Schulchronik von Ratzersdorf

Mir liegt die Kopie einer handschriftlich verfaßten Schulchronik der evangelischen Gemeinde A. B. Ratzersdorf vor, die mir freundlicherweise Jolan Peters aus Geisenheim zur Verfügung stellte. Für die Zeit von 1835 bis ca. 1900 begnügt sich der Verfasser mit Zitaten der entsprechenden Kapitel aus der von Gustav Polevkovics verfaßten Geschichte der evang. Kirchengemeinde A. B. zu Ratzersdorf aus dem Jahre 1885. Die folgende Zeit bis etwa 1920 rekonstruierte er aus den Konventsprotokollen der Gemeinde. Ab diesem Zeitpunkt (Rudolf Kottler kam am 21. Oktober 1920 aus der Kriegsgefangenschaft) wird die Chronik umfassender und wurde teilweise mit Fotos ergänzt.

Um die Chronik zu einem für Familienforscher übersichtlichen Werk zu gestalten, habe ich sämtliche vorkommenden Namen farblich vom übrigen Text abgesetzt.

 

Da ich nur eine Kopie besitze, sind die Fotos von minderer Qualität. Ich bin jedem dankbar, der mir die Originale leihweise zur Verfügung stellen kann, um die Kopien nach und nach durch Reproduktionen der Originale zu ersetzen.

 

Norbert Gschweng, Greifswald im Juni 2002


1835-1942

geschrieben von Herrn Oberlehrer

Rudolf Kottler


Die evang. Kirchengemeinde zu Ratzersdorf feierte im Jahre 1885 ihr fünfzigjähriges Jubiläum. Zu dieser Gelegenheit verfaßte der damalige evang. Pfarrer der Gemeinde Gustav Polevkovics die Geschichte der evang. Kirchengemeinde A.B. zu Ratzersdorf. Aus diesem Buche entnehmen wir dies Kapitel, welches sich auf den Stand der Lehrer und Schule bezieht:

 

5. Kapitel

Lehrer, Schule und gegenwärtiger Stand derselben.

 

1. Lehrer der evangelischen Gemeinde von 1835-1885

 

 

Aus dem vorigen Kapitel ist zu sehen, daß seit dem Jahre 1833-1849, wegen bescheidenen Verhältnissen der Gemeinde, das Amt des Lehrers die Pfarrer Pospisch und Bukwa versehen haben.

Im Jahre 1849 wurde als erster Lehrer der nun in geregelte Verhältnisse kommenden, selbständigen Gemeinde Karl Bartos, ein gebürtiger Modreiner, angestellt. Als  ausgezeichneter Lehrer steht er jetzt noch immer in gutem Andenken. Später verließ er die Gemeinde, in eine bessere Stellung nach Ivánka, im Turóczer Komitate, abgehend.

Sein Nachfolger war Johann Georg Kraitz aus Modern, ein Studierender der Theologie, welcher nach kurzem, aber in seinem Fache tüchtigem Wirken im Jahre 1858 zur Fortsetzung seiner theologischen Studien nach Wien abging und dann als Pfarrer nach Hostialkowo, in Mähren, berufen wurde.

Dessen Nachfolger von 1859 bis 1865, war Michael Dionysius Bartos, ein Bruder des vorigen Bartos. In bescheidenen Lebensverhältnissen, im Jahre 1833 zu Modern geboren, besuchte er die Elementarklassen und das Untergymnasium seiner Vaterstadt, kam dann als Lehrergehilfe nach Pußta-Födémes, nach einem Jahre als wirklicher Lehrer in die Filiale Jablonicz und nach einem Jahre wieder als Lehrergehilfe nach Csataj. Nach Verlauf wieder eines Jahres berief ihn, anfangs 1859, die hiesige evang. Gemeinde zu ihrem Lehrer, in der er, bis zu seinem Tode am 10. Februar 1865, sechs Jahre lang wirkte. Am 02. Mätz 1859 verehelichte er sich mit Johanna Kossaczky, der Tochter seines gewesenen Prinzipals zu Csataj, und nach sechsjähriger Ehe hinterließ er die Wittwe mit drei Kindern in dürftigen Verhältnissen. Er starb im Alter von 32 Jahren. Seine tief religiöse Sinnesart war bei den jugendlichen Herzen von guter Wirkung.

Noch während edr Erkrankung des Michael Bartos wurde demselben, seit 08. Dezember 1864 Karl Langhofer, ein Sohn des Bösinger Lehrers, Georg Langhofer, als Gehilfe zur Seite gestellt, welcher nach dessen erfolgtem Tode bis zur neuen Schullehrerwahl, bis zum 28. Mai des Jahres 1865 den Schuldienst versah.

Am 28. Mai 1865 wurde Karl Tim, vorläufig nur provisorisch, am 03. Juni 1866 aber definitiv, als Lehrer angestellt. Setdem wirkt er in dieser Stellung hier 20 Jahre lang. Derselbe wurde zu Oberufer im Preßburger Komitate, am 01. November 1846, als Sohn des Johann Tim geboren. Nach dem Besuche der Elementarschulen in seinem Geburtsort, in Loipersdorf, Ivánka und der Bürgerschule zu Preßburg absolvierte er, seit dem Jahre 1859 bis 1863, die Untergymnasialklassen am Preßburger Lyceum und zog 1863 an die evangelische Lehrerpräparandie nach Oedenburg, wo ihn am 28. Mai 1865 der Ruf zum Lehrer nach Ratzersdorf traf. Am 16. Juni 1869 verehelichte er sich mit Karoline Zechmeister, Tochter des Johann Zechmeister, bürgerlicher Weingärtner aus Preßburg. Dessen Ehe ward mit 6 Kindern gesegnet, von welchen ein Söhnlein mit 7 Jahren verstarb.

 

 

2. Gegenwärtige Schule, Stand derselben

 

 

Das Lokal für den Unterricht ist, wie schon gesagt worden, von der Wohnung des Lehrers getrennt und befindet sich im Hofraum der jetzigen Pfarrwohnung. Es wurde im Jahre 1868, den landesgesetzlichen Anforderungen gemäß, gebaut und am 01. Mai. 1869 von dem Herrn Senior Johann Geyer geweiht. Die Schule, 4 Treppen hoch stehend, erhält durch 4, der Morgensonne zugekehrte Fenster gehöriges Licht und ist mit 4 Ventilatoren unter dem Plafond versehen. Ist darum licht, trocken, gesund und geräumig. Die innere Länge beträgt 8,54 Meter, die Breite 6,55 Meter und die Höhe 3,20 Meter. Der Raum faßt somit 179 Kubikmeter in sich,  wonach bei 80, die Schule besuchenden Kindern 2,2 m3 oder 0,7 m2 per Kopf entfallen. (Das Schulgesetz von 1868, Art. 38 bestimmt bei 60 Kindern, pro Kopf das Minimum von 8 Quadrat-Schuhen an Flächenraum)

Am Anfang des Jahres 1855, bei der Anzahl von 610 Seelen der Gemeinde, beträgt die Zahl der 6-12-jährigen schulpflichtigen Kinder 33 Knaben und 51 Mädchen, zusammen 84 Kinder. Von 13-15 Jahren 11 Knaben und 15 Mädchen, zusammen 26 Wiederhohlungsschüler und Schülerinnen. Knaben und Mädchen werden nur in der Wiederholungsschule, in den Wintermonaten, täglich in einer Stunde von 6-7 Abends und im Sommer Sonntags von 1-2, getrennt voneinander unterrichtet. Den gewöhnlichen Unterricht besuchen Knaben und Mädchen noch gemeinschaftlich. Die Kirchengemeinde hat im Jahre 1885 zur Erhaltung der Schule 462 fl. ö.W. verausgabt, welche Summe, wenn keine größeren Reparaturen oder Anschaffungen stattfinden, auch für andere Jahre so ziemlich normal ist.


Aus den Konventsprotokollen der ev. Gemeinde entnehmen wir folgende Daten:

Nachdem die Zahl der Schulkinder sich so machte, daß sie durch einen Lehrer nicht hinreichend unterrichtet werden konnte, wurde die zweite Klasse nach vielen Beratungen und Konventen im Jahre 1894 um den Betrag von 2743 Gulden 48 Kreuzer = 494696 Kronen erbaut.

Als zweite Lehrer an dieser Schule wirkten:

1. Michael Müllner von 1894 bis 19. Januar 1896, der jetzt in seiner Geburtsstadt Pressburg tätig ist.

2. Nach ihm kam Tobias Ulreich aus Oberschützen und wirkte vom 19. Januar 1896 bis 31. August 1900.

3. Vom 1. September 1900 unterrichtete der Ortsgeistliche Otto Schulze bis Ende Juni 1901.

Von dieser Zeit an gelang es der Gemeinde die Staatssubvention für die zweite Lehrerstelle zu erreichen. Diese Unterstützung genoß zum ersten Mal:

4. Koloman Trieber, gebürtig aus Kichdrau vom Jahre 1901 bis zum 24. August 1902. Er kam von Nyiregyháza nach Ratzersdorf und nach einjähriger Tatigkeit wurde er an die ev. Volksschule zu Pressburg als Lehrer angestellt.

5. Nach ihm folgte Ludwig Westsik, gebürtig aus Modern vom Jahre 1902 - 1905.

Im Jahre 1905 als die ev. Gemeinde ihren neuerbauten Glockenturm einweihte, hielt Lehrer Karl Tim sein 40 jähriges Amtsjubiläum ab, bei welcher Gelegenheit ihm vom könig. ung.  Ministerium für Schulwesen und Volkskultur das goldene Verdienstkreuz verliehen wurde. Nach seinem Jubiläum wirkte er noch fünf Jahre bei der ev. Gemeinde.

6. Vom Jahre 1905 bis 1907 wirkte an der zweiten Lehrerstelle Árpád Horvay aus Kirchdrauf gebürtig.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 24.04.1905.

4. Der Hochw. Herr Pfarrer meldet der Gemeinde, daß sich auf den ausgeschriebenen Consurs 5 Lehrerkandidaten meldeten. Es wird auf ein Probejahr Herr Horvay Árpád zum Lehrer gewählt. Indem nun die Leseferien eintreten, es hat der Neugewählte sein Amt allhier am 15. Oktober anzutreten.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 28. Januar 1906.

9. Wird bestimmt, daß ungetaufte Kinder in die Schule nicht aufgenommen werden dürfen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 1. Juli 1906.

6. Sodann wird dem H. Lehrer Horvay Árpád das Definitivum erteilt und wird demselben die Vocation auszustellen angeordnet. Auch legt derselbe gleichzeitig den Amtseid ab. In einem bittet H. Lehrer Horvay um Aufbesserung seines Gehaltes. Der Convent beschließt demselben jährlich 200 Kronen als persönliches Geschenk zu geben, insolange derselbe Lehrer der evang. Gemeinde Récse ist, und wird demselben dieser Beschluß in einem Prot. Auszug eingehändigt.

Da in diesem Jahre die Staatssubvention abläuft, wird der Hw. H. Pfarrer ersucht, die nötigen Schritte zur weiteren Erlangung derselben, zu veranlassen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 25.11.1906.

6. Wird der Hw. H. Pfarrer damit betraut, eine Eingabe an das Löbl. Schulinspektorat und im Notfall an das hohe k. u. Cultusministerium einzureichen, damit bei Errichtung einer staatlichen Volksschule in Recse, die Rechte der ev. Gemeinde gewahrt werden, indem an der genannten Schule eine evang. Lehrkraft angestellt werde.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 26. Mai 1907.

4. Wird die Abdankung des H. Lehrers Horvay verlesen und zur Kenntnis genommen. Die Möbel desselben werden nur dann hinausgegeben, wenn dieselben ausbezahlt werden.

5. Den Unterricht betreffend wird bestimmt, daß bis zum Schlusse des Schuljahres die Kinder beider Schulen zusammen durch H. Lehrer Tim Karoly unterrichtet werden mögen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 30. Juni 1907.

5. Beschließt der Konvent, die Wahl eines zweiten Lehrers so lange in Schwebe zu halten, bis die Gemeinde darüber Gewißheit erlangt, ob sie der bisher bezogenen Staatssubventionen auch fernerhin teilhaftig bleibt, oder ob ihr dieselbe entzogen wird.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 21. Juli 1907.

2. Wird das Gesuch des Candidaten Stelczer Adolf um die zweite Lehrerstelle an hiesiger Gemeinde verlesen, sowie dessen Diplom vorgelegt. Der Convent beschließt hierauf, daß die Gemeinde Herrn Stelczer Adolf als zweiten Lehrer zur evang. Schule in Recse beruft. Um die Ausstellung des Berufungsschreibens sowie Veranlassung der nötigen Schritte zur Erlangung der bisher bezogenen Staatssubvention wird der Hw. H. Pfarrer gebeten.

3. Als Gehalt bezieht derselbe von Seite der Gemeinde 200 Kronen, an Staatssubventionen 800 K = (1000). Als Kantor 40 K Holzgeld, u. von jedem Begräbnisse 1 K. Stola. Eine aus 1 Zimmer u. Küche bestehende Wohnung u. Garten. Im Falle der Entziehung der Staatssubvention von Seite des Ministeriums garantiert die Gemeinde dem Lehrer obigen Gehalt nur auf ein Jahr. Der Gehaltsbezug des zweiten Lehrers beginnt mit 1. September d. J.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 11. Aug. 1907.

2. Wird die Vocation für den Herrn Lehrer Stelczer in ung. Sprache vorgelesen und deutsch übersetzt. Der Convent genehmigt und unterfertigt dieselbe.

4. Wird dem H. Lehrer Tim für den Unterricht in den oberen Klassen im Monat Mai-Juni der Betrag von 20 K. votiert.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 11.11.1907.

2. Betreffend die angesuchte Staatssubvention, trägt der Hw. H. Pfarrer vor, daß das Gesuch vom Komitats-Verwaltungsausschuß zurückgewiesen wurde u.z. wegen der, laut neuester Ministerial Verordnung, nicht genügender Ausstattung. Der Convent bevollmächtigt den Hw. H. Pfarrer die nötigen Beilagen zu beschaffen, und dem neu zu unterbreitenden Gesuche beizuschließen.

3. Der H. Pfarrer meldet, daß laut Ministerial-Erlass, die nicht ung. Lehrbücher unserer Schule dem hohen Ministerium einzusenden sind. Der Convent beauftragt den Schulvater die betreffenden Bücher ankaufen zu lassen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 9. Februar 1908.

5. Wird der Herr Lehrer Stelczer als neuer Lehrer der ev. Gemeinde Recse beeidet.

7. Die nach dem neuen Schulgesetz vorgeschriebenen Lehrmittel für die Schulen sind aus den Zinsen der Vermächtnisse successive anzuschaffen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 10. Mai 1908.

