt/Oder.
03.03.1345 Markgraf Ludwig unterfertigt in Tancko eine Schenkungsurkunde, durch die er der Stadt Neu-Landspergk (Landsberg/Warthe) die Feldmark des wüst liegenden Dorfes Dessen (Dechsel) als Ersatz für einen durch Feuersbrunst angerichteten Schaden überwies.
18.02.1347 Erste urkundliche Erwähnung als Stadt: Markgraf Ludwig weilt in Tankowe undstellt am 24.02.1347 in Frankfurt/Oder einen Brief aus, in dem er der "Stadt Tankowe" die bisher gezahlte Orbede (pensio annua) von 16 Mark Silbers auf 10 Mark ermäßigt. Die erlassenen 6 Mark sollten zu Befestigung der Stadt verwendet werden.
14.12.1351 Ludwig der Ältere verlieh für sich und im Namen seiner Brüder, seinem Waffengefährten und vertrauten Rate Betheke von der Osth Schloß und Stadt Tankow mit der Orbede, dem Zinse und allem Zubehör, wie sie Henning von Wenden bis dahin zu Lehn gehabt hatte, "zum ewigen und friedlichen Besitz".
02.04.1352 Ludwig der Römer verleiht dem Frankfurter Bürger Bruno Goldschmied, genannt der Lange, mit dem sein Bruder bereits in vielfachen geschäftlichen Verbindungen gestanden hatte, "wegen seiner getreuen Dienste" Stadt und "Haus" Tankow mit der "Merica Mosin" oder Landsberger Heide und allen anderen zu dem "Hause" und der Stadt gehörigen Heiden......

1362

Tankow wird wahrscheinlich durch ein größeres Brandunglück heimgesucht
29.04.1364 Vertrag von Pirna, Markgraf Otto wird Besitzer von Tankow
14.04.1391 Johann Markgraf von Brandenburg und Herzog von Görlitz lerleiht seinem Marschall, dem Landvogt der Lausitz Otto von Kittlitz, der ihm erhebliche Geldsummen vorgeschossen hatte, Tankow, Haus und Städtchen, "in der Mark gelegen zu Brandenburg ober odir", wie die in Prag ausgestellte Urkunde hinzufügt, mit aller Zubehörung an Vorwerken, Mühlen, Wässern, Fischereien, Wiesen, Gärten, Heiden, Hölzern usw.
09.03.1465 Markgraf Friedrich II. verleiht dem Borchart Papstein für 100 Schock märk. Währung auf Wiederkauf das "Stadtchen Tanckow" mit dem Tanckowschen See dahinter, mit freier Holzung und Grasung auf der Heide, sowie mit allen dazugehörigen Äckern und Wiesen...
11.11.1496 Markgraf Johann von Brandenburg (Johann Cicero) verzichtet gegen Thomas Bapstein, Borchart Bapsteins Sohn, an den er das Städtchen Tankow mit dem See, nebst Äckern, Holzungen und Wiesen versetzt habe, seiner getreuen Dienste wegen auf das Wiedereinlösungsrecht des Städtchens und verleiht Borcharts Brüdern Hans und Jakob Bapstein die gesamte Hand an Tankow.
03.06.1519 Thomas v. Papsteins Söhne (oder Brüder?), Hans und Jakob, erhalten ihre Lehne, nämlich das Städtchen Tankow mit dem See dahinter, das halbe Dorf Mansfelde, einen Hof und einen Kossäten zu Wugarten und 14 wüste Hufen beim Dorfe Lichtenow, ferner eine Hebung von 6 Gulden und 8 Groschen aus dem Zoll zu Frankfurt/Oder, welche von Simon und Hans Tempelhof, kurfürstlichen Küchenmeistern, erblich erkauft worden war.

1527

Hans und Jakob Papstein erhalten nach dem Tod von Thomas Papstein vom Kurfürsten Joachim I. ihr rechtes Mannlehn für sich und ihre männlichen Leibeslehnserben verliehen. in der Urkunde heißt es: "Das Städchen Tankow" mit dem See und der Holzung und Grasung auf der Heide sowie mit den Zugehörigkeiten an Holzungen, Gewässern und Wiesen; ferner die Hälfte des Dorfes Manßfeld weniger 6 Hufen; im Dorfe Wogarten auf dem Hofe und den Hufen, die Valentin Meyer besitzt, 1 Schock Groschen und einen Kosten (Kossäten) Hanstein, der 9 Gr. und 4 Hühner entrichtet, sowie 6 Gr. auf dem Kruge; im Dorfe Lichteno 13 wüste Hufen und von den Zeidlern der Heiden jährlich den 8ten Teil von der Tonne Honig.

1788

Generalmajor Jakob Christopf von Papstein verkauft Tankow an seinen Schwager Major Adam Friedrich von Bock

1792

Nach dem Tod von Major Adam Friedrich Bock fällt Tankow an seine Witwe, Majorin von Bock, geb. Luise Friederike von Papstein

1803

Rittmeister Fr. Ew. von Massow erwirbt das Gut Tankow von der letzten Erbtochter der Familie Papstein.

1820

Die Familie von Brand erwirbt Tankow

 


 

Im Buch: Die Neumark, Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Neumark Heft 3, 1926 werden im Beitrag:

Die Klassifikation von 1718/19 folgende Angaben gemacht:

 

Besitzer 1718: Friedrich Wilhelm von Papstein

 

  1715:  Landrat Jakob von Papstein, wohnt in Tankow, hat drei Söhne:

-        Hauptmann a.D. Henning von Papstein in Mansfelde

-        Major im Regiment Blankensee Karl Friedrich von Papstein

-        Friedrich Wilhelm von Papstein, der in Tankow wohnt und einen Sohn hat

o       Jakob Christoph von Papstein

Gesamthand bei Lehen die Vettern in Pommern Joachim Balzer und Christoph Henning,

der zwei Söhne hat:

-        Hasso Ernst

-        Jakob Christoph

 

Bewohner:     Tappe, Christian, Bauer

                        Schumann, Christian, Bauer

                        Vetter, Martin, Bauer

                        Schumann, Gottfried, Bauer

                        Zuch, Joachim, Bauer

                        Heerde, Friedrich, Bauer

                        Wrewel, Christian, Bauer

                        Weber, Michel, Bauer

                        Tappe, Christoph, Bauer

                        Heerde, Hans, Bauer

                        Kortzweg, Friedrich, Bauer

                        Wrewer, Christoph, Kossäth

                        Hünerfuth, Martin, Kossäth

                        Zast, Martin, Kossäth

                        Beelitz, Christian, Kossäth

                        Wrewel, Tews, Kossäth

                        Heerde, Christian, Kossäth

                        (?), der Müller

                        (?), der Hirt

 

Der Acker, in 3 Felder geteilt, ist schlechtes Sandland, es liegt noch Land in der Heide, das rein zu machen nicht erlaubt wird; dazu ist alles dem Hirschfraß ausgesetzt

1714: Acker schlecht, dazu vom Hirschfraß sehr inkommodiert; kein Wiesenwachs, notdürftiges Holz.

