Mehrenthin, Kreis Friedeberg

(mit den Vorwerken Waldowshof und Buschkamp)

 

Wissenswertes zum Ort

Text und Fotos: Heinz-Ewo von Brand

Das Gutsdorf Mehrenthin liegt 5 km ost, süd – ost, von Woldenberg an der Bahnstrecke Kreuz-Arnswalde am Rande eines großen Waldgebietes des Baltischen Landrückens und bildet die Nordostecke des neumärkischen Kreises Friedeberg und der Mark Brandenburg. Im Norden ist es von dem Woldenberger Fließ, im Osten von der Drage und dem Großherzogtum Posen begrenzt. Das Gut Mehrenthin umfaßt ein Areal von ca. 15000 Morgen, 5000 Morgen Acker und Wiesen und 10000 Morgen Wald, zumeist Kieferbestand. Sie wurden von dem Hauptgut und den 3 Vorwerken Waldowshof, Linckow und Buschkamp bewirtschaftet.

 

Die historischen Nachrichten über den Ort und das Rittergut reichen bis zum Jahre 1571 zurück. Damals erscheint das Gutsgeschlecht derer von Gramm; später das derer von Sydow im Besitz von Mehrenthin. Von diesen ist es 1722  in die Hände des damaligen Oberst Leutenants und späteren General Friedrich Sigismund von Waldow übergegangen. Sein Urenkel Robert Friedrich Heinrich Ludwig August von Waldow hat in den Jahren 1860 – 1863 das Schloß erbaut und den Park entsprechend angelegt. Er verstarb 1896. Danach waen zunächst Bernhard bis 1914 dann Bernd Sigismund von Waldow die Besitzer des Rittergutes. Nachdem Norbert, der letzte Sohn dieser von Waldowschen Linie 1944 als Soldat in Rußland gefallen war, fanden Vorbesprechungen seiner Stiefmutter und der ältesten Schwester seines Vaters Erika von Brand geb. von Waldow sowie eines Vertretes des damaligen Reichsernährstandes statt, wer die Besitzungen nun übernehmen sollte. Damals wurde Wilfried von Brand in Erwägung gezogen; bekanntlich konnten aber durch die Kriegsgeschehnisse keinerlei Abmachungen mehr getroffen werden.

 

Mit Friedeberg ist Mehrenthin durch die Person des Landrates Ulrich von Waldow verbunden, der hier von 1899 -1919 amtierte. Sein reichgesegnetes Wirken wurde durch viele Ehrungen gewürdigt, u.a. ließ der Kreis Friedeberg sein Bildnis in Lebensgröße durch Anton Bartz in Öl malen. Stadt und Land bereiteten ihm bei seinem freiwilligen Rücktritt eine ehrenvolle, herzliche Feier.

Nach dem Landbuch der Terra transoderana (der späteren Neumark) gab es 1337 in der Terra Fredeberghe 34 Dörfer ~ darunter „Meretin“ mit 64 Hufen (1 Hufe = 20-40 Morgen).

Damals erhielt die Ehefrau des Betken von der 0sten, Margarete, in Mehrentin ein Leibgedinge. - Bis ins 1600. Jahrhundert waren die von Grame Rittergutsbesitzer und Lehnsempfänger der Kurfürsten auf Mehrenthin. Um 1750 gehörte es Wilhelm von Waldow. Im 7 jährigen Krieg flüchtete er in dea Schutz der Stadt Friedeberg.

Viele der durch den Krieg in Bedrängnis geratenen Rittergutsbesitzer wurden vom Staat durch Darlehen zu geringen Zinssätzen unterstützt. So erhielt der minderjährige Erbe von Mehrenthin Johann Friedrich Ludolf von Waldow 6000 Taler zu 1%. Die damit auszuführenden Bodenverbesserungen mußten durch dazu bestellte Unternehmer bewirkt werden. Für Mehrenthin war das der Friedeberger Kämmerer Martin Tägen. Seitdem entwickelten die v. Waldows eine rege, verantwortungsbewußte Verwaltungstätigkeit von Mehrenthin aus, die auch dem Kreis Friedeberg  zugute kam, in dem sie im Kreis - und auch im Landtag ehrenamtlich mitwirkten. 


   

 

Aufnahme des Mehrenthiner Schloßes vor und nach der Restaurierung

 

Das Mehrenthiner Schloß wurde nach der Restaurierung eines polnischen Investors aus Posen in ein Hotel umgewandelt. (Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2001.)

Das Hotel heißt heute Palac Mierzecin = Palast Mehrenthin. Auch der gesamte Park mit dem kleinen See ist wieder wunderschön restauriert worden. Selbst das Familienwappen der von Waldows wurde erhalten.

 


 

 

Einschulung 1934 (Foto von Siegrid Tank-Bodermann, mailto:Bodermann@t-online.de)

hinten 2. von links: Günter Tank *11.10.1928 in Waldowshof

vorn 3. von links: Tochter des damaligen Gutsbesitzers

 

Schulfoto um 1933 (Foto von Siegrid Tank-Bodermann, mailto:Bodermann@t-online.de)

ganz vorn rechts sitzend: Gerhard Tank, * 07.04.1927 in Waldowshof

 

 

Im Buch: Die Neumark, Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Neumark Heft 3, 1926 werden im Beitrag:

Die Klassifikation von 1718/19 folgende Angaben gemacht:

 

Besitzer 1718: Gardehauptmann a.D. Hans Friedrich von Sydow, Christoph Friedrich von Sydow

 

                       1715:  Joachim Friedrich von Sydow, hat die beiden oben genannten Söhne

                                  Hans Friedrich hat 2 Söhne:

-                                Joachim Friedrich von Sydow

-                                Hans Christoph Friedrich von Sydow

                        Gesamthand bei Lehen mit allen Sydows in der Neumark

 

Bewohner:     Dowecke, Hans, Bauer

                        Zuch, Christian, Bauer

                        Dowecke, Michel, Bauer

                        Jäcke, Hans, Bauer

                        Schumann, Hans, Bauer

                        Schievelbein, Friedrich, Bauer

                        Däwecke, Bartholomäus, Bauer

                        Stolte, Martin, Bauer

                        Heyden, Hans, Bauer

                        Heyden, Michel, Bauer

                        (?), der Schmied

                        (?), der Hirt

 

Aus dem: Güter-Adressbuch der Provinz Brandenburg Paul Niekammer, Stettin 1907

 

Besitzer:        Bernhard von Waldow

Pächter:

Verwalter:

Industrie:       Brennerei, Ziegelei

 

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