2. Sodann wird die Zuschrift des Schulstuhles des Recse-er Staatsschule verlesen, welche folgendermaßen lautet:

I. Kivonat.

-a récsei áll. elemi isk.gondnokság áprilio ho ulésén fölvett jegyzökönyoböl.

Jelen. voltak: Dvorák Karoly elnök, Dr. Szigethy László, Silhányi István, Ferdinand Adolf, Farkas Elöd és Bezák István

Tárgy:

Az áll. iskola részére allandó épületröl való gondoskodás.Etnök ecélra a báró Névery-féle házat a mägötte levö kerttel és szölöskerttel együtt találja alkamasnak, inditványozza ennélfogva, hogy a gondnokság nevezett háznak kibérlését esetleg örök áron valö megvétélet a szakministertöl kérvényezze.

Határozat:

A gondnokság az inditoányt elfogadja, de végrehajtását majus havi uléscig felfüggeszti tekintettel arra, hogy Récse községben úgy a róm kath mint az ág hitv. ev. hitközség saját iskolával és iskolaépulettel rendelkezik de azok átadására még eddig egyik sem kéretett fel, -elhatározza a gondnokság nevezett hitközségek iskolaszékeit megkeresni hajlandók volnának-e iskolaépületeiket és minö feltételek mellett az államnak átadni Aláirások.

19. sz. 1908 ápr. 26án Pecsét

Galbavy J. jegyzö

II. 19/1908 sz. A ecsei áll. isk. gondnokságától Tek.

Ág. ev. Iskolaszéki Elnökségnek Récsén.

Az ide csatolt jegyzökönyvi kivonatot, midön hivatalos tisztelettel van szerencsém a gondknokság megbizatásából megküldeni, egyuttal kérem, sziveskednék az arra vonatkozó választ illetve határozatot a gondknoksággal f. é. majus ho 14.ig tudatni: Kitünö tisztelettel.

Kelt Récse, 1908 apr. hó 26.án.

Galbavy J. áll. isk. ig. tanitó.

3. Nachdem unsere Gemeinde der Aufforderung des staatl. Schulstuhles ganz unvorbereitet gegenübersteht, diese Angelegenheit aber zu wichtig ist, als daß hierüber kurzer Hand ein Beschluß erbracht werden könnte, spricht sich der Gemeinde Konvent dahin aus, daß die Gemeinde derzeit ihre Schule resp. Schulgebäude dem Staate zu übergeben nicht in der Lage ist, umsoweniger, weil zu diesem Entschluß die entgültige Entscheidung der oberen Kirchenbehörde eingeholt werden muß.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 15. Non. 1908.

3. Betreff der Teilung des Lehrer- und Kantorgehaltes wird beschlossen: Die Gemeinde ist mit der Teilung des Gehaltes des Kantorlehrers einverstanden, wonach zum Lehrergehalt der Salair, Schulgeld, die Hälfte des Weines, die Hälfte der Frucht, der Ackerpacht, das Brennholz und das Wald-Erträgnis zu rechnen ist; zum Organistengehalt, die Hälfte des Weines, die Hälfte der Frucht, die Opfer und die Stolarien zu rechnen sind; - jedoch nur für die Person des gegenwärtigen H. Lehrers Tim Karoly. Sollte eine Änderung im Amte oder der Person eintreten, behält sich die Gemeinde das Recht vor, im Falle bis dahin nicht gesetzliche Verfügungen getroffen werden, nach eigenem besten Gutdünken verfügen zu wollen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 25. April 1909.

5. Der Hw. Herr Pfarrer trägt das Verlangen des 2. Lehrers Adolf Stelczer, um Beistellung eines Kellers und einer Holzlage vor. Dieses Verlangen wird vom Convente abgewiesen.

Benehmen des Lehrers A. Stelczer:

Jegyzökönyv

felvétetett a récsei ag. hitv. ev. iskolaszékének 1909 évi marcius hó 28.án tartott gyülésében.

Tárgy:

Stelczer Adolf másodtanitó hivatalmulasztás és botrányos életének feljelentése tárgyában.

Miután Stelczer Adolf tanitó valamint a nagytiszteletü lelkész úr úgy a hitközseg elöljárósága többszöri és erélyes megdorgáláza dacára botrányos életét folytatja holt részegre issza magát, éjjel békétlenkedik, és vagy alszik az iskolában, vagy otthon aludva az iskolát ismételve elmulasztotta, s ezáltal nemcsak tanitványainak erkölcsi nevelésére a legrosszabb hatással van, hanem hiványával ellenkezöleg az egész községnek rossz példával szolgál o igy hivatásának meg nem felel, az iskolaszék ezen jegyzökönyvet azon alázatos kéréssel terjeszti fel a nagytiszteletü föesperes úrhoz, kegyeskednék itt mielöbb orvoslásról gondoskodni.

Kelt Récse 1909 márc hó 28.án

Schulze Otto ev. lelkész, iskolaszéki elnök

Tim Károly isksz. jegyzö

Wenzl Mihály felügyelö

Johanin Wengh

Strokendl Michael gondnok

Tietz Pál

Petschuch Samuel

Gschweng Andreas m. p.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 12. Juni 1910.

6. Der Herr Pfarrer meldet der löbl. Gemeinde, daß die Staatssubvention für die beiden Herrn Lehrer am 30. Sept 1910 abläuft. Die Gemeinde bestimmt, daß die Staatssubvention von dem hohen Kultusministerium von Neuem erbeten werden soll, und bittet den Hw. Herrn Pfarrer, das Bittgesuch zu verfertigen und einzureichen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 17. Juli 1910.

3. Der Herr Pfarrer meldet, daß Herr Lehrer Karl Tim in einem am 9. Juli l. J. an ihn gerichteten Schreiben vom 31. August an, von seiner Stelle schriftlich abgedankt hat, weil ihm das hohe königl. ung. Ministerium für Cultus und Unterricht, mit Decret sub Zahl 56164/910 vom 1. Sept. 1910 pensionierte, und bittet den Herrn Pfarrer seine Abdankung der löbl. Gemeinde zur Kenntnis zu bringen. Ferner meldet der Herr Pfarrer, daß H. Lehrer Tim in demselben Schreiben die Gemeinde bittet, den 2/3 Teil der ihm gebührenden Naturalien, ihm diesmal in Geld auszuzahlen, da er die Naturalien persönlich nicht mehr einheben kann und darf.

4. Die Gemeinde nimmt die Abdankung des Herrn Lehrers Karl Tim zur Kenntnis und dankt ihm für seine bisherige Mühewaltung und bestimmt, daß dem Herrn Lehrer Tim seine Forderung von Naturalien erst dann abgelöst werden soll, wenn man Frucht und Wein nach dem laufenden Preis abschätzen kann. Mit der Einsammlung des Geldes werden die beiden Herrn Vosteher betraut. Herr Lehrer Tim wird aufgefordert, die Liste der ihm zahlenden Gemeindemitglieder den Herrn Vorstehern zu übergeben. Ein jedes Gemeindemitglied ist verpflichtet, den Wert der Naturalien den Herrn Vorstehern zu überliefern.

5. Meldet der Herr Pfarrer, daß das hohe Ministerium laut obigen Pensionierungs-Decret des Herrn Lehrers Tim 20 Kronen ein für allemal von der löbl. Gemeinde fordert. Die Gemeinde bestimmt, daß diese 20 Kronen von der Gemeinde an das Pozsonyer königl. Steueramt eingesendet werden soll.

6. Nachdem die Gemeindemitglieder in Angelegenheit der Wiederbesetzung der durch die Abdankung des H. Lehrers Kal Tim erledigten Lehrerstelle nicht einig werden können, weil die gegenwärtigen Gemeindemitglieder sich für die Nichtbesetzung der Lehrerstelle aussprechen,  der Herr Kircheninspektor, sowie auch der geistliche Herr aber die Gemeindemitglieder eindringlich bittet, die erledigte Lehrerstelle wieder zu besetzen, damit die Gemeinde keinen moralischen und materiellen Schaden erleide, wollen die Gemeindemitglieder diese Angelegenheit noch unter sich besprechen, somit wird der heutige Convent vom Präsidium auf 8 Tage vertagt. Zu dem am 24. Juli fortsetzend abgehaltenen Kirchenkonvent sind nur 10 Gemeindemitglieder erschienen, die trotz der Bitte des geistlichen Herrn, die erledigte Lehrerstelle zu besetzen, in Anbetracht der sehr geringen Zahl der erschienenen Gemeindemitglieder keine Entscheidung bringen können, somit wird der Convent ohne Resultat, mit der Bemerkung des geistl. Herrn die Angelegenheit dem löbl. Seniorate zu unterbreiten, geschlossen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 4. Sept. 1910.

4. Beschließt die Gemeinde, daß die Schulkinder einen gründlichen Unterricht in der Bibelgeschichte, dem Katechismus und Evangelium erhalten sollen. Der Herr Consenior verspricht diesen Beschluß der Gemeinde in Zukunft gründlich zu kontrollieren.

5. Beschließt die Gemeinde, daß die Schulbücher nicht ohne triftigen Grund gewechselt werden sollen.

6. Ersucht der Herr Consenior die versammelte Gemeinde, daß die durch die Abdankung des Herrn Lehrer Karl Tim erledigte Lehrerstelle besetzt werden soll. Nachdem die Gemeinde nicht die Zahl der noch einzuschreibenden Schulkinder bestimmen kann, wir Herr Lehrer Adolf Stelczer aufgefordert, sämtliche Kinder aufzunehmen und zu unterrichten.Wenn sich bis Ende September über 60 Kinder in die Schule einschreiben lassen, wird der Herr Consenior ersucht, einen entsprechenden Lehrer der Gemeinde vorzuschlagen, den die Gemeinde dann provisorisch bis 30. Juni 1911 anstellt. Der anzustellende Lehrer soll nebst freier Wohnung einen monatlichen Gehalt von 84 Kronen erhalten.

7. Meldet der Herr Consenior, daß die Bezüge, welche in der Vokation des Herrn Lehrers Karl Tim eingetragen sind, von der Gemeinde auch fernerhin eingesammelt (werden sollen) und in der Gemeindekassa verwaltet werden sollen. Von diesen wird den zuerwählenden Lehrer monatlich 84 Kronen ausbezahlt werden.

8. Nachdem wir keine entsprechende deutschsprachige Bibelgeschichte bisher finden konnten, weil die Weber´sche aus Anlaß des Ablebens Sr. Hw. Herrn Senior Weber nicht mehr in Druck erschien, in unseren Schulen aber nur eine in Ungarn herausgegebene und approbierte Bibelgeschichte gebraucht werden kann, meldet der Herr Consenior, daß Sr. Hw. Herr Pfarrer Edmund Scholtz in Agendorf eine solche herausgab, die von Fachmännern günstig beurteilt und von dem löbl. Generalkonvente als Lehrbuch angenommen wurde, empfiehl er dieselbe zur Einführung. Die Gemeinde bestimmt, daß dieses Buch eingeführt werden soll.

9. Wird bestimmt, daß über die von Herrn Lehrer Karl Tim verwalteten Schulrequisiten und Lehrmittel ein Inventar demnächst im Beisein des geistlichen Herrn, des Herrn Schulvaters, der beiden Herren Vorsteher sowie des Herrn Lehrers Adolf Stelczer aufgenommen werden soll, worüber den nächsten Convent Bericht erstattet werden wird.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom  2.10.1910.

3. Wird die an die Gemeinde gerichtete Zuschrift Sr. Hw. des Herrn Conseniors verlesen.In derselben berichtet Sr. Hochwürden, daß, nachdem laut Beschluß des Konventes vom 4. Sept. in unsere Schule mehr als 60 Kinder (79) eingeschrieben wurden, er sich um eine geeignete Lehrkraft in Felsö-Lövö und Sopron erkundigt habe, vom Lehrerseminar zu Sopron sind ihm von dem dortigen Herrn Direktor zwei junge, diplomierte Lehramtskandidaten warm empfohlen worden. Einer von ihnen hat mittlerweile eine bessere Stelle bekommen, so blieb nur der Andere, namens Julius Guggenberger, Sohn des gewesenen Ráckozáv-er ev. Pfarrers u. Conseniors über, dessen Gesuch hier vorliegt. Auf die Empfehlung des Herrn Direktors des Soproner Lehrerseminars, empfiehlt er ihn der löbl.  Gemeinde zur provisorischen Anstellung unter dem im Konventsprotokolle vom 4. September sub Punkt 6 enthaltenen Bedingungen. Der Konvent stimmt dazu ein, daß Herr Julius Guggenberger als Aushilfslehrer bis zum 30. Juni 1911 bei unserer Gemeinde provisorisch angestellt werde. Seine Pflichten sind in jeder Hinsicht einen musterhaften Lebenswandel zu führen. Die Kinder in der I. und II. Klasse in allen vorgeschriebenen Gegenständen, besonders Religion, Kirchengesang pflichtgetreu zu unterrichten. Jeden zweiten Sonntag den Organistendienst zu versehen. Im Notfalle sowohl seinen Kollegen bei der Orgel, Leichen u.s.w. sowie auch den geistlichen Herrn auf der Kanzel laut erhaltener Instruktionen zu vertreten.

Für seine treuzuleistende Dienste sichert ihm die Gemeinde während seiner Tätigkeit bis 30. Juni 1911 ein unmöbliertes Wohnzimmer und ein monatliches Honorar von 84 Kronen sage vierundachtzig Kronen unter dem ausdrücklichen Bemerken zu, daß diese provisorische Verfügung nur bis Ende Juni 1911 gültig ist und die Gemeinde die Entscheidung über entgültige Besetzung der Lehrerstelle sich in jeder Hinsicht vorbehält.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 30. Okt. 1910.

3. Berichtet der Herr Consenior, daß Herr Julius Guggenberger die provisorische Lehrerstelle nicht angenommen hat und von derselben abgedankt hat, weil er in Pusztavám (Fejer-er Komitat) eine bessere Stelle bekommen hat. Ferner meldet der Herr Consenior, daß ihm der Herr Direktor des Soproner Lehrerseminars einen Lehramtskandidaten namens Desiderius Gönnye warm empfohlen habe und denselben auch er der löbl. Gemeinde empfiehlt.

4. Beschließt die Gemeinde, daß Herr Desiderius Gönnye am 15. November seine Stelle unter denselben Bedingungen wie sie im Protokoll vom 2. Okt. 1910 unter Punkt 3 lauten, antreten soll.

5. Sollte der nichterwartete Fall eintreten, daß der jetzt provisorisch angestellte Lehramtskandidat mittlerweile eine andere Stelle annehmen sollte, wird der Herr Consenior ersucht, einen Lehrer ausfindig zu machen, denselben der Gemeinde zu präsentieren und die Gemeinde wird dann im nächsten Konvente seine Anstellung bekräftigen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 4. Dezember 1910.