 

Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass die Nachkommen der Familie Hünerfuth von Tankow in Richtung Mansfelde umgesiedelt sind. Dort war besseres Ackerland vorzufinden.

 


 

Hafebecker, Christian 1734 Mühlenmeister zu Tankow/Friedeberg

Hafebecker, Samuel 1747 Mühlenmeister zu Tankow/Friedeberg

 

Information aus der Neumark-Mailing-Liste von: Peter Woddow [p.woddow@t-online.de]    


Die ehemalige Stadt Tankow

Von Otto Heinrich Johannsen   

(Abschrift eines Artikels im Heimatkalender für den Kreis Friedeberg, Jahrgang 1921)

Die Neumark ist noch heute ziemlich reich an Städten, zumal im Verhältnis zu manchen Landstrichen des benachbarten Pommerns; im Mittelalter jedoch war die Zahl der Städtchen dort noch erheblich größer. Zantoch an der Netzemündung, Hochzeit an der Drage, Kürtow südöstlich von Arnswalde und Berneuchen bei Neudamm werden als solche bezeichnet. Besonders aber gilt dies von der Soldiner Gegend. Von den dortigen Ortschaften waren damals verschiedene, die heute Dörfer sind, Städte oder doch oppida, so Schildberg, eine Meile nordwestlich von Soldin, Nienborgh (jetzt Neuenburg) anderthalb Meilen östlich von Soldin und schließlich Tankow zwischen Berlinchen und Friedeberg, ungefähr dort gelegen, wo die Kreise Soldin, Landsberg und Friedeberg zusammenstoßen.

            Tankow ist jetzt ein vergessenes Dörfchen, das dem Besucher kaum etwas Merkwürdiges bietet, und doch hat es in der Brandenburgischen Geschichte einmal eine wichtige Rolle gespielt.

            Es war im Jahre 1348. Der falsche Waldemar war aufgetreten und hatte im ganzen Lande zwischen Elbe und Oder schnell Anhang gefunden, selbst Berlin war zu ihm übergegangen. In denselben Tagen, als er auf dem „Hohen Hause“ zu Berlin weilte (20. bis 23. September), kam Markgraf Ludwig, von dem allgemeinen Abfall unterrichtet, aus Bayern an die Südgrenze der Mark, um dann in wildem Ritt durch das Land nach den noch treugebliebenen Gebieten über der Oder zu eilen. Tankow war sein Ziel, und dorthin entbot er seine Anhänger. Von den Städten Brandenburgs war dieser Ort freilich vielleicht der kleinste und seine Befestigung nur schwach, aber trotzdem war es kein Zufall, daß er ihn zum Sammelpunkt seiner Mannen erwähnte. Wohnten doch dort ringsum auf zahlreichen Schlössern die Adelsgeschlechter, auf die er am sichersten rechnen konnte, und die sich als Hauptstütze seiner Macht in der Mark bewährten, die von der Ost, von Wedel, von Uchtenhagen und von Morner. Sie sammelten sich denn auch schnell um ihn, so daß er bald eine hinreichende Streitschar besaß, um wenigstens das Land über der Oder und das so wichtige Frankfurt verteidigen zu können.

            Tankow war dem Markgrafen kein unbekannter Platz. In besseren Tagen hatte er dort oft sein Jagdhorn durch die Wälder erschallen lassen. Von der ganzen Mark hatten ja den meisten Reiz für ihn als leidenschaftlichen Weidmann die ausgedehnten Waldungen des Landes, und vor allem liebte er das weite Forstrevier zwischen Neu-Landsberg (Landsberg a. W.), Ffredeberghe (Friedeberg) und Nova-Berlyn (Berlinchen). Auch schon die Askanischen Markgrafen, besonders Waldemar, hatten gern in Tankow geweilt, und somit ist uns mancher „Brief“ erhalten, der von ihrer Anwesenheit dort und zum Teil auch ihren Beziehungen zu dem Orte Kunde gibt.

            Zuerst urkundlich erwähnt wird Tankow, damals noch als Dorf, im Jahre 1300. Am 22. Mai dieses Jahres übergab Markgraf Albrecht von Brandenburg gelegentlich seiner Anwesenheit in Clodow (Kladow bei Landsberg) dem Abte des pommerschen Zisterzienser-Klosters Kolbatz zum Ersatz für Schaden, den er, seine Vorfahren oder Söhne dem Kloster in den Kriegen mit den Stettiner Herzögen zugefügt hatten, zur Gründung eines Tochterklosters Himmelstädt (Locus coeli) den Hof Crevelstorp und eine ganze Anzahl Dörfer, darunter Clodowa (Kladow), Zanzyn (Zanzin), Vycz (Vietz), Pyrene, Genyn und Loppow, sowie eine Reihe von Seen. In der Grenzbeschreibung des Klosterbesitzes wird u. a. gesagt, daß er „bis zum Dorfe Tankow“ reichen solle.

            Im Jahre 1303 hören wir wieder von Tankow, und zwar wurde dort unter dem 14. September eine wichtige Urkunde aufgesetzt. Die Markgrafen Otto, Konrad, Woldemar und Johann von Brandenburg, die sonach wohl sämtlich in Tankow anwesend waren, verliehen der Stadt Kallies (Calis) 104 Hufen Acker, 50 Hufen Weide, Abgabenfreiheit auf 6 Jahre, sowie andere Rechte, womit also die Gründung dieser Stadt vorgenommen wurde.

            Für mehr als 30 Jahre schweigen dann die Urkunden von Tankow. Erst vom 13. Juli 1334 liegt wieder ein dort abgefaßtes Schriftstück vor. Otto der Ältere, Herr in Yleborgk, Obertruchseß der ganzen Mark über der Oder, und andere Räte und Hofleute des Markgrafen Ludwig von Brandenburg vermittelten an dem genannten Tage dort einen Vergleich zwischen dem Bischof von Lebus und der Stadt Frankfurt a. O.

            Im März 1345 weilte Markgraf Ludwig selbst mehrere Tage in Tankow (Tancko). Am 3. März unterfertigte er dort eine Schenkungsurkunde, durch die er der Stadt Neu-Landspergk (Landsberg a. W.) die Feldmark des wüst liegenden Dorfes Dessen (Dechsel) als Ersatz für einen durch Feuersbrunst angerichteten Schaden überwies; und am 5. März einen „Brief“, der dem Rat und der Gemeinde Waldenberg (Woldenberg) als Entschädigung für die Verluste, welche die Stadt durch beständige feindliche Angriffe erlitten hatte, Gefälle in Höhe von 24 Pfund Finkenaugen überließ. Am 11. November desselben Jahres finden wir Ludwig wieder in Tankow. Diesmal wurde dort eine Verkaufsurkunde aufgesetzt. Für 56 Mark Brandenburgischen Silbers vereignete der Markgraf dem Nonnenkloster Zedin (Zehden) die slawischen Dörfer Kustriniken (Alt-Küstrinchen) und Rudonitz (Rüdnitz). Im Januar 1346, bei seiner nächsten nachweislichen Anwesenheit in Tankow befreite er die Stadt Kallies auf sechs Jahre von der Orbede, damit sie den Betrag zur Befestigung der Stadt verwenden könne.

            Am 4. Februar 1347 wurde zu Berlin eine Urkunde aufgesetzt, aus der sich ergibt, daß kurz zuvor, also gegen Ende Januar, Markgraf Ludwig in Tankow Verhandlungen mit Thilo von Brederlow und dessen Sohn Henning geführt hatte über Ersatz, den er ihnen für Schädigungen leisten sollte, die sie im Kriegsdienste für ihn erlitten hatten. Er verlieh ihnen für immer die Geld-, Frucht- und Fleischbede sowie den Wagendienst in Simonsdorf bei Soldin. Eine zweite Urkunde, ebenfalls in Berlin ausgestellt, aber in Tankow verhandelt, sichert einer nicht genannten Stadt, vermutlich wiederum Kallies, gewisse Rechte zu, weil sie jenem Henning von Brederlow 90 Mark bezahlt hatte.

            Im Februar 1347, im Zusammenhang mit einer weiteren Anwesenheit Ludwigs in Tankow, finden wir dann endlich eine Urkunde, die sich auf diesen Ort selbst bezieht und zeigt, daß er inzwischen zur Stadt erhoben ist. Am 18. und 19 Februar war der Markgraf in Tankow (Tankowe), und am 24. Februar stellte er in Frankfurt einen Brief aus, in dem er der „Stadt Tankowe“ die bisher gezahlte Orbede (pensio annua) von 16 Mark Silbers auf 10 Mark ermäßigt. Die erlassenen 6 Mark sollten zur Befestigung der Stadt verwendet werden.

            Allerdings hat Tankow eine wirkliche Stadtmauer niemals erhalten, die Befestigung war also wohl nur ein Blockzaun, und die Lage des Ortes zwischen und an mehreren vom Puls-Fließ durchströmten Seen mußte zu ihrer Festigkeit das meiste beitragen. Jedenfalls aber ergibt sich aus dieser Urkunde, daß der Ort, so unbedeutend er auch damals an Einwohnerzahl  gewesen ist, im vollen Sinne eine Stadt war.

            Solche Erlasse eines Teiles oder auch der ganzen Orbede unter dieser oder jener tatsächlichen oder formellen Begründung waren zu jener Zeit übrigens an der Tagesordnung, sie beweisen also keinen besonderen Notstand in der einzelnen Stadt. Betreffs der Höhe der Tankower Grundsteuer diene zum Vergleich, daß 1336 Markgraf Ludwig seiner Stadt Vredeberg (Friedeberg) wegen ihres Gehorsams und ihrer Treue auf ihre inständige Bitte die Versicherung wiederholte, daß er an jährlicher Orbede nicht mehr als 60 Mark Silbers von ihr erheben wolle.

            Aber auch der Rest der Tankower Grundsteuer floß dem Markgrafen nicht zu. Denn schon am 21. Oktober 1347 wies er in einer zu Soldin ausgefertigten Urkunde den Albert von Wenden, dem er 90 Mark Silbers schuldete, auf die Orbede von Tankow an, die er so lange erheben sollte, bis er wegen 150 Mark vollständig befriedigt sei. Ähnliche Geldgeschäfte machte der über und über verschuldete Markgraf ja fortgesetzt und allenthalben, womit er seine Finanzen natürlich immer mehr zerrüttete.

            Auch die nächste Urkunde, die er in Tankow ausstellte, am 24. September 1348, betraf wieder Geldgeschäfte. In derselben ermäßigte er die Orbede der Stadt Arenswold (Arnswalde) wegen ihrer ihm bewiesenen Treue auf 80 Mark Silbers. Sonach zahlte also Arnswalde achtmal so viel an Grundsteuer wie Tankow.

            Damals im September 1348 mußte ja auch, wie eingangs erwähnt, die neue Befestigung von Tankow als Ausgangspunkt für die Wiedereroberung des Landes dienen. Es wird sich in jenen Wochen dort ein überaus kriegerisches Leben entfaltet haben.

            Am 27. Oktober desselben Jahres (1348) zeigte von Munichberg (Müncheberg) aus Markgraf Ludwig den Städten Neu-Landsberg, Vredeberg, Woldenberg, Neu-Berlin (Berlinchen) und Tankow an, daß er den Ritter Bethkin von Ost zu seinem Vogt ernannt habe, und forderte sie auf, ihm in seinem Namen in allen Dingen und Fällen Gehorsam zu leisten. Tankow rangierte also mit den größeren Städten dieses Teils der Neumark zusammen als vollberechtigt.

            Im folgenden Jahre begibt sich Ludwig wieder eines Teiles der Einkünfte von Tankow. In einem „Brief“, datiert in nowa Landsberg 3. Januar 1349 überträgt er dem Knappen Rouber und seinen rechtmäßigen Erben 10 Mark leichter Pfennige weniger 4 Schillinge jährlicher Einkünfte aus dem Hufenzinse der Stadt Tankow für ewige Zeiten; zur Belohnung für die geleisteten und noch zu leistenden Dienste, wie die wohllautende Formel hieß.

            Die Tankower standen bei dem Markgrafen anscheinend auch ferner in Gunst oder müssen ihm in seinen Verlegenheiten besondere „Treue bewiesen“ haben. Denn am 27. November 1350 erteilten die Markgrafen Ludwig der Ältere und Ludwig der Römer dem Rate und den gemeinen Bürgern ihres „Städtchens“ – wie es diesmal heißt – Tankow die Freiheit, daß sie ihr Vieh auf die markgräfliche Heide treiben dürfen, wenn sie wollen, ausgenommen in der Samenzeit, wo es ihnen der Heidereiter verbieten soll, nämlich zwischen Walpurgis (1. Mai) und Jakobi (25. Juli). Sie sollen Lagerholz daraus holen, soviel sie zu ihrer Notdurft gebrauchen, wie es auf anderen Heiden Recht ist und auch Standholz, soviel sie zu ihren Brücken nötig haben. Auch mag ein jeder Bürger in der Heide der Stadt ein Fuder Gras holen am Sonntag, wenn er will, und daran soll niemand irren oder hindern ewiglich.