1. Sr. Hw. der geistliche Herr berichtet, daß das hohe Ministerium für Kultus und Unterricht zu dem Bittgesuch für Entschädigung des von 1. September 1910 gesetzlich aufgehobenen Schulgeldes die Schulrechnungen und Kostenvoranschläge für Einnahmen und Ausgaben der Schule, sowie den Ausweis der in die Schule aufgenommenen Kinder von dem Jahre 1905/06, 1906/07, 1907/08 als Belege fordert. Den Ausweis der in die Schule aufgenommenen Kinder hat laut Aufnahmsprotokoll H. Lehrer Adolf Steltzer zusammengestellt. Die Kostenvoranschläge und Rechnungen aber hat der geistliche Herr aus den Schul- und Gemeinderechnungen zusammengestellt, die sich folgendermaßen gestalten: Der Kostenvoranschlag für das Jahr 1905/06 beträgt als notwendige Ausgaben 3040 Kronen als Deckung derselben ebenfalls 3040 K. Die Schulrechnung pro 1905/06 weist eine Einnahme von 3663,26 K. und ebensoviel Ausgabe aus. Der Kostenvoranschlag pro 1906/07 weist eine Ausgabe von 3040 Kronen und ebensoviel Einnahme aus. Die Schulrechnung pro 1906/07 weist 3235,64 K. Einname und Ausgabe aus. Der Kostenvoranschlag pro 1907/08 weist 3540 Kronen Einnahme und Ausgabe aus. Die Schulrechnung hingegen 3623,92 K. als Einnahme und Ausgabe aus. Die Beratung nimmt dies genehmigend zur Kenntnis und bestimmt auf Antrag des geistlichen Herrn, daß von nun an sämtliche Ausgaben für Schule und Schulhaus durch den Herrn Schulvater gedeckt werden sollen. Dem Herrn Schulvater hingegen wird das Geld zu den Schulausgaben auf Grund der Quittungen aus der Gemeindekassa ausgefolgt werden.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 29. Januar 1911.

2. Beschließt der Konvent, daß die durch die Abdankung des Lehrer Tim hier erledigte Kantorlehrstelle durch einen ordentlichen Lehrer und Kantor besetzt werde, wie dies schon die Gemeindeberatungen vom 15. und 18. Januar l. J. bestimmt und festgestellt haben. Der neuzuwählende Lehrer hat die ihm zu übergebenden Schulkinder sowohl in der Alltagsschule wie auch in der Wiederholungsschule fleißig und treu zu unterrichten, den Kantordienst und die Konventsnotäragenden pünktlich zu versehen und in der Gemeinde selbst einen tadellosen Lebenswandel zu führen.

Ferner erklärt der Konvent, nachdem er die Schätzung der Vokation des gewesenen Herrn Lehrer Karl Tim (nur ad personam gegeben wurden= Punkt für Punkt vorgenommen hat, daß die zeitweiligen Aufbesserungen des Herrn Lehrer Karl Tim nur ad personam gegeben wurden und stellt die Bezüge des neuzuwählenden Lehrers folgendermaßen fest:

a. Die Wohnung des gewesenen H. Lehrers Karl Tim samt Gartenanteil.

b. Die Nutznießung des Lehrerackers oder als Ablösung desselben den jetzigen Pachtertrag desselben mit 100 K.

c. Als Ablösung des Schulgeldes 300 K.

d. Als Ablösung der Naturalien an W(ein) u. F(rucht) 374 K.

e. An Holzrelutum 62 K.

f. An Bargeld 164 K. 

In Summa als Lehrergehalt also 1000 K.

g. Als Kantor und Organistengehalt 200 K.

h. Aus dem Urbarialwalde 2 m3 Holz samt den dazu entfallenden Astbündeln, wofür aber der neuzuwählende Lehrer den Fuhr- und Hackerslohn aus eigenem zu zahlen hat.

3. Ferner die hier üblichen Stolarien und an den drei hohen Festtagen einzusammelnde Kantoropfer. Demnach würden die sämtlichen Bezüge des anzustellenden Kantorlehrers außer den 2 m3 Holz aus dem Urbarialwald Stola und Opfer 1200 K. betragen und werden in monatlichen Raten in vorhinein aus der Gemeindekassa in Baren ausbezahlt.

4. Sollte aber der Organistendienst zwischen den zwei Lehrern geteilt werden, so werden auch die obenerwähnten Kantoropfer zwischen den beiden Lehrern geteilt.

5. Erklärt der Konvent die Ausschreibung des Konkurses unter obigen Bedingungen für gut und wünscht, daß die oben erwähnte Kantorlehrerstelle je früher besetzt werde.

6. Zugleich wünscht und bestimmt der Konvent, daß das Preßhaus, der Keller und Stall von beiden Lehrern gemeinschaftlich benutzt werde.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 26. Februar 1911.

6. Meldet der geistliche Herr, daß sich auf die hierortige Kantorlehrerstelle acht Kandidaten gemeldet haben. Das Presbyterium empfiehlt dem Konvente folgende drei Kandidaten, deren Zeugnisse die besten sind: Herrn Béla Keil, Lehrer zu Tiszaszentmiklos, Herrn Paul Keller, Lehrer zu Pazdies und Herrn Rudolf Kottler, Lehrer zu Nyustya. Im übrigen liegen alle Gesuche hier vor und es steht dem Konvente frei, welchen immer von den Kandidaten zu wählen. Der Konvent nimmt den Antrag des Presbyteriums an und wählt Herrn Rudolf Kottler einstimmig zum hierortigen Lehrerorganisten und zwar unter den  im Konvente schon früher festgestellten Bedingungen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 28. Mai 1911.

3. Der neuerwählte Herr Lehrer Rudolf Kottler legt vor dem versammelten Konvente den Eid ab und in der Hoffnung, daß der Genannte seinen Pflichten gewissenhaft nachkommen wird, wünscht der geistlicher Herr im Namen der Gemeinde zu seiner Wirkung viel Glück und Segen und überreicht ihm die Vokation.

7. Der geistliche Herr liest die Abdankung des H. Lehrers Adolf Steltzer vor. Der Genannte dankt von 15. Mai an ab und meldet, daß er von den Herrn Vorstehern bis zu dieser Zeit seine Zahlung behoben habe und in dieser Beziehung keine Forderungen stellt. Zugleich bittet der Herr Lehrer, daß die Gemeinde ihm einen Schadenersatz aus der Kassa auszahle, da er bei der Herrichtung der Wohnung 130 Kronen ausgegeben hat. Der Konvent beschließt einen Betrag von 50 Kronen auszufolgen.


Nachdem die zweite Lehrerstelle durch die Abdankung des Lehrers Adolf Steltzer frei geworden ist, bestimmt der Konvent, daß auf die zweite Lehrerstelle der Konkurs ausgeschrieben werde. Der neuzuerwählende Lehrer erhält für seine Dienste:

Vom Staat Subvention 800 K.

Ablösung des Schulgeldes von der Gemeinde 200 K.

An Holzgeld 40 K.

Zusammen 1040 K.

Ansonsten beschließt der Konvent die Teilung des Kirchenopfers zwischen beiden Lehrern.


Auszug aus dem Protokolle vom 30. Juli 1911.

3. Bestimmt der Konvent die Pflichten des neuzuwählenden zweiten H. Lehrers und zwar wird er derzeit die erste und zweite Klasse unterrichten. Jeden dritten Sonntag und im Notfall wann immer den Orgeldienst verrichten. Nicht nur allein in der Kirche, sondern auch bei anderen Funktionen, sowie bei der Führung des Konventsprotokolles den ersten Lehrer vertreten. Ferner ist der Unterricht in der Nachtschule mit dem ersten Lehrer jährlich abwechselnd zu versehen.

4. Meldet der geistliche Herr, daß sich auf die zweite Lehrerstelle 13 Kandidaten gemeldet haben. Das Presbyterium schlägt folgende drei Kandidaten, deren Zeugnisse die besten sind vor und zwar: Johann Müller, Herrn Erwin Alexy und Herrn Johann Kühn.

Im übrigen liegen alle Gesuche hier vor und es steht dem Konvente frei, welchen immer von den Kandidaten zu wählen.

Der Konvent wählt laut Antrag des Presbyteriums den Herrn Johann Müller auf Grund der festgestellten Vokation einstimmig zum hierortigen zweiten Lehrer.

Sollte aber dieser Fall eintreten, daß der erwählte Herr Lehrer die Stelle nicht annimmt, so wird dann nach Beschluß der Herr Lehrer Erwin Alexy und nach ihm der Herr Lehrer Johann Kühn berufen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 12. November 1911.

3. Meldet der geistliche Herr, daß das Gesuch für die 800 Kronen Staatssubvention bereits abgegangen ist.

Ferner ist die 5 jährige Gehaltserhöhung im Betrage von 200 Kronen beim H. Lehrer Kottler vom 1. Dezember an fällig und da die Gemeinde diese Erhöhung vom eigenen nicht decken kann, beschließt der Konvent die Summe auch wie bei dem gewesenen Herrn Lehrer Tim vom hohen Ministerium zu bitten.

6. Der neuerwählte zweite H. Lehrer Johann Müller legt vor dem versammelten Konvente den Eid ab. Der geistliche Herr verdolmetscht den abgelegten Eid in die deutsche Prache und wünscht dem H. Lehrer im Namen der Gemeinde zu seiner Wirkung viel Glück und Segen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 4. Feber 1912.

9. Die Reste an Schulgeld sollen laut Beschluß des Konventes durch den Kleinrichter eingefordert werden. Holzgeld hat auch ein jedes Kind für das jetzige Schuljahr eine Krone zu zahlen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 15. Dezember 1912.

3. Der Herr Hochwürden meldet, daß der Herr Lehrer Rudolf Kottler nach Hunfalu als Lehrer und Kantor gewählt ist, und deshalb die Frage an die Gemeinde stellt, ob die Gemeindemitglieder geneigt wären, ihm eine Gehaltsverbesserung von 200 Kronen zukommen zu lassen, in welchem Falle er die hiesige Stelle nicht abtreten möchte.


Der Konvent sagt dem H. Lehrer 200 (zweihundert) K. zu, aber nur so, daß damit die Kantorstelle verbessert wird und zwar nur für die Person des Herrn Lehrer Kottler. Der Herr Lehrer Kottler dankt der Gemeinde für ihr Wohlwollen und verzichtet auf den ihm schon früher zur Benützung überlassenen Acker und verspricht, daß er mit seinen besten Kräften als hiesiger Lehrer und Kantor weiter wirken wird.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 24. März 1913.

4. Wird das Bittgesuch von den Kindern des verstorbenen Herrn Lehrer Karl Tim verlesen, in welchem dieselben sich mit der Bitte an die Gemeinde wenden, daß der löbl. Konvent möge laut beigelegter Rechnung der Leichenbestattungs-Unternehmung zur Deckung der Beerdigungsspesen in Anbetracht dessen, daß der verschiedene H. Lehrer 45 Jahre in der Gemeinde wirkte, einen Beitrag aus der Gemeindekassa ausfolgen.


Der Konvent aber, in Anbetracht dessen, daß die Gemeinde nur für einen im Amte abgestorbenen Lehrer die Beerdigungsspesen zu tragen verpflichtet ist, und da die Gemeinde auch für den verschiedenen Herrn Pfarrer Polevkovics keine Begräbnisspesen ausgefolgt hat, weicht der Bitte ab, und betraut den Konvents-Notär diesen Beschluß den Hinterbliebenen mitzuteilen.

(Anm. L. Karl Tim starb am 21. II. 1913 in Pressburg)


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 11. April 1915.

2. Meldet der Ortsgeistliche, daß sowohl Herr Lehrer Kottler, wie auch Herr Lehrer Müller, zum Militär eingerückt sind, somit wird der Ortsgeistliche vom heutigen Konvente das Protokoll aufnehmen, was auch der Konvent bestimmt.

3. Meldet der Ortsgeistliche, daß er über Besprechung mit den Gemeindegliedern in der Kirche den Schulunterricht übernommen hat, was von dem Konvente für gut befunden wird.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 13. Februar 1916.

3. Meldet der Ortsgeistliche auch heute, daß es ihm nach vielen Hin- und Herschreiben endlich gelungen ist amtlich zu erfahren, daß unser Herr Lehrer Johann Müller am 27. Juni 1915 bei Klodno den Heldentod für König und Vaterland gefunden hat. Der Konvent nimmt die traurige Meldung mit innigem Bedauern zur Kenntnis und beschließt das Andenken des Herrn Lehrer Johann Müller auch im heutigen Protokolle zu verewigen.


Auszug aus dem Konventsprotokolle vom 28. März 1920.

2. Meldet der Ortsgeistliche, daß der Herr Staatsschulinspektor unsere Schule besuchte und seine Zufriedenheit dem Lehrer ausgesprochen hat.

3. Die für die beiden Lehrerstellen nicht eingezahlte Lehrerpension soll von Seite der Gemeinde eingezahlt werden.


Als der Weltkrieg am Anfang August 1914 ausbrach rückten beide Lehrer, Rudolf Kottler und Johann Müller zum Militär ein, um ihren Pflichten als Soldat nachzukommen. Der erstere zog Anfang September an die russische Front und wurde am 31. Oktober 1914 gefangen genommen. Herr Lehrer Johann Müller, wie auch der Protokollauszug vom 13. Februar 1916 schon bestätigt, fiel am 27. Juni 1915 bei Klodno. Sein Name wurde im Protokolle verewigt und prangt samt den anderen gefallenen Helden auf der Kriegergedenktafel, welche die ev. Gemeinde für ihre ruhmreichen Söhne in ihrer Kirche errichten lies.

(dieses Bild ist in der Chronik nicht enthalten, sondern von mir eingefügt)

Während des Krieges unterrichtete der Ortsgeistliche Otto Schulze zwei Jahre hindurch von Sept. 1914 bis Ende Juni 1916. Der Unterricht ging mit mehreren Störungen vor sich. Die beiden Lehrerzimmer wurden für Militärzwecke eine Zeitlang benutzt. Es fehlte an Heizmaterial, da kaum ein Fuhrwerk aufzutreiben war. Die größeren Kinder mußten den Müttern bei der Arbeit aushelfen, weil die Familien ohne Versorger dastanden. Und dennoch lernten die Kinder das Nötigste: Lesen, Schreiben und Rechne, was dem Verdienste des Ortsgeistlichen zuzuschreiben ist.


Im nächsten Schuljahre wählte die ev. Kirchengemeinde eine Lehrerin mit Namen Grosz Aranka auf die zweite Lehrerstelle. Sie wirkte 3 Jahre an der ev. Volksschule. Im Jahre 1919 erkrankte sie an Typhus und reiste nach Ödenburg in ihre Heimat, wo sie auch ferner verblieb, da sie durch den Umsturz hier ihre Zuständigkeit verlor.