            Wurde nun von diesen Rechten der Bürger in der Heide ein zu ausgiebiger Gebrauch gemacht oder ist es Zufall, daß eine der nächsten Tankow betreffenden Urkunden von den erwähnten Heidereitern handelt. Zu Soldin, am 29. Februar 1352 verlieh Markgraf Ludwig der Römer, der sich ja bemühte, in die unter seinem Bruder vernachlässigten Verhältnisse wieder Ordnung zu bringen, dem Heinz Opifer oder Spiser, dessen Vetter Kunz und ihren Erben das Heidereiteramt in der Tankowschen Heide, um dieselbe als getreue Hüter vor Schaden zu bewahren.

            Ludwig der Ältere hatte, ehe er von der Herrschaft der Mark zurücktrat, noch mancherlei Verbindlichkeiten zu erledigen. Dazu gehörte offenbar auch, daß er am 14. Dezember 1351 für sich und im Namen seiner Brüder, seinem Waffengefährten und Vertrauten Rate Betheke von der Osth Schloß und Stadt Tankow mit der Orbede, dem Zinse und allem Zubehör, wie sie Henning von Wenden bis dahin zu Lehn gehabt hatte, „zum ewigen und friedlichen Besitz“ verlieh.

            Wir erfahren aus dieser Urkunde zugleich, daß es in der Stadt Tankow ein „Schloß“ oder „Haus“ gab, also ein landesherrliches Gebäude, das man sich, entsprechend den Verhältnissen des Ortes jedenfalls sehr bescheiden denken muß. Es diente wohl den Markgrafen als Jagdschloß bei ihren Besuchen in der Tankower Heide.

            Die Versuche des neuen Herrn, Ludwig des Römers, die Finanzen des Landes zu ordnen, mußten ihn bald darauf  bringen, die Läpperschulden seines Bruders nach Möglichkeit aus der Welt zu schaffen und die Verbindlichkeiten tunlichst in wenige Hände zu vereinigen. Dabei waren freilich wieder neue Arrangements unvermeidlich. Auch Tankow wurde davon betroffen. Am 2. April 1352 verlieh Ludwig der Römer dem  Frankfurter Bürger Bruno Goldschmied, genannt der Lange, mit dem sein Bruder bereits in vielfachen geschäftlichen Verbindungen gestanden hatte, „wegen seiner getreuen Dienste“ Stadt und „Haus“ Tankow mit der Merica Mosin“ oder Landsberger Heide und allen anderen zu dem „Hause“ und der Stadt gehörigen Heiden, damit er sie mit allen Nutzungen hegen und pflegen solle, wie es auch andere Hegemeister dieser Heiden getan haben, aufs beste, wie er kann. Alle Beamten sollten ihm dazu behilflich sein. – Der reiche Frankfurter Kaufherr wurde selbstredend nicht markgräflicher Hegemeister im gewöhnlichen Sinne, sondern erhielt die Nutznießung der Heiden und die Einkünfte von Tankow als Zinsen für geliehene Geldsummen oder weil er die Forderungen des Ritters von der Ost übernahm.

Trotz dieser Verleihung oder Verpfändung finden wir aber Ludwig den Römer in der Folgezeit noch oft wieder in Tankow, also auf dem dortigen „Hause“. Am 3.Juni desselben Jahres (1352) unterfertigte er da einen „Brief“, durch den er dem Zisterzienser-Kloster Marienwerder und seinen Untertanen für zehn Jahre sämtliche Abgaben erließ. Der Abt Heinrich war hierzu jedenfalls bei ihm erschienen. Am 12. Juni hören wir, daß der feste Mann Henning Brederlow vor verschiedenen Räten und sonstigen „Dienern“ Ludwigs Rechnung gelegt hat; in seinen Rechenbriefen findet sich u. a. ein Posten: An Kost und anderen Sachen auf dem Hause zu Tankow von ihm verzehrt 300 Pfund weniger 3 Schilling. Er hatte also wohl vor den letzten der Verleihungen von Stadt und Haus dort als markgräflicher Beamter gewohnt.

Am 1. August 1352 bekennt der Markgraf, daß die Ratmannen von Friedeberg ihm, als er neulich nach Krakau gereist sei, auf die Aufforderung seines Beamten, des Ritters Betkin von Ost, 70 Mark Brandenburger Silbers und Gewichtes in Tankow, Woldenberg und anderswo aufgenommen und ihm zur Deckung der Reisekosten gegeben hätten, wofür er ihnen von ihrer Orbede 7 Mark Silbers jährlich erläßt, bis die 70 Mark ausgeglichen seien.

Am 13. September weilte Ludwig wieder in der Tankowschen Heide und stellte „in Merica Tankow) eine Urkunde aus, betr. Der Erlaß einer Orbede von Neu-Landsberg. Auch vom 6. Dezember desselben Jahres ist ein von ihm in Tankow ausgefertigter Brief vorhanden; diesmal verpfändete er der Stadt Nuwen-Landisperg eine Wiese.

Am 17. Juni 1353 hören wir wieder von einer Verpfändung der Heide zu Tankow. In Nowa Berlin (Berlinchen) hatte sich Ludwig wieder einmal mit Beteka von der Ost zu „vergleichen“ und zwar wegen der Vogtei „up dissit der Oder“, also in der Neumark. Diese Abrechnung mit den Inhabern der Vogteien mögen oft viel Kopfzerbrechen gemacht haben; denn sie liefen stets darauf hinaus, daß der betreffende Vogt für allerlei Aufwendungen, sowie Bauten an den markgräflichen „Häusern“ usw. erhebliche Summen zu fordern hatte, für die ihm dann mit einem Zinsfuß, den wir heute unbedingt wucherisch nennen würden, Einkünfte verpfändet wurden. So erhielt in diesem Falle der Ritter von der Ost für alles, was er auf die Vogtei gewandt hatte, von Ludwig verpfändet, u. a. seine Heide zu Tankow, mit dem Heidehafer, der dazu gehört und von der Heide fällt, und die Bede von den Dörfern Brunsvelde (Braunsfelde) und Butzow (Büstow), auf so lange, bis er oder seine Erben die Summe, die er redlich berechnen wird, ihm auf Abschlag bezahlt. Dann sollen die Heide und die Bede wieder des Markgrafen sein, für 100 Mark Silbers 10 (an Zinsen). Würde die Summe höher, als er in Heide und Bede findet, so soll ihm dafür mehr angewiesen werden im Lande zu Landsberg und zu Friedeberg, je für 100 Pfund 10 Pfund (Zinsen) und für 100 Mark 10 Mark, so lange, bis ihnen ihr Geld vergolten ist. ...Weiter heiß es dann: Wegen Tankow der Stadt, und was dazu gehört, soll der Markgraf dem Beteke gönnen, was sie Rechts daran hätten.

Die Verleihung der Stadt und der Heide an den Frankfurter Kaufherren war sonach bereits wieder aufgehoben. Das ergibt sich auch aus einer zwei Tage später aufgesetzten Urkunde aus nowa Landsbergh: Markgraf Ludwig verleiht den Ratmannen und gemeinen Bürgern zu Tankow alle Gewässer die zu Tankow gehören, nämlich den Tankower See und die Heidewasser dergestalt und für immer, daß sie seine Garnmeister sein und ihm aus dem Tankowschen See von jedem Zuge allemal den dritten Fisch, und aus den Heidewassers den halben Zählfisch und auch einen Kascherfisch von jeglichem Zuge und jährlich zu Walpurgis als rechte Pflege 1 Mark Brandenburgischen Silbers Wasserzins entrichten sollten.

Am 29. Dezember 1353 finden wir den Markgrafen wieder persönlich in Tankow, wo er eine auf Arnswalde bezügliche Urkunde ausfertigen ließ; und am 3. Januar 1354 fand dann in Soldin die weitere Auseinandersetzung mit Beteke von der Ost statt. Ludwig erklärt, daß er dem Ritter und seinen Erben die Summe von 1350 Mark Brandenburgischen Silbers schuldig bleibt. Zu ihrer Vergütigung fand eine ziemlich verwickelte Berechnung statt. Außer den Beden der oben genannten beiden Dörfer Büstow und Braunsfelde mußte der Markgraf seinem Freunde als Erblehn die von Bredenstein (Breitenstein), Lichtenove und Mansveld (Mansfeld) überlassen, von denen die letztere aber erst von einem anderen Ritter ausgelöst werden sollte; ferner die Beden von Laurentzendorp (Lorenzdorf) und Beyerstop; des weiteren als Pfand den Zoll Nyen.Landsberg. Und dann heißt es weiter: Ludwig wollte ihn auch befreien von aller Ansprache (Ansprüchen), und namentlich von der des von Wedel wegen des Dorfes Ranslanstorp (Retzdorf), wie es der verstorbene rote Hasse (Hasso von Wedel) gehabt, und die Bede in dem Dorfe befreien, daß er ihm für 3 Mark Silbers läßt; dann sollte die Heide von Tankow von ihm frei und los sein. Befreie er ihm das Dorf nicht, so sollten er und seine Erben die Tankowsche Heide als Pfand erhalten.

Dieses Lieblingsjagdrevier der Markgrafen wollte Ludwig also gern wieder von der Verpfändung frei haben. Denn auch ihm war es ans Herz gewachsen; nie kam er in die Gegend, ohne auch in Tankow Aufenthalt zu nehmen. So sind wiederum Urkunden Ludwigs aus diesem Orte vom 21. und 23. Mai 1354 erhalten. Desgleichen eine solche vom 1. Dezember desselben Jahres. Sie beziehen sich aber alle drei nicht auf Tankow selbst, wohl aber ein „Brief“ aus Soldin vom 21. Februar 1355. Markgraf Ludwig der Römer überweist darin dem Peter- und Pauls-Altare in der Pfarrkirche zu Soldin, für sich und im Namen seines Bruders Otto, 4 Stück und 7 Schillinge Brandenburg. Pfennige aus dem Hufenzinse seines Städtchens (oppidi) Tanckow, der aber bezeichnenderweise noch dem von Rouber und einem von Schiltberg verpfändet war. Auch am 25. September1355 weilte Ludwig wieder in Tankow und stellte dort zwei Urkunden aus. Dann ist seine Anwesenheit dort allerdings erst wieder am 1. und 3. Juli 1361 durch Vereinigungen beglaubigt.

Im Jahre 1362 scheint Tankow durch ein größeres Brandunglück heimgesucht worden zu sein. Unterm 12. Juni erließ Markgraf Ludwig der Stadt auf drei Jahre die Hälfte der Urbede und gestattete ihr, während dieser Zeit zu ihren Bauten das Holz aus der Tankowschen Heide zu entnehmen.

Bei der geplanten Teilung der Lande unter die Markgrafen Otto durch den Vertrag von Pirna am 29. April 1364 kam Tankow, das unter den Städten und Schlössern namentlich angeführt wird, mit dem ganzen Lande über der Oder an Otto. Aber schon waren die böhmischen Ränke gegen die bayrischen Markgrafen in vollem Gange. Im Juni desselben Jahres leisteten die Ratmannen und Bürger der neumärkischen Städte, unter denen auch Tankow urkundlich genannt ist, dem König Wenzel und dem Kaiser Karls IV. die Erbhuldigung, und Markgraf Ludwig erklärte sich am 25. Juni ausdrücklich damit einverstanden, während am folgenden Tage Markgraf Otto den Städten, unter ihnen Tankow, ihre Rechte nochmals besonders bestätigt und versprach, wenn die Teilung des Landes mit seinem Bruder Ludwig zustande komme, die Hälfte der Schulden des letzteren zu übernehmen. Von einer Anwesenheit Ottos in Tankow hören wir nur am 26. April 1368 („Tanckow“) und am 18. September 1368 („Tangov“). Bereits waren die Böhmen die eigentlichen Herren im Lande. In einer Urkunde vom 24. Juni 1370 aus Prag  konnte Wenzel schon als König von Böhmen und Markgraf von Brandenburg seine Zustimmung zu dem Leibgedinge geben, das Markgraf Otto seiner Gemahlin Katharina, die Tochter Kaisers Karls IV., auf die neumärkischen Städte, darunter wiederum urkundlich Tankow genannt, verschrieben hatte.

Daß auch das „Haus Tankow“ noch immer eine gewisse Bedeutung besaß, ergibt sich aus einer Urkunde des Markgrafen Otto und des Herzogs Friedrich von Bayern vom 31. Dezember 1372, worin sie anerkennen, daß sie ihrem Rate Hasso von Wedel zu Uchtenhagen für Auslagen in der von ihm verwalteten Vogtei und in Kriegen noch 1225 Schock Prager Groschen schuldig sein. Sie verpfänden dafür Hasso und seinem Bruder Titze die Vogtei des ganzen Landes über der Oder mit allen Einkünften und verpflichten sich zur Entschädigung der ihnen erwachsenen Unkosten. Dabei ist besonders bemerkt: Die Ausgaben für Bauten an den fürstlichen Schlössern Stolczenburg und Tankow sollen ihnen ersetzt werden.