Von Sept. 1919 folgte Oszkar Schulze, Sohn des hierortigen ev. Pfarrers, auf der zweiten Lehrerstelle. Er aber unterrichtete auch nicht lange. Durch den Militärdienst in Anspruch genommen, erkrankte er im Frühjahr 1920 und so blieb die Gemeinde wieder ohne Lehrer.


Einige Mitglieder der Gemeinde strebten nun bei Beginn des Schuljahres 1920/21 einen Lehrer ausfindig zu machen und erreichten ihr Ziel in der Person des H. Lehrers Adalbert Zettl, der die zweite Lehrerstelle am 12. Oktober 1920 vorläufig als stellvertretender Lehrer des erkrankten H. Lehrers Oszkar Schulze antrat.


Lehrer Rudolf Kottler kehrte am 22. Oktober 1920 aus russischer Gefangenschaft in seine Heimat zurück. Er verbrachte sechs Jahre in Sibirien und zwar in dem Lager Beresovka 4, und im Lager Nikolsk-Ussurisk 2 Jahre. Diese lange Zeit war mit so manchen Entbehrungen und Widerwärtigkeiten verbunden, überhaupt damals, als die Kriegsgefangenen durch die Einmischung mehrerer Staaten in den Weltkrieg von der Heimat gänzlich abgeschnitten wurden und keine Nachricht wie auch keine Geldunterstützung mehr erhielten. Jeder mußte etwas beginnen, viele studierte Leute wählten sich ein Handwerk, um ihr Leben leichter erhalten zu können. Die Unruhen in Rußland trugen auch hier viel bei. Wie viele waren den epidemischen Krankheiten ausgesetzt. Wie viele Leidensgenossen haben in fremder Erde ihre ewige Ruhestätte gefunden. Mehreren aber war doch gegönnt die liebe Heimat und die Familie wiederzusehen. Dem l. Gott sei Dank dafür gesagt ! Angenehme Erinnerung wird für uns die Reise in die Heimat sein, welche wir am Schiffe des Grand Präsident von Wladiwostok bis Triest mitmachten. Die Reise dauerte 51 Tage und wir konnten die Häfen Hongkong, Singapour, Kolombo und Port Said besichtigen. Nie wären wir sonst in diese Lage gekommen, so ein schönes Stück Land zu sehen.


Nach der Heimkehr des Lehrers Rudolf Kottler aus russischer Gefangenschaft, hielt sich der Genannte eine kurze Zeit in seinem Geburtsorte Vrbov (Ménhárd) auf, wo auch seine Familie während des Krieges weilte. Am 16. November übernahm er die Schulkinder der 2. Klasse, welche bis zu dieser Zeit der Ortsgeistliche Otto Schulze unterrichtete. Eine große Änderung im Unterrichte war nach dem Umsturze zu merken. Die Kinder konnten in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Die Arbeit vor dem Kriege war eine doppelte, da die Schulkinder die Gegenstände in der Staatssprache lernen mußten. In der Muttersprache wurde außer dem deutschen Lesen und Schreiben nur die Religion unterrichtet.


Am 18. November 1920 legte der Lehrer Rudolf Kottler in die Hand des Schulinspektors Emil Storch den Eid ab.


Zu Beginn des Schuljahres 1920/21 zählte:

die 1. Klasse 58 Schüler, 24 Knaben, 34 Mädchen

die 2. Klasse 57 Schüler, 32 Knaben, 25 Mädchen

Am Schlusse des Schuljahres verblieben zusammen 115 Schüler.


In dem am 1. Januar 1921 abgehaltenen Kirchenkonvente meldet der Pfarrer Otto Schulze, daß sein schwerkranker Sohn auf Verlangen der Gemeinde geneigt ist, von der Stelle ab 1. Januar abzutreten. Auf diese Stelle wird der stellvertretende Lehrer Adalbert Zettl definitiv angestellt.


Der Konvent der evang. Kirchengemeinde zu Ratzersdorf nimmt in der am 8. Februar 1921 abgehaltenen Sitzung die traurige Meldung, daß der gewesene Lehrer Oskar Schulze am 28. Januar 1921 gestorben ist, mit innigem Bedauern zur Kenntnis und beschließt das Andenken desselben auch in dem Gemeindeprotokoll zu verewigen.


Zu Beginn des Schuljahres 1921/22 zählte:

die 1. Klasse 49 Schüler, 25 Knaben, 24 Mädchen

die 2. Klasse 62 Schüler, 33 Knaben, 29 Mädchen

Während des Schuljahres trat ein Knabe aus und ein Mädchen ein. Vier Schulkinder starben. Am 13. Oktober 1921 starb Karl Kompauer, den ein Wagen überfuhr. Am 24. Dezember 1921 starb Andreas Sloboda an Lungenkrankheit. Am 12. März 1922 verschied Ernestine Gschweng und am 19. Mai 1922 Charlotte Wenzl. Alle vier Schüler besuchten schon die II. Klasse. Am Ende des Schuljahres verblieben 107 Schüler.


Das Bittgesuch um die weitere Ausfolgung der Schulgeldablösung kam unter Zahl 3890/I 1922 vom Schulreferate zurück. Die jährliche Summe von 505 Kronen wurde der ev. Kirchengemeinde ab 1. Januar 1922 angewiesen.


Laut Verordnung mußten sich alle Lehrer in der Slovakei einer Nostrifikationsprüfung unterziehen, welche aus der slovakischen Sprache, der Slov. Literatur und der Heimatkunde(Geschichte, Erdkunde, Verfassungskunde) bestand. In Bratislava veranstaltete man für die ung. Lehrer der Insel Schütt einen Kurs, an dem die Lehrkräfte unserer Schule auch teilnahmen. Der Kurs begann im Mai, wurde am Donnerstag wöchentlich einmal abgehalten. Nach dem Schuljahre wurde der Kurs täglich fortgesetzt. Lehrer Rudolf Kottler bestand mit Erfolg die Prüfung am 26. Juli 1922. Lehrer Adalbert Zettl mußte seine Prüfung verschieben, nachdem sein im Jahre 1919 erworbenes Diplom nicht anerkannt wurde und demnach zur Ablegung einer Reifeprüfung von mehreren Gegenständen gezwungen wurde. Laut dieser Prüfung kann Rudolf Kottler als ordentlicher Lehrer an einer Volksschule mit deutscher oder ungarischer Unterrichtssprache ernannt werden. Sein Diplom wird mit der Lehrbefähigung für Volksschulen gleichgestellt.


Zu Beginn des Schuljahres 1922/23 zählte:

die 1. Klasse 57 Schüler, 28 Knaben, 29 Mädchen

die 2. Klasse 42 Schüler, 24 Knaben, 18 Mädchen

Während des Schuljahres starb Julius Arpad Rukrigl am 24. Oktober 1922.

Am Schlusse des Schuljahres blieben 98 Schüler.


Am 30. Juni 1923 legte Adalbert Zettl die Reifeprüfung vor der ung. Komission in Bratislava ab. Das Diplom wurde dem Hohen Ministerium für Volkskultur unterbreitet. Bei dieser Gelegenheit wurde nicht in Betracht gezogen, daß der Genannte bei einer deutschen Schule wirkt und daß er in seinem originellen Diplome zum Unterrichte auch für Schüler mit deutscher Unterrichtssprache befähigt ist. So muß nun Lehrer Adalbert Zettl die Reifeprüfung auch vor einer deutschen Komission bestehen.


Am Anfange des Schuljahres 1923/24 einigten sich die Lehrkräfte der Schule, daß sie nach jedem zweiten Schuljahre die Klassen wechseln werden. Bis jetzt unterrichtet Rudolf Kottler in der 2. Klasse, übernahm aber in diesem Schuljahre die erste Klasse.


Zu Beginn des Schuljahres 1923/24 zählte:

die 1. Klasse 41 Schüler, 23 Knaben, 18 Mädchen

die 2. Klasse 67 Schüler, 39 Knaben, 28 Mädchen

Während des Schuljahres trat ein 1 Schulkind. Es traten aus 2 Kinder.

Am Schlusse des Schuljahres verblieben 107 Kinder.


Der Staatsfeiertag (28. Oktober) fiel in diesem Jahre auf einen Sonntag. Laut Verordnung wurde die Feierlichkeit in der Schule am 27. Oktober begangen. Die Kinder gingen unter Leitung ihrer Lehrer in die Kirche, wo ein Gottesdienst abgehalten wurde. Nach dem Gottesdienste wurde den Kindern die Bedeutung des Tages klargelegt. Am nächsten Tage, es war ein schöner Herbsttag, hielt die Großgemeinde ein schönes Fest ab. Eine Linde wurde zur Erinnerung dieses Tages neben der Landstraße eingesetzt. Alle Schulen und Vereine des Ortes nahmen daran teil. Aus unserer Schule deklamierten die Schulkinder Charlotte Gschweng und Wilhelm Wenzl. Der Gesang- und Musikverein "Eintracht" hebte auch die Feierlichkeit mit seinem Wirken. Der Männerchor sang die Hymne: "Nad Taron sa blýska" un der gemischte Chor die Hymne: "Kde domor muj" und das Lied: "(Milá) Nitra milá Nitra". Die Musikkapelle begleitete den Zug zur Stätte der Feierlichkeit und spielte dortselbst mit den anderen Kapellen die Hymnen mit einigen Nationalliedern.


Am Anfange des Schuljahres 1924/25 wurde in der 2. Klasse ein neuer Boden gelegt. Mir machten bei dieser Gelegenheit den Versuch, den Fußboden mit Öl einzulassen. Der rege Verkehr in den beiden Lehrzimmern bewog uns dazu. Die erste Klasse benützt die Musikkapelle und hält dort ihre Proben ab. In der 2. Klasse werden die Gesangstunden abgehalten. Durch die Wiederholungsschüler und durch die Teilnehmer an dem Fortbildungskurse wird auch viel Schmutz in die Räumlichkeiten getragen. Das Öl bewährte sich sehr gut. Mit diesem Verfahren sind wir auch mit einem Schritt vorwärts gekommen. Die Räumlichkeiten können besser gereinigt werden, die Luft ist Staubfrei, was zur Gesundheit der Schüler und Lehrer dient.


Am 3. September 1924 legte Lehrer Adalbert Zettl eine Prüfung in der Lehrerbildungsanstalt zu Brünn ab, nach welcher ihm das Zeugnis der Reife für Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache zuerkannt wird.


Am 19. November 1924 besuchte der H. Schulinspektor des Bezirkes Bratislava II unsere Schule. Über seine Erfahrungen liegt im Archiv ein Brief auf. Die Reinlichkeit und Ausschmückung der 2. Klasse entsprach nicht den Forderungen. Kleiderrechen müssen für die Schulkinder in dem Vorzimmer angebracht werden. Mit dem Einölen des Fußbodens und mit den Schriften der Schüler war der H. Schulinspektor zufrieden.


Am 21. Februar 1924 legte Lehrer Adalbert Zettl den Eid ab.


Dem Schulinspektorate wurde folgende Meldung zugesandt:

In Erledigung Ihrer w. Zuschrift vom 5.III. sub Zahl 852 teilen wir Ihnen höflichst mit, daß wir den (75.)Geburtstag unseres Präsidenten T.G. Masaryk auch in unserer Schule entsprechend gefeiert haben. Um 8 Uhr morgens ging die Schuljugend mit ihrem Lehrer in die Kirche, wo unter Teilnahme der Kirchengemeinde und des Gemeindevorstandes ein Gottesdienst abgehalten wurde. Nach dem Gottesdienste erhielt die Jugend in der Schule über die Bedeutung des Tages Aufklärung, wobei die beiden Hymnen gesungen wurden. Die gesandte Broschüre bekam laut Verordnung die Schuljugend. Am Abend hielt der Gemeindevorstand eine Feierlichkeit ab, bei welcher unser Gesang- und Musikverein "Eintracht" mitwirkte und mit den beiden Hymnen, wie auch mit anderen Musikstücken das Fest schmückte. Zu der bestimmten Zeit war die Nationalfahne gehisst.


Unsere Schule veranstaltete am 10. Juni 1925 einen Ausflug mit 40 Schülern nach Devin (Theben). Dies war das erste Unternehmen in dieser Hinsicht und wir wollen hoffen, daß wir für unsere Jugend in der Zukunft je mehr lehrreiche Reisen unternehmen können.


Zu Beginn des Schuljahres 1924/25 zählte:

die 1. Klasse 39 Schüler, 22 Knaben, 17 Mädchen

die 2. Klasse 45 Schüler, 21 Knaben, 24 Mädchen

Während des Schuljahres traten ein 3 Schüler, ein Schüler trat aus.

Am Schlusse des Jahres verblieben 86 Schüler. In der Wiederholungsschule waren 29 Schüler eingeschrieben. Während des Schuljahres trat ein Schüler aus, der in die Lehre nach Bratislava übersiedelte.


In dem am 22. Mai 1925 abgehaltenen allgemeinen Kirchenkonvente der ev. Kirchengemeinde A. B. zu Ratzersdorf wird der Lehrer Rudolf Kottler mit der Leitung der Schule betraut. Somit ist es seine Aufgabe, alle an die Schulleitung gesandten Angelegenheiten zu übernehmen und zu erledigen. Bis zu dieser Zeit war der Ortsgeistliche Otto Schulze laut altem Gebrauch Leiter der Schule.


Der Herr Schulinspektor Jozka unseres Schulbezirkes besuchte am 12. Juni unsere Schule. Er besichtigte aber nur die 2. Klasse.


Das Schuljahr 1924/25 endete am 29. Juni 1925 mit einer Prüfung, welche laut altem Gebrauch in der Kirche abgehalten wurde. Am 12. Juli fand ein Kinderfest für die Schule statt.


Zu Beginn des Schuljahres 1925/26 übernahm Lehrer Adalbert Zettl nach früherer Einigung die erste Klasse. Rudolf Kottler dagegen unterrichtete in der zweiten Klasse.


Laut Aufforderung des Schulinspektorates ging am 20. September über die Ausreinigung der Schulräumlichkeiten eine Meldung ab. Auf das Ausmalen der beiden Klassen wurde diesmal größere Aufmerksamkeit zugewendet. Die Mauern wurden erst gründlich abgekratzt und dann ausgemalen. Die Bilder, welche zur Ausschmückung dienen, wurden auf Leinwand gezogen und mit Leisten versehen.


Der Schulstuhl genehmigte in der am 27. Sept. 1925 abgehaltenen Sitzung 1500 Kronen zur Anschaffung der vorgeschriebenen Lehrmittel.


Laut Aufforderung des Zirkulares vom 23. Okt. 1925 unter Zahl 3198 teilten wir dem Löbl. Schulinspektorate Folgendes mit:

Der 28. Oktober als Staatsfeiertag wurde auch in unserer Schule entsprechend gefeiert. Vormittag 8 Uhr ging die Schuljugend unter Leitung ihrer Lehrer in die Kirche, wo ein Gottesdienst abgehalten wurde. Bei dem Gottesdienste nahm auch der Gemeindevorstand und die Gemeindevertretung teil.