Eine statistische Beschreibung der Mark Brandenburg aus dieser Zeit, vermutlich von der böhmischen Kanzlei bei der Erwerbung der Mark (1373) veranlaßt, enthält in der „Marchia Transoderam“ unter Städte und Schlösser u. a. Schloß Tankow; das Landbuch der Mark Brandenburg, das Karl IV. zwischen 1375 und 1377 herstellen ließ, bringt über unseren Ort unter Einkünfte von den Städten in der Neumark (de civitatibus Transoderam) folgende Angaben: Tankow. Der Landesherr hat die Orbede von 15 Mark sowie auch das höchste Gericht. Ferner landesherrliche Einnahmen aus der Tankowschen Heide: 90 Wispel Heidehafer und 6 ½ Tonnen Honig. – Die Orbede war sonach in Tankow gegen früher um 1 Mark zurückgegangen, sie betrug, wie zum Vergleich beigefügt sei, auch in dem Städtchen Neu-Bernow (Berneuchen) 15 Mark, in Neu-Berlyn (Berlinchen) 25 Mark, Lippehne 25 Mark, Soldin 73 Mark, Fredeberg (Friedeberg) 40 Mark. Bemerkenswert ist dabei immerhin, daß in Tankow sowohl Orbede wie höchstes Gericht der Landesherr hatte; bei vielen anderen neumärkischen Städten war eins oder auch beides versetzt. So war die Orbede versetzt an den Rat daselbst in Königsberg, Schönfließ, Soldin und Lippehne, in Berlinchen an die von Wedel, in Friedeberg an die von der Ost. Das höchste Gericht war versetzt an den Rat in Königsberg, Berlinchen, Arnswalde usw. In Tankow herrschte sonach damals ein gewissermaßen erfreulicher Ausnahmezustand.

Das sollte freilich nicht allzulange währen. Im Jahre 1391 verlieh Johann Markgraf von Brandenburg und Herzog von Görlitz seinem Marschall, dem Landvogt der Lausitz Otto von Kittlitz, der ihm erhebliche Geldsummen vorgeschossen hatte, Tankow, Haus und Städtchen, „in der Mark gelegen zu Brandenburg ober odir“, wie die am 14. April in Prag ausgestellte Urkunde hinzufügt, mit aller Zubehörung an Vorwerken, Mühlen, Wässern, Fischereien, Wiesen, Gärten, Heiden, Hölzern usw. Tankow war also nun an einen landfremden Herrn verpfändet und zwar, wie es scheint, ohne daß Herzog Johann von Görlitz dazu allein berechtigt gewesen war. Wiederholt kam es ja in dieser Zeit vor, daß einer der böhmischen Brüder etwas verkaufte oder versetzte, ohne sich der Zustimmung der anderen zu versichern, die dann dagegen Einspruch erhoben. Der damalige Hauptmann in der Neumark, Jan von Wartenberg, übrigens auch eine der böhmischen Kreaturen, Herr zu Tetschin im Leitmeritzer Kreise, sah sich wenigstens nicht veranlaßt, dem Edelherrn von Kittlitz Tankow zu übergeben. Vielleicht hoffte er, bei den unsicheren Verhältnissen in diesen Gegenden das ausgedehnte Gebiet um Tankow mit der ihm erblich verliehenen Herrschaft Küstrin zu einem kleinen Staate zu vereinigen. Jedenfalls mußte sich der Herr von Kittlitz mit einer Beschwerde an König Sigismund wenden, daß ihm selbst 1400, also neun Jahre nach der Verleihung, Tankow noch nicht eingeräumt war. Sigismund sandte daher von Prag aus am 11. Juni 1400 an den Hauptmann Johann von Wartenberg den „ernsten Befehl, daß Ihr denselben Otto von Kittlitz in Besitzung der Stadt Tankow und ihrer Zugehörung, wie er sie bei unserm Bruder Johann (von Görlitz), der sie ihm gegeben, gehabt hat, geruhlich nach seiner Briefe Laut und Anweisung ungehindert lasset und ihm darin keinerlei Einfälle und Hindernisse tut, sondern ihn und die Seinen darin behaltet und beschirmet. Anders tut nicht bei unsern Hulden.“

Der Hauptmann aber mochte denken, der Weg von Prag in die Marchia Transoderam sei weit und König Sigismund weder in seinem „Ernst“ noch in seinem „Hulden“ gerade sehr ernst zu nehmen; jedenfalls gelangte der Edelherr von Kittlitz auch jetzt nicht in den Besitz von Tankow. Inzwischen bekam die Neumark wieder einen neuen Herrn; Sigismund hatte mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Konrad von Jungingen, Verhandlungen wegen Verkaufs des Landes angeknüpft. Und noch ehe man zum Abschluß gekommen war, beeilte sich König Wenceslaus seinerseits seine Zustimmung zu dem Verkauf „um eyne nemliche Summe geltes“ zu geben. In der Urkunde vom 9. August 1401, in der er auf alle seine Ansprüche verzichtet, wird neben zwölf anderen Städten über der Oder als letzte auch Tanckow genannt. Fast ein Jahr später, am 22. Juli 1402, ging dann die Neumark tatsächlich in die Gewalt des Deutschen Ordens über, wenngleich bis 1429 noch ein Wiederkaufsrecht auf dem Papier bestehen blieb.

Wenn der Ritter von Kittlitz gehofft hatte, nun endlich, nach dem Rücktritt des Hauptmanns Jan von Wartenberg, in den Genuß seiner Herrschaft Tankow zu gelangen, so irrte er sich. Der Orden zeigte keine Neigung, zweifelhafte landesherrliche Rechte aufzugeben, suchte vielmehr alle ehemaligen Domänen wieder in die Hand zu bekommen. Dabei wurde übrigens auch Jan von Wartenberg, wie er sich in einer Beschwerde ausdrückt, Küstrin ganz gegen seinen Willen, gegen alles Recht entfremdet und mit Gewalt entrissen. Otto von Kittlitz, jetzt als Herr von Baruth bezeichnet, erhob infolgedessen Einspruch dagegen, daß sein Eigentum, sein Städtchen Tankow und dessen Gebiet völlig widerrechtlich in den Verkauf der Neumark mitbegriffen sein solle und der Orden es in Besitz nehmen wolle. Durch die Urkunde des Herzogs Johann von Görlitz, d. Pragau am Tage Tiburcii 1391, sei ihm Tankow als erbliches Eigentum förmlich zugesichert worden. Der Ordensmeister antwortete am 22. März 1403, er habe die Mark über der Oder mit allem Zubehör erworben, und wegen Tankow, das zu den Domänen der früheren Landesherrschaft gerechnet worden, sei kein Vorbehalt gemacht. Er sei aber bereit, die Sache der Entscheidung des Königs zu unterbreiten und werde sich dessen Schiedsspruch unterwerfen.

König Sigismund entschied zugunsten des Ritters und wies am 9. Juni 1403 in einem Brief aus Prag den Hochmeister an, den Edelherrn von Kittlitz in seinem rechtmäßig erworbenen Eigentum Tankow ferner nicht zu beunruhigen. Der Hochmeister hatte offenbar nach der für ihn maßgeblichen Rechtslage einen anderen Bescheid erwartet. Er kam der königlichen Weisung nicht nach, sondern hielt in einem Entgegnungsschreiben vom 10. Juli 1403 das Anrecht des Ordens auf den Besitz von Tankow aufrecht. Die Verhandlungen zogen sich nun wieder Jahre lang hin. Ritter Otto von Kittlitz beschwerte sich beim Könige über die Gewalt und Anmaßung, mit der ihm sein Gut vom Orden entfremdet werde; der Hochmeister wies ihn unterm 10. Februar 1406 abermals auf den schon früher vorgeschlagenen Rechtsweg. Schließlich drehte der Hochmeister den Spieß um und bat in einem Schreiben vom 16. September 1406 den König Sigismund, den Orden gegen die von mehreren Seiten erhobenen Ansprüche auf verschiedene Gebiet, u. a. auch auf den Besitz, mit ernstem Nachdruck zu vertreten; denn der Orden wolle das Land nicht anders halten, als es ihm vom Könige verschrieben und von dessen Anwälten überwiesen worden sei.

Dieser deutliche Hinweis darauf, daß Sigismund dem Orden gegenüber zweideutig handle, scheint den König veranlaßt zu haben, sich nicht weiter in diesen Streit zu mischen. Dafür erbot sich nun der Bischof von Meißen, Johann von Baruth, ein Bruder des Otto von Kittlitz, einen Ausgleich zwischen diesem und dem Hochmeister herbeizuführen. Er erhielt jedoch unter dem 8. Dezember 1406 den Bescheid, der Orden weise seine Vermittlung zurück, sofern es ihm nicht gelinge, seinen Bruder zu einer anderen Meinung über die Rechtsverhältnisse zu bringen.

Und wieder zogen sich die Verhandlungen mehrere Jahre hin. Am 18. März 1408 schrieb Otto von Kittlitz, jetzt Vogt von Budissin (Bautzen) und Görlitz genannt, an den Hochmeister, er fordere nochmals Tankow als sein Eigentum zurück und schlage vor, die Entscheidung über die Rechtslage dem römischen und Böhmischen Könige, dem Könige von Ungarn oder dem Markgrafen von Brandenburg zu überlassen. Was sie erkennen würden, daran wolle er sich genügen lassen.

Wie lange die Bemühungen des Lausitzer Edelmannes, in den Besitz des Städtchens zu kommen, dann noch gedauert haben, ist aus dem Urkundenmaterial nicht zu ersehen. Denn leider hören wir aus ihm über Tankow nun lange Zeit nichts. Die Tage, in denen jagdfrohe Fürsten mit ihrem Gefolge die Gassen des Ortes bevölkerten, waren vorüber, abseits in der Heide lag er in Vergessenheit geraten. Auch als Festung kam er bei der veränderten Kriegführung mit seiner primitiven Umfriedung nicht mehr in Betracht. So wird er zur Zeit des Hussiten-Einfalls 1433 gar nicht erwähnt, auch 1455 nicht, als die Neumark an den Markgrafen Friedrich II. von Brandenburg kam. Erst viel später, im Jahre 1465 stoßen wir in einem „Briefe“ wieder auf den Namen Tankow. Es war am 9. März dieses Jahres zu „Cölln an der Sprev“, da verlieh Markgraf Friedrich II. dem Borchart Papstein für 100 Schock märk. Währung auf Wiederkauf das „Städtchen Tanckow“ mit dem Tankowschen See dahinter, mit freier Holzung und Grasung auf der Heide, sowie mit allen dazugehörigen Äckern und Wiesen; behielt sich aber die Holzung und die Jagd in den Heiden vor und verpflichtete ihn, der markgräflichen Jagd in der Neumark treu vorzustehen. Auch mußte er dem Markgrafen Hermsdorf mit allen seinen Zubehörungen und Gerechtigkeiten abtreten. Der Vogt zu Küstrin, Werner Puel (Pfuel) sollte ihn in sein neues Besitztum einweisen.

In den vollen Besitz der Papsteins gelangte Tankow dann am 11. November 1496. In einer Urkunde von diesem Tage verzichtet Markgraf Johann von Brandenburg (Johann Cicero) gegen Thomas Bapstein (wie der Name hier geschrieben ist), Borchart Bapsteins Sohn, an den er das Städtchen Tankow mit dem See, nebst Äckern, Holzungen und Wiesen versetzt habe, seiner getreuen Dienste wegen auf das Wiedereinlösungsrecht des Städtchens und verleiht Borcharts Brüdern Hans und Jakob Bapstein die gesamte Hand an Tankow.

Über die Tankowsche Heide verfügen im Jahre 1502 Kurfürst Joachim I. und Markgraf Albrecht, indem sie dem Jürgen Rulicke und seinen männlichen Leibeserben das Angefälle derselben verschrieben, welche Hans Promnytz, kurfürstlicher Hofmeister zu Landsberg, auf Lebenszeit in Amtsweise inne hat, und empfehlen ihm zugleich, über die kurfürstlichen Wildbahnen mit fleißigem Aufsehen zu wachen, damit ihnen kein Abbruch geschehe. 1519 finden wir sogar noch einmal wieder eine in Tankow ausgestellte landesherrliche Urkunde (3. Juni, Freytags nach Nocem Jocunditatis): Thomas v. Papsteins Söhne (oder Brüder?), Hans und Jakob, erhalten ihre Lehne, nämlich das Städtchen Tankow mit dem See dahinter, das halbe Dorf Mansfelde, einen Hof und einen Kossäten, zu Wugarten und 14 wüste Hufen beim Dorfe Lichtenow, ferner eine Hebung von 6 Gulden und 8 Groschen aus dem Zoll zu Frankfurt a.O., welche von Simon und Hans Tempelhof, kurfürstlichen Küchenmeistern, erblich erkauft worden war.