Nach dem Gottesdienste wurde die Feierlichkeit in der Schule fortgesetzt. Nach der Eröffnung durch die Hymne wurde der Jugend die Bedeutung des Tages klargelegt. Die Kinder deklamierten einige Gedichte. Zum Schlusse wurde die zweite Hymne "Kde domov miy" gesungen. Die Nationalfahne war den ganzen Tag gehisst.


Der Herr Schulinspektor Jozka besuchte unsere Schule am 10. November 1925. Er konnte bei dem Unterrichte nicht teilnehmen, besichtigte nur die beiden Klassen und sprach über die Ausschmückung der Klassen seine Zufriedenheit aus.


Unsere Gemeinde erfreute sich am 11. November 1925 eines hohen Besuches. Der Herr Minister für Schulwesen und Volkskultur besuchte alle Schulen und somit auch unsere Schule in Racistorf. Sein Besuch dauerte nicht lange. Er kam in die zweite Klasse. Die Schülerin Kornelia Gschweng begrüßte ihn mit diesen Worten: "Wilkommen rufen wir Dir zu, sei tausendmal wilkommen, der heut´ als Führer hochgeehrt den Einzug hat genommen" Dann übermittelte sie ihm einen Blumenstrauß. Der Herr Minister hörte noch dem Gustav Wenzl zu, wie er aus Rechnen und Geometrie den Umfang und Flächeninhalt eines Quadrates ausrechnete. Danach ging er mit seiner Begleitung in die erste Klasse. Die Schülerin Karoline Greiner begrüßte ihn und übergab einen Blumenstrauß. Nach einigen Fragen aus Rechnenverließ der Herr Minister das Schulgebäude.


Wieder ein Fortschritt ! Nachdem das elektrische Licht in die Gemeinde Racistorf eingeführt wurde begannen Verhandlungen, um auch in unsere Schule die Einleitung dieses Lichtes zu vollführen. Der Gesang- und Musikverein "Eintracht" der schon mehreremal die Schule unterstützte, spendete zu diesem Zwecke 1000 Kronen. Damit war das Größte getan. Der noch fehlende Betrag, beiläufig 200 Kronen, kann somit leicht vom Reinertrage der Kinderaufführungen gedeckt werden.

Auch hier sei dem Vereine "Eintracht" für die edle Spende der innigste Dank ausgesprochen.

In der zweiten Hälfte des Monates Dezember im Jahre 1925 brannte schon das elektrische Licht in unserer Schule.


Zum Fortbildungskurse meldeten sich 22 Teilnehmer. Der erste Vortrag begann am 23. November 1925.


Am 23. und 27. Dezember 1925 veranstaltete unsere Schule die erste Kinderaufführung im Saale des H. Raguel Rukrigl. Es wurden "Der Schnupfen des Weihnachtsmannes", ein Weihnachtsmärchen in zwei Aufzügen und "Die Heimat", ein Liederspiel vorgetragen. Beide Vorstellungen waren gut besucht und wir erzielten einen Reinertrag von 680 Kc. Dieser Ertrag wird für Schulzwecke verwendet werden. Bei dem Vortrage wirkte auch der Gesangverein "Eintracht" mit, der den Abend mit einigen schönen Liedern hob.


Der Herr Schulinspektor Jozka besuchte am 29. Januar 1926 unsere Schule. Das Resultat des Besuches ist in einem Protokolle niedergeschrieben, welches unter No. 36 zwischen den Briefen vom Jahre 1926 aufbewahrt ist.


Unsere Schule erhielt vom Deutschen Kulturverbande leihweise einen Lichtbildwerfer. Nachdem die Projektions-Lampe eingeschafft wurde, konnten die Vorführungen am 7. Februar 1926 begonnen werden. Bis 24. Mai wurden acht Vorträge gehalten, welche im nächsten Winter wieder fortgesetzt werden.


Am 26. Februar 1926 besuchte unsere Schule Herr Dr. Hendrych, Ministerrat, Vorsitzender des Schulreferates.


In Ostern am 3. 4. und 7. April 1926 veranstaltete unsere Schule im Saale des Herrn Raguel Rukrigl die zweite Kinderaufführung. Die Schulkinder der ersten Klasse trugen die "Sterntaler", die Schüler der zweiten Klasse "Dornröschen" vor. Der Erfolg war ein schöner, aber der Reinertrag betrug nur 350 Kc, weil für das Ausleihen der Kostüme eine größere Summe erlegt werden mußte.


Im Jahre 1926 wurden folgende Schüler konfirmiert:

 

1. Andreas Gschweng

2. Friedrich Gschweng,

3. Philipp Gschweng,

4. Eduard Kompauer,

5. Gustav Kompauer,

6. Gustav Praschag,

7. Reinhold Rukrigl,

8. Karl Tietz,

9. Eduard Wenzl,

10. Rudolf Wenzl,

11. Wilhelm Wenzl,

 

1. Julianna Follrich,

2. Kornelia Gschweng,

3. Stefanie Petschuch,

4. Julianna Rukrigl,

5. Adel Steberl,

6. Amalia Wenzl,

7. Maria Wenzl,

8. Rosa Wenzl,

 

11 Knaben und 8 Mädchen, susammen 19 Schulkinder (wer hat ein Foto dieser Konfirmation ?)


Im Laufe des Monates April 1926 brach zwischen den Schulkindern eine ansteckende Krankheit aus. In der ersten Klasse hatten mehrere Kinder die Frieseln und die älteren Schulkinder mußten auch wegen der Krankheit ihrer kleinen Geschwister den Unterricht versäumen. Dieser Krankheit fiel auch eine Schülerin zum Opfer, namens Stefanie Wenzl, Töchterchen des Johann Wenzl No 18. Sie starb am 28. April 1926. Ihre Schulkameraden begleiteten sie zur letzten Grabesruhe.


Heuer unternahm unsere Schuljugend einen größeren Ausflug. Beiläufig 25 Schüler reisten unter Führung beider Lehrer in die Hohe Tatra. Dort besichtigten sie Tatra-Lomnic, die Badeorte Alt-Schmeks, Neu-Schmeks, von dort aus die Wasserfälle im Kohlbachtale. Das Endziel war der schöne, imposante Tschirmer See (Strbské pleso). Die Fahrt dauerte 3 Tage vom 1. bis 3. Juni 1926 und kostete den Schülern je 50-60 Kronen.


Das Schuljahr endete am 26. Juni 1926. Laut altem Gebrauch wurde Sonntag den nächsten Tag in der Kirche eine Prüfung mit der Schuljugend abgehalten. Am 4. Juli fand ein Kinderfest zu Gunsten der Schule statt.


Zu Beginn des Schuljahres 1925/26 zählte:

die 1. Klasse 44 Schüler, 20 Knaben, 24 Mädchen

die 2. Klasse 47 Schüler, 23 Knaben, 24 Mädchen

Während des Schuljahres traten 3 Schüler aus. Eine Schülerin starb. Am Schlusse des Schuljahres verblieben 87 Schüler. In der Wiederholungsschule waren 35 Schüler eingeschrieben.


Am Anfang des Schuljahres 1926/27 übernahm Lehrer Rudolf Kottler wieder die zweite Klasse, Lehrer Adalbert Zettl die erste Klasse. Den Unterricht in den weiblichen Handarbeiten übernahm aus Gefälligkeit Irene Kottler, Gattin des Lehrers Rudolf Kottler. Auch hier sei ihr der Dank dafür ausgesprochen.


Auszug aus dem Schulstuhlprotokoll vom 18. September 1926:

2. Wird die Zuschrift der Verbandsleitung des Deutschen Kulturverbandes vom 2. September 1926, so wie auch die Zuschrift der Gauleitung des Karpathengaues Pressburg verlesen, in welchen uns mitgeteilt wird, daß die Verbandsleitung des D.K.V. auf Ansuchen der Schulleitung unserer deutschen Schule zur Anschaffung von Schulbänken einen Betrag von Kc 3000 bewilligt hat. Laut Meldung des Lehrers Rudolf Kottler ist diese Summe in die Schulkassa bereits eingeflossen. Der Schulstuhl nimmt diese Nachricht mit Freuden zur Kenntnis und beschließt, der Verbandsleitung der D.K.V. für die edelherzige Spende in Gestalt eines Protokollarauszuges den innigsten Dank des Schulstuhles zum Ausdrucke zu bringen. Ebenso wird auch der Gauleitung des Karpathengaues Pressburg für ihre gütige Befürwortung der wärmste Dank ausgesprochen.

3. Nachdem die notwendigen Mittel vorhanden sind, beschließt der Schulstuhl die Einschaffung der notwendigen Gegenstände in unsere Schule. In erster Reihe werden Bänke, dann ein Schreibtisch, 2 Waschapparate, weiter die schon bewilligten Lehrmittel angeschafft werden.


Am 8. Oktober 1926 besuchte Herr Jozka, Schulinspektor des Bezirkes Bratislava II unsere Schule. Die Mängel sind uns in einer Zuschrift vom 19. Oktober bekanntgegeben worden. Dieselbe wird unter Zahl 147/1926 aufbewahrt.


Die bestellten Schulbänke wurden vor Weihnachten fertiggestellt und edr Schule übergeben. Tischlermeister Michael Ryba spendete auch zwei Stück dazu. Der Dank sei ihm ausgesprochen.


Vor Weihnachten erhielt unsere Schule mehrere Bücher als Spende vom Deutschen Kulturverbande. Dieselben wurden teil der Schüler- teils der Lehrerbibliothek zugeführt.


Am 23. und 26. Dezember 1926 veranstaltete unsere Schule mit den Schulkindern eine Theateraufführung. Zur Aufführung kamen mehrere Weihnachtsstückchen, darunter das Größte "Weihnachten im Walde". Mehrere Kinder deklamierten auch Gedichte. Der Reinertrag, welcher für Schulzwecke verwendet wird, beträgt 443 Kronen.


Am 24. Januar 1927 erfolgte in diesem Schuljahre die zweite Schulvisitation. Bei dieser Gelegenheit wurde auch das Übliche Protokoll (aufbewahrt unter Zahl 27/1927) aufgenommen. Die Zuschrift vom 10. II. 1927 (aufbewahrt unter Zahl 22/1927)  weist mehrere Mängel auf, die in der Zukunft behoben werden müssen. Die Schulleitung muß aber bemerken, daß nicht alle Mängel stichhaltig sind, wie z.B. Punkt 11, 12, 13.

Die Qualifikationen der Lehrer lauten:

Rudolf Kottler: gut

Adalbert Zettl:  zufriedenstellend.


Auszug aus dem Protokolle des Gesang- und Musikvereins "Eintracht" vom 28. I. 1927:

11. Beschließt die Versammlung auf Anregung des Herrn Kapellmeisters Johann Rukrigl für Schulzwecke 4 Tonetsessel anzuschaffen. Weiters wurde der Gemeindefond mit 50 Kc bedacht und für Schulreinigungsszwecke wurden 130 Kc gespendet. Lehrer Kottler dankt für die gütigen Spenden im Namen der Schulleitung.


 

(suche Originalfotos !)

 

 

Obiges Bild zeigt uns diejenigen Schüler, welche am 18. April 1927 konfirmiert wurden:

1. Reihe: Michael Wenzl, Otto Wenzl, Andreas Wenzl, Stefan Gschweng.

2. Reihe: Michael Strokendl, Otto Wenzl, Wilhelm Praschag, Wilhelm Steberl.

3. Reihe: Valerie Rukrigl, Mathilde Spinka (Schülerin der Bürgerschule), 

               Irene Olga Kottler (Schülerin der Bürgerschule zu Bratislava), Rosa Siarsky, Christine Petschuch.

4. Reihe: Rosa Greiner und Susanna Gschweng

Rechts: Johann Tietz (außer der Gruppe)


Zu Ostern am 17. und 18. April hielt unsere Schule die zweite Kindervorstellung ab. Zur Aufführung gelang:

1. Das Märchenspiel "Hänsel und Gretel" eingeübt durch Lehrer Adalbert Zettl

2. "Tanz der Rosenelfen" eingeübt durch Lehrer Rudolf Kottler

3. Das Lustspiel "Sie setzt sich den Hut auf" eingeübt durch Gustav Rukrigl

Der Reinertrag betrug 302 Kronen welcher zu Gunsten unserer Schule gebucht wurde.


Im verflossenen Schuljahre führte die obere Klasse einen größeren Ausflug aus. Heuer (am 1. Juni) besuchten wir den Kupferhammer. Dieser Ausflug hatte den Vorteil, daß sich mit wenig Ausnahme alle Schüler beteiligen konnten. Schöne warme Witterung wurde uns zuteil und alle Teilnehmer bewunderten die herrliche Gegend, die sich uns zur Ansicht bot. Erst müssen wir unsere Umgebung kennen lernen, dann können wir auch weiter wandern!


Die Schlußprüfung der Schuljugend wurde vom Schulstuhle für den 26. Juni festgesetzt, blieb aber wegen dem Glockenaufzuge in Oberufer aus.


Zu Beginn des Schuljahres 1926/27 zählte:

die 1. Klasse 61 Schüler, 24 Knaben, 37 Mädchen

die 2. Klasse 41 Schüler, 23 Knaben, 18 Mädchen

Während des Schuljahres trat ein Schüler ein und zwei Schüler traten aus. Am Schlusse des Schuljahres verblieben 101 Schüler. In der Wiederholungsschule waren ... Schüler eingeschrieben.

 

(dieses Bild ist in der Chronik nicht enthalten, suche Original !)

Im Hintergrund Oberlehrer Rudolf Kottler


Auszug aus dem Protokolle des Schulstuhles vom 3. September 1927.

7. Wird die Abdankung des H. Lehrers Adalbert Zettl verlesen, nach welcher der Genannte am heutigen Tage von seiner Lehrerstelle abdankt. Zugleich dankt er der Gemeinde für die während seines Wirkens erwiesene Unterstützung und wünscht ihr ein weiteres Aufblühen. Der Schulstuhl dankt dem Herrn Lehrer für seine Mühewaltung und gibt ihm zu seinem weiteren Wohlergehen die besten Segenswünsche mit.

Nachdem Lehrer Adalbert Zettl an die staatl. Volksschule zu Pezinok - Bösing ernannt wurde und seinen Posten bei der ev. Kirchengemeinde zu Ratzersdorf verlies, wollen wir zu diesem Anlasse seine Photographie und seinen Lebenslauf in unserer Schulchronik verewigen.

 

(suche Originalfoto !)

 

Mein Lebenslauf.

Am 5. November 1898 zu Mischdorf - Miserd geboren, absolvierte ich in meinem Geburtsorte 6 Jahrgänge der einklassigen ev. Volksschule. Nachher besuchte ich das ev. Lyzeum in Pressburg. Nach Vollendung des vierten Schuljahres bezog ich die ev. Lehrerbildungsanstalt A. B. in Fellölövö (Oberschützen). Von hier mußte ich im Jahre 1916 ins Feld ziehen. Im November 1918 rüstete ich als Reserve-Honvedfähnrich ab. Nun ging ich wieder nach Oberschützen um den vierten Jahrgang zu absolvieren. Im Juni erhielt ich dann das Befähigungszeugnis. Im September mußte ich wieder zurück nach Oberschützen, weil die Gültigkeit meines Diplomes annulliert wurde. Im Dezember 1919 erhielt ich endlich das gültige Diplom.

Am 12. Oktober 1920 wählte mich die Ratzersdorfer ev. Gemeinde zu ihrem Hilfslehrer und am 1. Januar 1921 dann zum ordentlichen Lehrer. Hier wirkte ich nun ununterbrochen seit genannter Zeit. Zu erwähnen wäre noch, daß die csl Regierung meine Befähigung auch  nicht anerkannte und ich deshalb am 30. Juni 1923 die nostrif. Reife in ung. Sprache in Pressburg ablegte. Am 30. September 1924 mußte ich auch eine deutsche Reife in Brünn bestehen.


Auszug aus dem Protokoll des Schulstuhles vom 3. September 1927.

8. Das Ansuchen des Lehramtskandidaten Karl Heider, welches der Herr Senior Dr. C. E. Schmidt an die ev. Gemeinde (richtete) zu Ratzersdorf weiterleitete, wird dem Schulstuhle vorgelegt. Derselbe beschließt, den Lehramtskandidaten gleich zu verständigen, er möge sich, wenn es in seinem Interesse liegt, auf eigene Kosten der Gemeinde vorstellen.


Auszug aus dem Protokoll des Schulstuhles vom 8. September 1927.

3. Herr Pfarrer Otto Schulze stellt dem Schulstuhle den Lehramtskandidaten Karl Heider vor. Der Schulstuhl beschließt, dem nächsten Konvente den Antrag zu stellen, daß Lehramtskandidat Karl Heider auf Grund seines Zeugnisses und seiner persönlichen Vorstellung als provisorischer Lehrer an  unserer Schule angestellt werde. Sollte er nach zwei Jahren seine Lehrbefähigungsprüfung ablegen und bei der Gemeinde zur allgemeinen Zufriedenheit wirken, so wird er dann als definitiver Lehrer gewählt werden.


Auszug aus dem Konventsprotokolle der evang. Kirchengemeinde A. B. zu Ratzersdorf vom 10. September 1927

3. Der Beschluß des Schulstuhles vom 8. September 1927, wonach H. Lehramtskandidat Karl Heider von diesem Tage an als provisorischer Lehrer an unserer Schule angestellt werde, wird von der außerordentlichen Gemeindeversammlung einstimmig angenommen. Die Pflichten des neugewählten Lehrers sind:

Die Schuljugend in der vom Schulstuhl festgesetzten Klasse in allen gesetzlich vorgeschriebenen Gegenständen gewissenhaft zu unterrichten. Den Organisten jede dritte Woche und im Verhinderungsfalle zu vertreten. Außer der Schule auf kulturellem Gebiete tätig zu sein und in jeder Beziehung ein einwandfreies Leben zu führen.

Der Gehalt des Lehrers wird folgendermaßen festgesetzt:

Von der Gemeinde als Lehrer jährlich 200 Kc an Gehalt. Als Aushilfsorganist 100 Kronen an Holzgeld. Die Wohnung des  zweiten Lehrers mit dem dazugehörigen Gartenanteil. Bei eventuellen Begräbnissen die übliche Stola. Vom Staate die gesetzliche Gehaltsergänzung.


Am Anfange des Schuljahres 1927/28 übernahm Lehrer Rudolf Kottler die erste Klasse, Lehrer Karl Heider die zweite Klasse. In der ersten Klasse wird der erste und zweite Jahrgang mit 60 Kindern und in der zweiten Klasse die anderen 4 Jahrgänge mit 50 Schülern unterrichtet, da der erste Jahrgang eine große Schülerzahl (133 Kinder) aufweist.


                              

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Mein Lebenslauf.

Ich, Karl Heider, geboren am 10. Mai 1908 zu Petersdorf, pol. Bezirk Jägerndorf in Schlesien, habe 7 Klassen der Volksschule in Petersdorf, die 3. und 4. Klasse der Bürgerschule in Hotzenplotz, hierauf die Deutsche Staats-Lehrerbildungsanstalt mit Koedukation in Brünn vom 1. September 1923 bis 4. Juni 1927 besucht und unterzog mich am 15. Juni 1927 mit Erfolg der Prüfung der Reife. Am 8. September 1927 wurde ich auf mein Ansuchen von der Ev. Kirchengemeinde A. B. zu Ratzersdorf als prov. Lehrer für 2 Jahre gewählt.


Professor Dr. Hans Klein schreibt in seinem Rundschreiben über das Preissingen im Limbacher Wälde vom 15. Mai 1927 von unserer Gruppe wie folgt:

Ev. Volkkschule Ratzersdorf (Lehrer Rudolf Kottler)

"Schön ist die Jugend" 2-stimmig (Vaterländisches Liederbuch). Das Lied steht zwar in den meisten Schulliedersammlungen als "Volkslied", gehört aber wegen seiner etwas weichlichen, sentimentalen Art sicher nicht zu den wertvollsten Volksliedern, an denen wir doch so reich sind und die jetzt in Hensels vorzüglichen Liederbüchern zugänglich sind. Wenn auch den Ratzersdorfer Kindern noch eine etwas harte Aussprache besonders der Endsilben anhaftet - wahrscheinlich vom Elternhause her - so haben sie uns durch die Klarheit ihrer Stimmen und die Reinheit ihrer Tongebung überrascht. Da war nichts überschrien, alles klangvoll und sauber. Auch beim Erlernen des Liedes: "Im Märzen" ist mir die schnelle Auffassungsgabe und die Musikalität der Ratzersdorfer Kinder aufgefallen. Herr Lehrer Kottler ist zu seinem singbegabten Jungvölklein zu beglückwünschen. Herzerfreuend war auch die Liebe, mit der sie zu ihrem Führer emporschauten, wie überhaupt die Ratzersdorfer Gruppe den ganzen Tag über einen Anblick bot, an dem Pestalozzi seine Freude gehabt hätte. An dieser Gruppe werden wir sicher noch viel Gutes erleben.


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Mein Lebenslauf.

Am 30. Okt. 1886 zu Vrbov (Ménhárd) in der Zips geboren, besuchte ich in meinem Geburtsorte alle sechs Jahrgänge der dortigen ev. deutschen Volksschule. Danach setzte ich meine Studien in der staatlichen Bürgerschule zu Käsmark fort. Nach Absolvierung der vierklassigen Bürgerschule bezog ich die staatl. Lehrerbildungsanstalt zu Spisská-Nová Ves (Neudorf). Am 26. Juni 1906 erhielt ich mein Lehrerdiplom. Gegen Ende November desselbigen Jahres wurde ich von der Magnesit-Industrie Aktien-Gesellschaft als Lehrer auf ihrer Kolonie in Hacava angestellt. Nach 4 jähriger un 4 monatiger Tätigkeit dankte ich am 23. März 1911 von meinem Posten ab, da mich die ev. Kirchengemeinde zu Ratzersdorf zu ihrem Lehrer und Organisten einstimmig wählte. Im Jahre 1914 entriß mich der Weltkrieg aus meinem Wirkungskreise. Noch in demselben Jahre, Ende Oktober fiel ich in russische Gefangenschaft, aus welcher ich erst nach 6 Jahren am 21. Oktober 1920 glücklich zurückkehrte. Es war mir vom Allermächtigen gegönnt, meine Tätigkeit wieder aufnehmen zu können.


Am 25. Oktober 1927 besuchte Herr Schulinspektor F. Jozka unsere Schule. Lehrer Karl Heider war wegen Familienangelegenheit abgereist. In der ersten Klasse im 2. Schuljahre waren dei Schüler im Lesen noch nicht genügend fortgeschritten; sie gebrauchten noch die Fibeln. In der zweiten Klasse sind die Schüler zur Selbstständigkeit zu gewöhnen.


Der Deutsche Kulturverband sandte heuer (1927) für arme Kinder als Weihnachtsbescherung drei Paar Anzüge und an Bargeld 200 Kronen. Von diesem Betrage wurden drei Paar Schuhe und verschiedenes Schreibmaterial (Federn, Bleistifte und Federstiele) eingekauft. Jeder Schüler erhielt einige Sachen an Schreibzeug. Auch hier sei dem Deutschen Kulturverbande der innigste Dank ausgesprochen.


Unter Leitung des Lehrers Karl Heider entstand Anfang des Schuljahres 1927/28 ein Turnverein. Um denselben in seinem Werden zur Seite zu stehen, sandte der Deutsche Kulturverband zur Anschaffung einiger Turngeräte 400 Kronen. Für die Spende wird der verbindlichste Dank ausgesprochen.


Die diesjährige Schulbesichtigung, bei welcher auch das übliche Protokoll aufgenommen wurde, fand am 22. Februar 1928 statt. Die Abschrift des Protokolles ist unter Zahl 73/1928 aufbewahrt. Die Lehrer wurden als gut qualifiziert.


 

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Obiges Lichtbild zeigt die Konfirmanten vom Jahre 1928 (9.April). Es wurden 4 Knaben und 5 Mädchen, zusammen 9 Schüler konfiermiert:

Die Namen derselben lauten von links nach rechts:

Samuel Kompauer, Wilhelm Steberl, Wilhelm Follrich, Rudolf Gschweng (Schüler der Bürgerschule).

Rosa Kompauer, Susanna Tietz, Katharina Ruckriegl, Susanna Gschweng, Charlotte Wengh.


Die Schuljugend nahm, wie voriges Jahr, so auch heuer an dem Jugendtreffen teil (13. Mai 1928). Diesmal kam die Jugend beim Sankt Georgner Mileniumhause auf einer Wiese zusammen. Die Zeit aber war ungünstig. Unsere Schuljugend erwarb sich beim Singstreite den 4. Preis.Das erhaltene Liederbuch "Der singende Quell" von Walter Hensel wird in der Lehrerbibliothek aufbewahrt. Der Gesang- und Musikverein "Eintracht" erhielt das schöne Buch "Wach auf" als 3. Preis.


Zu Beginn des Schuljahres 1927/28 zählte:

die 1. Klasse 60 Schüler, 33 Knaben, 27 Mädchen

die 2. Klasse 49 Schüler, 24 Knaben, 25 Mädchen

Während des Schuljahres trat eine Schülerin aus und ein Schüler trat ein. Die Schülerin Katharine Wenzl starb am 2. April 1928. Am Schlusse des Schuljahres verblieben 108 Schüler. In der Wiederholungsschule waren 37 Schüler eingeschrieben.


Im Jahre 1928 den 13. Juni unternahm die Lehrerschaft mit ihren Schulkindern einen größeren Ausflug. Die Ausstellung zeitgenössischer Kultur in Brünn gab dazu Anlaß. An dem Ausfluge nahmen über 30 Schüler teil. Nach Besichtigung der Stadt Brünn und der Ausstellung reisten wir noch nach der Station Blansko, um von dort aus zu der schönen Tropfsteinhöhle Macocha zu gelangen. Nach drei Tagen kamen wir wieder vergnügt und wohlbehalten nach Hause. Die Teilnehmer werden an diesen schönen Genuß, der ihnen durch die vielen Sehenswürdigkeiten zuteil wurde, immer gerne zurückdenken. Es sei noch hier erwähnt, daß Kollege Karl Heider, der in Brünn seine Studien vollführte, die Leitung der Gruppe übernahm, wofür ihm aufrichtiger Dank zuerkannt wird.


Beschluß des Presbyteriums vom 23. Juni 1928.

Der geistliche Herr eröffnet die Beratung und nimmt den 1. Punkt vor, der die Schlußprüfungen betrifft. Die Lehrer sind wohl nicht mehr dazu verpflichtet, eine öffentliche Schlußprüfung mit den Kindern abzuhalten, halten aber an der Überlieferung fest, so daß mit Einwilligung des Schulstuhles die Prüfung bereits Sonntag, den 24. Juni d. J. nachmittag in der Kirche stattfindet.


Der Deutsche Kulturverband schreibt uns vom 18. Mai 1928.

Die Gauleitung des DKV. beabsichtigt heuer eine Aktion, wie sie in den letzten Jahren schon in der Zips durchgeführt wurde, in der ganzen Slowakei einzuführen. Wir wollen während der Sommermonate im Juli und August ein oder besser zwei junge Wandervögel in jedem Orte unterbringen, die sich während dieser Zeit in jedem Orte mit der Jugend befassen sollen. Die Kinder sollen auch während der Ferienzeit unter Aufsicht sein und etwas lernen, vor allem deutsche Spiele und singen und anderes mehr. Diese Einrichtung, die schon anderwärts gute Erfolge zeitigte, soll nun auch in unserer Sprachinsel mithelfen. Besonders der Schule wird die Beaufsichtigung der Kinder in den Ferien helfen. Wir verlangen aber die einfache, kostenlose Unterbringung in einer Familie und die freie Verpflegung, die sich vielleicht so durchführen läßt, daß die Jungens jede Woche in einer Familie essen und allwöchentlich wechseln. Wir erwarten, daß sich auch Ratzersdorf unserer Aktion anschließt und recht bald meldet, daß es auch zwei Burschen aufnimmt. Wir erhoffen uns sehr viel und bitten nur um Ihre Unterstützung.

Beschluß des Presbyteriums vom 23. Juni 1928.

Der Deutsche Kulturverband teilt brieflich mit, daß er auch heuer wieder in die Gemeinden einige Wandervögel sendet, die sich über die Ferien mit den Kindern und auch mit der nicht mehr schulpflichtigen Jugend befassen würden, indem sie ihnen z.B. schöne Volkstänze, Lieder u. dgl. lehrten. Da man nur Lob über 2 Wandervögel, die bereits einmal in anderen Ortschaften waren, hörte, wurde der Vorschlag, über diese Ferien 2 Wandervögel kommen zu lassen, angenommen. Bezüglich Verköstigung sollten sie abwechselnd von den Gemeindegliedern eingeladen werden.

Am 2. August erschienen in Ratzersdorf 2 Schülerinnen namens:

????

Adele van der Pernt,

beide aus Oberhollabrunn (Österreich)

Erstere bekam Heimweh und verließ nach einer Woche Ratzersdorf. Adele van der Pernt hielt aus und erreichte bei der Jugend einen schönen Erfolg. Als sie am 2. September gelegentlich eines Kinderfestes von unserer Ortsgruppe Abschied nahm, standen in vielen Augen Tränen. Es wurde der Wunsch laut, daß das Fräulein auch nächstes Jahr in unserer Mitte erscheine.