Auch 1827, als nun Thomas Papstein tatsächlich verstorben war und Hans und Jakob Papstein von Kurfürsten Joachim I. ihr rechtes Mannslehn für sich und ihre männlichen Leibeslehnserben verliehen erhalten, heißt es in der Urkunde, die uns übrigens wieder einen hübschen Einblick in die verwickelten damaligen Rechtsverhältnisse gibt: „Das Städtchen Tankow“ mit dem See und der Holzung und Grasung auf der Heide sowie mit den Zugehörigkeiten an Holzungen, Gewässern und Wiesen; ferner die Hälfte des Dorfes Manßfeld weniger 6 Hufen; im Dorfe Wogarten auf dem Hofe und den Hufen, die Valentin Meyer besitzt, 1 Schock Groschen und einen Kosten (Kossäten) Hanstein, der 9 Gr. und 4 Hühner entrichtet, sowie 6 Gr. auf dem Kruge; im Dorfe Lichteno 13 wüste Hufen und von den Zeidlern der Heiden jährlich den 8 ten Teil von der Tonne Honig.

Tankow wird hier also noch fortgesetzt als „Städtchen“ bezeichnet. Aus der Reihe der neumärkischen Städte aber war es tatsächlich längst ausgeschieden. Während früher die Landesherren dort einritten und auf dem dortigen „Hause“ Regierungshandlungen vornahmen, wird es um diese Zeit nicht einmal mehr auf den Huldigungsreisen berührt. 1499 beispielsweise besuchte Kurfürst Joachim wohl die Städte Königsberg, Soldin, Berlinchen, Friedeberg, Arnswalde usw., um die Huldigung persönlich entgegenzunehmen; die Huldigung „zu Tankow“ aber fand in Friedeberg statt, wo sich die Lehnsleute Gebrüder Thomas und Hans von Papstein dazu einzufinden hatten. Und als 1529 „zu Szoldin“ sämtliche „Nygemarkschen“ Städte vor Kurt Borgstorf, Landvogt „des Orts der Nygemark“ einen Vertrag wegen der zu stellenden Kriegsknechte schließen, werden aufgezählt (die Zahlen sind wieder interessant für das Verhältnis der Größe bzw. Leistungsfähigkeit der Städte): Szoldin mit 23 (50?) Knechten, Königsberg mit 38, Arnswalde 38, Landsberg 28, Cüstryn 9 (6?), Berwalde 13, Schonfliete 16, Friedeberg 27, Woldenberg 8, Dramburg 10, Schievelbein 15, Mohrin 5, Berlynchen 5, Lippehne 5, - Tankow fehlt.

Über die weiteren Schicksale des aus der Reihe der historischen Stätten ausgeschiedenen Ortes ist nur noch folgendes mitzuteilen: Er blieb bis 1788 im Besitz derer von Papstein. In diesem Jahre verkaufte Generalmajor Jak. Christoph v. Papstein Tankow an den Major Adam Friedr. v. Bock, seinen Schwager. Da dieser schon 1792 starb, war Tankow dann im Besitz seiner Witwe, der Majorin v. Bock geb. Luise Friederike v. Papstein. Von der letzten Erbtochter der Familie Papstein erwarb 1803 Rittmeister Fr. Ew. v. Massow das Gut Tankow, 1820 kam es dann an die Familie v. Brand und wechselte seitdem mehrfach den Besitzer.

Der Name Tankowsche Heide, auch Heide Massin, umfasste ursprünglich als Jagdrevier der Markgrafen das ganze Waldgebiet zwischen Landsberg, Friedeberg und Berlinchen. Später beschränkte sich die Bezeichnung Tankowsche Heide auf den östlichen Teil derselben, der südwestliche dagegen hieß Landsberger Heide. So wird urkundlich z. B. 1521 von einer „Heide zu Landsberg“ gesprochen, in der Kurfürst Joachim denen von der Marwitz gestattete, Rehe und Schweine, jedoch nicht das Hochwild zu jagen. Im übrigen besaßen darin, wie insbesondere auch in der Tankowschen Heide im engeren Sinne, die Bewohner aller umliegenden Dörfer, gegen Entrichtung von Heidehafer, Holz- und Weideberechtigung, wie sie ja auch vordem die Bürger der Stadt Tankow gehabt hatten. Diese eigentliche Tankower Heide gehörte früher zum Kreise Friedeberg, wurde dann aber zum Landsberger Kreise gelegt und führt heute die Bezeichnung Alt-Wildenower Forst, so dass also auch ihr geschichtlicher Name verschwunden ist.

Das heutige Dorf Tankow macht in keiner Weise einen städtischen Eindruck; es ist kaum mehr als ein Gutshof mit Zubehör. Selbst der Krug gehört zum Rittergut. Doch ist es wegen seiner schönen Lage zwischen zwei reizenden Seen besuchenswert. Auch wissen die Leute dort noch mancherlei von der alten Zeit zu berichten! Damals sei Tankow ein bedeutender Ort gewesen, aber Feuersbrunst habe ihn vernichtet. Unter einer mächtigen Eiche im Gutspark hätten die Herrschaften schon „zur Zeit Kaiser Karls“ gefrühstückt, erzählte uns ein alter Mann. Als Reste der Befestigung des Ortes „zur Abwehr der umwohnenden Raubritter“ zeigte er uns dann zwei wie die Wälle eines Schießstandes gleichlaufende Schanzen, die nach dem einen See hinführten. Er erinnere sich noch, als er ein Junge gewesen, vor etwa 80 Jahren, hätte diese Doppelschanze noch viel weiter um das Dorf gereicht, man habe sie aber dann zum Straßenbau abgekarrt. In älterer Zeit sei sie von einem See zum anderen gelaufen und habe den Ort sonach von der Landseite völlig umschlossen. Es sei auch eine Schleusenvorrichtung vorhanden gewesen, um den Graben zwischen den beiden Wällen mit Wasser zu füllen. Die weiter außerhalb über das beide Seen verbindende Fließ führende Brücke war damals eine Zugbrücke, und die Wiesen daneben, in denen ein viereckiger Hügel, der „Wallberg“ liegt, ein Sumpf; auf dem Wallberg habe man u. a. ein Steinbeil, eine steinerne Kanonenkugel und einen „steinernen Schlüssel“ gefunden; der Hügel sei sonach auch ein Teil der Befestigung gewesen.

Wer sich also einmal nach dem weit abseits von belebten Straßen gelegenen Orte verirrt, findet wenigstens einiges, woran sich die Erinnerung an die ehemalige Stadt Tankow knüpft.

 


Aus dem: Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg Paul Niekammer, Stettin 1907

 

Besitzer:        Elisabeth von Erxleben, geb. von Brand auf Tankow

Pächter:         Maass, Seegenfelde

Verwalter:

Industrie:       Dampfschneidemühle, Brennerei


 

Daten von 1933

 

Einwohnerzahl:            208

Bürgermeister:             Willi Mönke

Beigeordneter:             Fritz Pieper

Amtsvorsteher:            Manfred Zeller


 

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