Die größte Last der Verpflegung und der Unterbringung lag aber auf den Schultern des Lehrers Rudolf Kottler, da die Eltern der Kinder während der Arbeitszeit nicht dazukamen, den Wandervogel zu verpflegen. In der Hoffnung, daß die Eltern in der Zukunft für diese Sache mehr Verständnis aufbringen werden, wurde dies Opfer gebracht.

 

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Verlängerung des Pflichtschulbesuches an Volks- und Bürgerschulen in der Slowakei auf acht Schuljahre.

Laut Erlaß des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur vom 26. April 1927 Z. 45.305-I wird vom Beginn des Schuljahres 1927/28 der achtjährige Schulbesuch für die gesamte Jugend in der Slowakei obligat.

Die Schulleitung stellt fest, daß es ihr für das Schuljahr 1928/29 noch möglich ist, alle deutschen Kinder in die Schule aufzunehmen. Im Schuljahre 1928/30 wird - wie voraus zu sehen ist - die Zahl der Schüler so zunehmen, daß man sich schon jetzt mit der Erweiterung der Schule befassen muß. Die Schulleitung nimmt in dieser Angelegenheit auch mit dem deutschen Kulturverbande Fühlung und erwartet, daß in dieser wichtigen Frage auch seitens des Verbandes das Möglichste getan werden wird.


Am 1. Oktober 1928 rückte Lehrer Karl Heider zum Militärdienst nach Troppau ein. Für die Zeit seiner Abwesenheit wurde Lehrer Otto Köhler gewählt. Sein Lichtbild und sein Lebenslauf folgt:

(Originalfoto gesucht !)

 

Mein Lebenslauf.

Am 20. Oktober 1905 erblickte ich das Licht der Welt. Mit 4 älteren Geschwistern wuchs ich in der Bauernwirtschaft meines Vaters im Dörfchen Niederreuth bei Asch auf. 5 Jahre ging ich in die zweiklassige Volksschule meines Heimatdorfes und dann besuchte ich die 4-klassige Knabenbürgerschule der eine fußstunde entfernten Stadt Asch. In den Schuljahren 1920/21 bis 1923/24 besuchte ich die Staatslehrerbildungsanstalt in Eger und erwarb dort am 24. Juni 1924 das Zeugnis der Reife. Es war mir nicht gegönnt, gleich einen Platz an öffentlicher Schule zu finden. So nahm ich denn die Stelle eines Hauslehrers bei einem deutschen Großgrundbesitzer in der Nähe Prags an. Dort wirkte ich während des Schuljahres 1924/25. Während des nächsten Schuljahres war ich an der deutschen ev. Privat-Volksschule m. Ö. in Eger angestellt. Am 1. Oktober trat ich meinen Militärdienst an und kehrte am 31. März 1928 zurück. Immer noch waren die Aussichten für deutsche Junglehrer sehr mißliche. So saß ich denn 6 Monate stellungslos zu Hause, obwohl ich mich sehr um einen Posten anstrengte. Seit 1. Okt. 1928 unterrichte ich an der hiesigen ev. deutschen Volksschule als Stellvertreter.


Der 28. Oktober als Staatsfeiertag wurde auch heuer in unserer Schule begangen. Laut alter Sitte ging die Schuljugend unter der Leitung ihrer Lehrer in die Kirche. An dem Gottesdienste nahm auch der Vorstand der Großgemeinde und die Gemeindevertretung teil. Nach dem Gottesdienste wurde die Feierlichkeit in der Schule fortgesetzt.


Im Monate November des Jahres 1928 erging an die Eltern unserer Schuljugend folgender Aufruf:

An die Eltern unserer Schuljugend!

Nicht nur die Schule, sondern auch das Elternhaus erzieht die Kinder. Schule und Haus müssen in der Jugenderziehung einheitlich vorgehen. Um dies zu erreichen, laden wir die Eltern (Vater oder Mutter) unserer Schulkinder Sonntag, den 25. November nachmittag um 3 Uhr in die Schule zu einer Besprechung ein. Im Interesse der Kinder mögen es die Eltern als heilige Pflicht erachten, zur Angegebenen Zeit in der Schule zu erscheinen.

Die Schulleitung.

An dieser Besprechung nahmen viele Eltern teil. Lehrer und Eltern sahen es ein, daß durch solche Zusammenkünfte nur der Jugend, unseren Kindern gedient ist und es wurde vorgesehen, dieselben in der Zukunft wenigstens einmal im Monate zu pflegen und zu wiederholen. Auch ließen sich durch das Auftreten der  Kinder so manche schöne Veranstaltungen vollführen.


Am 12. Dezember 1928 besuchte der Herr Schulinspektor Fr. Jozka unsere Schule. Das Ergebnis seiner Beobachtungen sind im Protokolle, welches unter Zahl 41/1929 aufbewahrt ist, niedergeschrieben. Beide Lehrkräfte wurden mit der Note "sehr gut" qualifiziert.


Am 23. und 30. Dezember veranstaltete die Schuljugend mit den Erwachsenen eine Weihnachtsfeier. Das Programm lautete:

1. Weihnachtslieder

2. Bald ist Weihnacht

3. Knecht Ruprecht

4. Rübezahl als Weihnachtsmann

5. Lieder

6. Ein deutsches Weihnachtsspiel für große und kleine Leute

7. Schlußlied

Diese erfreuliche Tatsache ist hervorzuheben, daß sich an dieser Feier unsere Gemeindeglieder rege beteiligten. Der Reinertrag war 575,45 Kc. Diese Summe wird in der Schule aufbewahrt und soll in erster Reihe zur Bestreitung der Auslagen, welche bei den Wandervögeln entstehen werden, verwendet werden.


Am 10. und 17. April veranstaltete die erwachsene Jugend eine Theateraufführung. Der Reinertrag wurde der Gemeindekassa zugeführt. Bei der Einübung der Theaterstücke bemühte sich das Gemeindemitglied H. Gustav Ruckriegl, dem neben Dank auch die Anerkennung zugesprochen wurde.


Die Schüler der ev. Volksschule in Ratzersdorf veranstalteten am 24. und 31. März 1929 eine Osterunterhaltung mit folgendem Programm:

1. Begrüßung

2. Lenzfeier

3. Das Lied von der Glocke

4. So lebe wohl. Volkslied aus d. Krem. Spr.

5. Aschenbrödel

6. Der gestiefelte Kater

7. Schlußlied

Eintritt frei. Spenden wurden für Schulzwecke dankend angenommen. Um das Gelingen dieser Aufführung nahm sich Lehrer Otto Köhler große Mühe. Er bereitete aus Papier und anderen Kleinigkeiten den Kindern die meisten Ausstattungen vor. Der Reinertrag betrug 533,40 Kc, davon wurden 143,40 Kc dem Deutschen Kulturverbande abgesandt. Dem Lehrer Otto Köhler sei auch hier herzlichen Dank und aufrichtige Anerkennung zugesprochen.


Unter Leitung des L. Karl Heider entstand am Anfang des Schuljahres 1927/28 ein Turnverein. Es zeigten sich Schwierigkeiten. Besonders die studierende Jugend konnte sich ihrem Vorgesetzten nicht unterordnen. Die Leitung versagte.

Lehrer Otto Köhler belebte am 27. April 1929 vom neuen den Verein, da er vom Turnvater Jahn einen Lichtbildervortrag hielt. An die Jugend erging folgende Einladung:

Am Samstag den 27. April um 1/2 8 Uhr findet in unserer Schule ein Lichtbildervortrag über einen Abschnitt der deutschen Geschichte statt, wozu alle stammesbewußten Deutschen herzlichst eingeladen sind. Im Anschlusse daran halten alle Besucher eine Besprechung. Deutscher Bursch, halte es als deine Pflicht, dich wenigstens bei dieser wichtigen Beratung einzufinden.

Das Jugendtreffen fand heuer (1929) am 2. Juni in Limbach statt. Dort versammelte sich die Jugend, um in der schönen Natur ihr lustiges Spiel zu treiben. An dem Singstreite beteiligte sich auch unsere Schuljugend, sie ging aber leer aus. Die Wahl des Liedes und die Tonangabe mag nicht entsprochen haben.


Unsere Schule unternahm im Schuljahre 1928/29 nur in die Umgebung (Ballenstein, Bibersburg) kleinere Ausflüge. Dieselben wurden am schulfreien Tage (Donnerstag) durchgeführt. Anlaß dazu gab dieser Umstand, daß im Winter wegen der großen Kälte der Unterricht unterbrochen wurde. Für diesen Zweck sollten dann Unterrichtstage nicht verwendet werden.


Nach alter Sitte wurde auch heuer eine Schlußprüfung abgehalten. Am 23. Juni 1929 nachmittag 1/2 2 Uhr versammelten sich die kinder in der Schule, um von hier aus in die Kirche zu gehen. Obwohl die Prüfung nicht mehr vorgeschrieben ist, gibt sie doch dem Abschlusse ein feierliches Gepräge. Auch die Eltern können sich überzeugen, daß in der Schule Arbeit geleistet wurde, obzwar nur ein kleiner Einblick dadurch genommen werden kann.


Zu Beginn des Schuljahres 1928/29 zählte:

die 1. Klasse 62 Schüler, 37 Knaben, 25 Mädchen

Ein Schüler trat ein. Ladislaus Wenzl wurde vom Schulbesuche enthoben. Wilhelm Tietz starb am 7. März 1929. Am Ende des Schuljahres verblieben 61 Schüler, 36 Knaben, 25 Mädchen.

Die 2. Klasse zählte am Anfange des Schuljahres 64 Schüler, 27 Knaben, 37 Mädchen. 

Ein Schüler und eine Schülerin trat ein. Wegen Übersiedlung trat ein Mädchen aus. Am Ende des Schuljahres verblieben 65 Schüler; 28 Knaben und 37 Mädchen. 

Beide Klassen zählten 126 Schüler; 64 Knaben, 62 Mädchen. In der Wiederholungsschule waren ... Schüler eingeschrieben.


In den Ferien kamen wieder zwei Wandervögel nach Ratzersdorf. Am 10. Juli 1929 erschien Walter Groß aus Böm. Teschen, um seine volksbildnerische Tätigkeit aufzunehmen. Später, am ... 1929 kam auch die Schülerin Adele van der Pernt aus Oberhollabrunn wieder zu uns, die im verflossenen Jahre schon hier tätig war. Durch ein Lichtbild sei das gute Gedenken der beiden Volksbildner verewigt.

 

diese Bild fehlt leider in meiner Kopie !

 

Die Teilnahme war diesmal seitens der Jugend geringer. Die Ursache ist darin zu suchen, daß einige Studenten, die als Mitglieder des Turnvereines eine leitende Rolle spielen wollten, den richtigen Weg zum Zusammenhalten der Jugend nicht fanden. In der Zukunft muß die Angelegenheit besser organisiert werden; die größte Ordnung und Pünktlichkeit ist zu verlangen.


Auszug aus der Verhandlungsschrift des Schulstuhles vom 21. Juni 1929.

6. Nachdem heuer in unserer Schule 152 Kinder eingeschrieben sind und dieselben durch zwei Lehrkräfte nicht mehr unterrichtet werden können, wird die Errichtung der dritten Lehrstelle auf die Tagesordnung und zur allgemeinen Besprechung gebracht.

Das Presbyterium beschließt, das Gesuch für die Anstellung einer dritten Lehrkraft dem Schulreferate zu unterbreiten. Zur Bedingung ist gestellt, daß die Gemeinde dem 3. Lehrer jährlich 1680 Kronen (1200 Gehalt, 480 Kc Wohnungsgeld) zahlt und daß die Gemeinde nach einem Jahre ihre Schule erweitert. Bis dahin werden in einem Lehrzimmer zwei Klassen  abwechselnd (vormittag und nachmittag) unterrichtet werden.

7. Die Zuschrift des Lehrers Otto Köhler vom 2. Juli l. J. wird verlesen. Das Presbyterium beschließt, einen Vertreter für den im Militärdienste stehenden Lehrer Karl Heider zu suchen und somit die Stelle auszuschreiben. Dem Lehrer Otto Köhler könnte man, falls das Gesuch für die dritte Lehrstelle günstig erledigt wird, den neuen Posten in Aussicht stellen.

8. Der Schulbau wird Gegenstand der diesjährigen Wintersitzungen bilden. Die Mitteilung, daß der Deutsche Kulturverband zum Schulbaue 50000 Kronen in Aussicht gestellt hat, nimmt das Presbyterium mit Freuden zur Kenntnis und beschließt, dem Deutschen Kulturverbande für diese erfreuliche Zusage ein Dankschreiben zugehen zu lassen.


Auszug aus der Verhandlungsschrift des Presbyteriums vom 30. August 1929.

5. Beschließt das Presbyterium, daß die zu wählende Lehrkraft für die Vertretung dieselben Bezüge von der Gemeinde erhält, welche auch H. Lehrer Karl Heider bezogen hat.

6. Für die Vertretung wird das Fräulein Kriemhilde Babylon gewählt. Sollte die Gewählte Lehrerin die Stelle nicht annehmen, folgt in zweiter Reihe das Fräulein Hildtraut Nulle.


Auszug aus der Verhandlungsschrift des Presbyteriums vom 22. September 1929.

5. Das Presbyterium beschließt, der vom Schulreferate bewilligten dritten Lehrkraft einen jährlichen Gehalt von 1200 Kronen und eine Wohnungsgebühr von 480 Kronen auszuzahlen.

6. Für die dritte Stelle wird dem Konvente Fräulein Kriemhilde Babylon und für die Vertretung Fräulein Hildtraut Nulle vorgeschlagen.

7. Das Presbyterium beschließt, für die Schule eine Wandtafel und eine große Rechenmaschine anzuschaffen. Gelegentlich wird auch ein Bücherschrank eingekauft werden.


Auszug aus dem Gemeindeprotokolle der ev. Kirchengemeinde A.B. zu Ratzersdorf vom 22. September 1929.

5. Nachdem die Bewilligung für die dritte Lehrstelle vom Schulreferate eingelaufen ist und die Stelle in der "Freien Schulzeitung" ordnungsgemäß verkündet wurde, wird zur Wahl geschritten. Es haben sich folgende Lehrer und Lehrerinnen gemeldet:

Kriemhilde Babylon

Hildtraut Nulle

Hilde Schulz

Willibald Heinrich und

Helene Schiebl

Laut Antrag des Presbyteriums wird das schon hier wirkende Fräulein Kriemhilde Babylon vom 1. Oktober einstimmig auf die dritte Lehrstelle und das Fräulein Hildtraut Nulle einstimmig für die Vertretung gewählt.


 

(Originalfoto gesucht !)

 

Lebenslauf des Fräuleins Kriemhilde Babylon

Am 4. März 1909 im ev. Pfarrhaus in Christdorf (Nordmähren) geboren, besuchte ich dort die Volksschule von 1915-1921 und späterhin die Knabenbürgerschule in Hof bis 1924. Im selben Jahr erfolgte der Übertritt an die deutsche Staatslehrerbildungsanstalt m. K. in Brünn und 1928 legte ich an derselben Anstalt die Reifeprüfung ab. Vorübergehend an der ev. Gemeindeschule in Teplitz-Schönau in Vertretung meiner Schwester tätig gewesen, ist die Anstellung an der ev. Schule Ratzersdorf, die mit dem 1. IX. 1929 erfolgte, eigentlich die erste.


Lehrer Otto Köhler war bis Ende Juni 1929 als Vertreter des im Militärdienst stehenden Lehrers Karl Heider angestellt. Danach strebte er einen festen Posten an. Die Gemeinde stellte ihm die 3. Lehrstelle in Aussicht, wenn das Schulreferat zur Errichtung derselben die Bewilligung erteilt. Der Genannte schied aber gänzlich von uns, da er in seiner Heimat in Rorsbach bei Asch eine feste Anstellung erhielt. Gottes Segen begleite ihn auf seinen Wegen. Er war ein guter, verträglicher Kollege. Kein Gegensatz trübte unsere Zusammenarbeit.


Für die Vertretung wurde am 30. Aug. 1929 das Fräulein Kriemhilde Babylon gewählt. Am 1. September übernahm die Genannte die 3. Klasse. Die 1. und 2. Klasse blieb unter den Händen des Lehrers Rudolf Kottler.


Als die Bewilligung des Schulreferates unter Zahl 54148/I ai 1929 vom 9. IX. 1929 zur Errichtung der 3. Lehrstelle erteilt wurde, konnte man zur Wahl der dritten Lehrkraft schreiten. Das schon hier als Vertreterin wirkende Fräulein Kriemhilde Babylon bekam die dritte Lehrstelle. Fräulein Hildtraut Nulle übernahm die Vertretung und unterrichtete seit 1. Oktober 1929 in der zweiten Klasse.


 

(Originalfoto gesucht !)

 

Lebenslauf des Frl. Hildtraut Nulle

Ich wurde am 14. März 1907 zu Mähr. Trübau geboren und trat dort nach der 4. Volksschulklasse in das humanistische Gymnasium ein. Nach abgelegter Reifeprüfung (1925) besuchte ich den Abiturientenkurs der Staatslehrerbildungsanstalt in Reichenberg i. B. und unterzog mich gleichfalls der Reifeprüfung (1926). In den darauffolgenden Ferien wurde ich von der Reichenberger Jugendfürsorge mit einer Mädchengruppe als begleitende Lehrerin in ein Erholungsheim an die Ostsee geschickt. Nach meiner Rückkehr bereitete ich mich bei meinen Eltern (Reichenau i. M.) für die englische Staatsprüfung vor und legte diese auch im folgenden Frühjahr (1927) mi Erfolg am Im Sommer betraute mich die Reichenberger Jugendfürsorge wiederum mit der Aufsicht über eine Mädchengruppe; wir suchten diesmal im Böhmerwald Erholung. Im Winter 1927 bekam ich meine erste Anstellung, und zwar auf vorgeschobenem Posten in Neuwalddorf, am Fuße der hohen Tatra. Ich unterrichtete an der dortigen einklassigen ev. Volksschule und versah auch den Kantor- und Levitendienst. Juni 1928 hieß es aber leider wieder Abschied nehmen und ich blieb wieder für lange Zeit ohne Stelle. Um meine Kenntnisse und Zeit doch nutzbringend zu verwenden, nahm ich eine  Hauslehrerstelle in der Familie von Piller-Mérk-Pillerpeklam (Slow.) an und bereitete 2 Mädchen zur Prüfung vor. Als ich dann im Juni 1929 wieder nachhause kam, nahm ich mir vor, in den Ferien einmal etwas für meine Weiterbildung zu tun und so fuhr ich denn in die altbekannte Universitätsstadt Jena, um an den bekannten Rein´schen Ferienkursen an der Universität teilzunehmen. Nach 3 schönen Wochen mußte ich Deutschland wieder verlassen und kam dann, nachdem ich 3 Wochen an der privaten Bürgerschule in Metzenseifen (Slow.) unterrichtet hatte, als stellvertretende Lehrerin nach Ratzersdorf.


Auszug aus dem Protokolle der Lehrerkonferenz vom 6. Oktober 1929.

Mit dem 1. September 1929 wurde die bisher zweiklassige ev. Volksschule in Ratzersdorf wegen großer Schülerzahlen dreiklassig. Es ist der aufrichtige Wunsch des Lehrkörpers wie der Gemeinde, die 3. Klasse auch für die kommenden Jahre zu erhalten. Aus der Wahl für die dritte Lehrstelle ging Lehrerin Kriemhilde Babylon  hervor. Beide neugewählten Lehrerinnen begleitet der Wunsch des Vorsitzenden für ein erfolgreiches Wirken.


Folgende Schuljahre sind jetzt in einer Klasse vereinigt:

 

1. Klasse 2. Klasse 3. Klasse
1. Schuljahr

2.+3. Schuljahr

4.+5.+6.+7.+8. Schulj.

 

1. und 2. Klasse muß den 1. Lehrsaal gemeinsam verwenden.

1.    Schuljahr von 1/2 8 - 1/2 10, nachmittag 1/2 1 - 1/2 3

2-3. Schuljahr von 1/2 10 - 12 oder 12 1/2, nachmittag 1/2 3 - 1/2 5

Diesem Übelstande abzuhelfen, ist der Neubau eines Lehrsaales geplant.


Skolský Inspektorát Bratislava II.

Cislo: 2839/29

Bratislava, dna 16. septembra 1929

Predmet: Sriadenie III. postupnej

triedy v skol. roku 1929/30

19 priloh.

Skolskej stolici ev. a. v. skoly lúdovej v Racistorfe

Refer´t ministerstva skolstva a národnej osvety výnosom zo dna 9. IX. 1929. cis. 54148/I ai 1929 udeluje súhlas k sriadeniu III. docasnej postupnej triedy pri tomajsej skole a to výslovne len na skolský rok 1929/30. Zaroven berie na vedomie ze sa udrzovatel skoly postará o zákonité umiestnenie novej triedy (tried), systemizoval tretie miesto ucitelské a zabezpecil pren tieto pozitky: 1200 Kcs rocne základného platu 480 Kcs brjtné ho roc.

O tom sa udrzovatel skoly uvedomu je s tým upozornenim, ze po pravidelnom zaplneni ucitelského miesta moze referátu ministerstva skolstva a národnej osvety predlozit nálezite instruovanú ziadost o povolenie zálohy pre zvolenú (ustanovenú) ucitelskú silu na zvýsenie jej pozitkov, zabezpecených udrzovatelom skoly reap. inými miestnými cimtelmi, po výku pozitkov, na ktoré by mala nárok podla zák.c.104/1926 Sb. z.a.n. keby za stejných okolnosti posobila na skole státnej tejze kategorie.

Sdeluje sa cielom vzatia na vedomie.

 

Jozka v. r.

skolský inspektor.


Am 27. September 1929, am letzten Unterrichtstage vor dem 28. September wurde in der letzten vormittägigen Unterrichtsstunde in würdiger Weise der Person des Hl. Wenzel seiner Bedeutung für die inneren und äußeren Verhältnisse des damaligen bömischen Staates, seiner Bedeutung für die Volkskultur und der Bedeutung der St. Wenzels-Tradition für das politische und kulturelle Leben des Volkes gedacht.


Am 21. Oktober 1929 wurde in würdiger Weise des greisen Erfinders T. A. Edison gedacht. 50 Jahre sind verflossen, daß die elektrische Glühlampe erfunden wurde. Die ganze Welt huldigt dem Erfinder und will Edison ihren Dank zum Ausdruck bringen, daß er durch seine Erfindungen den Menschen die Arbeit und das Leben erleichtert hat.


Um auch im Schuljahre 1929/30 die Elternabende zu pflegen, ging an die Eltern unserer Schuljugend folgende Einladung ab:

 

Einladung.

Die Eltern unserer Schuljugend laden wir Sonntag den 20. Oktober nachmittag 3 Uhr in die Schule zu einer Besprechung ein. Um vollzählige Beteiligung wird gebeten.

Die Schulleitung.

 

Laut Beschluß des Lehrkörpers werden diese Zusammenkünfte jeden Monat abgehalten werden, damit Schule und Haus enger miteinander verbunden werden.


Über die Feierlichkeit des 28. Oktobers ging dem Löbl. Schulinspektorate folgender Bericht ab:

Wie teilen dem Löbl. Schulinspektorate mitm daß wir den 28. Oktober als Gedenktag in unserer Schule am 26. Oktober gefeiert haben. Das Programm lautete:

1. Nad Tatrou sa blýska

2. Die Freiheit (Gedicht)

3. Freiheit die ich meine (Gesang)

4. Wissen heißt die Welt verstehen (Gedicht)

5. Ansprache an die Kinder

6. Mein Vaterland (Gedicht)

7. Ans Vaterland, ans treue (Gedicht)

8. Vaterland, Vaterland, ruh´ in Gottes Hand (Gedicht

9. Kde domov miy

Am 28. Oktober nahmen die Schüler in Begeleitung ihrer Lehrer am Gottesdienste teil. Das Schulgebäude war vier Tage hindurch mit der Nationalfahne geschmückt.


Am 21. und 22. Dezember 1929 hielt die ev. Volksschule im Saale des H. Raguel Ruckriegl eine Weihnachtsfeier ab.

          Programm:

1. Es ist ein Ros entsprungen, (Lied III Kl.)

2. Kommt ihr Hirten, (Lied III. Kl.)

3.  Christnacht, (Gedicht II. Kl.)

4. Wach Nachtigall wach auf, (Lied III. Kl.)

5. Weihnachten, (Gedicht II: Kl.)

6. Schneeflocken, (Reigen II. Kl.)

7. Christkindele, Christkindele, (Lied II. Kl.)

8. Weihnachtsspiel für Kinder v. Lina Hilger

9. Stille Nacht, heilige Nacht v. Lina Hilger

10. Abschiedsworte

Um das Gelingen der Weihnachtsfeier haben sich die Lehrerinnen Frl. Kriemhilde Babylon und Frl. Hildtraut Nulle bemüht. Es war eine schöne und gelungene Aufführung. Auch hier sei der innigste Dank den beiden Lehrerinnen ausgesprochen. Die Einnahme betrug 570,10 Kc. Dem Deutschen Kulturverbande gingen 134 Kc ab. Der Reinertrag im Betrage von ... Kc fällt der Schulkassa für Schulzwecke zu.


Fräulein Hildtraut Nulle, die als Stellvertreterin unserer Schule wirkte, dankte von ihrer Stelle ab und verließ uns am 17. Januar 1930. Sie bekam in Abtsdorf-Opatov in ihrer Heimat eine Anstellung.


Auf unser Ausschreiben meldete sich für die Vertretung das Fräulein Augusta Achberger aus Bratislava. Sie besaß nur für magy. Schulen das Reifezeugnis, unterrichtete aber in deutscher Sprache an der ev. Volksschule in Bratislava und will sich im Juni auch der Prüfung für die deutsche Schule unterziehen.


 

 

Mein Lebenslauf.

Ich, Augusta Achberger bin am 24. März 1910 zu Pressburg geboren. Besuchte 5 Jahrgänge der evang. Volksschule zu Pressburg, ferner studierte ich noch 4 Jahre in der städt. Mädchenbürgerschule und 4 Jahre in der magy. Lehrerinnenbildungsanstalt bei den Ursulinen in Pressburg. Die magy. Reifeprüfung legte ich am 21. Juni 1929 mit Auszeichnung ab. Im September 1929 wurde ich als Vertreterin für vier Monate (bis 31. Dezember 1929) an der evang. Volksschule in Pressburg angestellt. Seit 21. Jänner 1930 bis 31. März 1930 unterrichtete ich in Ratzersdorf an der evang. Volksschule ebenfalls als Vertreterin.


Anläßlich der Feier des 80. Geburtstages unseres Präsidenten Thomas G. Masaryk wurde dem Schulinspektorate II folgende Meldung zugesandt:

Am 6. März nahm die Schuljugend (4-8 Schuljahr) unserer Schule, wie auch der Gesang- und Musikverein "Eintracht" am allgemeinen Feste teil. Wie aus dem beigelegten Programme ersichtlich ist, trugen beide Vereinigungen zum Gelingen des Festes durch ihr Mitwirken auch etwas bei.

Am 7. März ging die Schuljugend unter Führung des Lehrkörpers in die Kirche, wo sie dem Festgottesdienste beiwohnte.

Nach dem Gottesdienste wurde die Feierlichkeit in der Schule mit folgendem Programme fortgesetzt:

1. Hymne

2. Bekenntnis (Gedicht)

3. Bundeslied

4. Zum 80. Geburtstag des Präsidenten

5. Ansprache an die Kinder

6. Der Pilgrim vor Skt. Just (Gedicht)

7. Es leben die Soldaten (Lied)

8. Mein Vaterland (Gedicht)

9. Hymne

10. Schlußworte, Verteilung der Broschüre)

Das Schulgebäude war zwei Tage hindurch mit der Nationalfahne geschmückt.


Lehrer Karl Heider kehrte am 29. III. 1930 von seinem Militärdienste zurück und übernahm am 31. März 1930 die zweite Klasse (2.-3. Schuljahr)


Wie im vergangenen Jahre, so feierte auch heuer unsere Schule mit großer Teilnahme der Eltern, besonders der Mütter, den Muttertag. Am 18. Mai 1930 versammelten sich die Schüler, um den Müttern die gebührende Ehre zu geben. Man gedachte auch der verstorbenen Mütter. Die Lehrerschaft war bemüht ihr Möglichstes zu tun. Eine schöne Ansprache hielt Lehrer Karl Heider. Für die Bemühungen sei auch hier der innigste Dank ausgesprochen.

 

Das Programm lautete:

1. Glückwunsch zum Ehrentage

2. Zum Muttertage, Albert Träger

3. Die fleißige Mutter v. Christian Diefenbach

4. Ein Grab v. Herm. Gilm

5. Wie die Mutter sagt. Herget Stoffs

6. Meine Mutter v. Griedr. Güll

7. "Mutter" schallt es v. J. Trojan

8. Lieb Mütterlein

9. Die Mütter Kaulisch. Herget Stoffs

10. Hauszauber. Herget Stoffs

 

3. Klasse.

 

1. Geschichten

2. Das Mutterherz v. Albert Traeger

3. Banger Tag v. Adolf Holst

4. Die alte Waschfrau. Adalb. v. Chamisso

5. Gebet einer Mutter v. Paul Wolf

6. Das taube Mütterlein. Friedr. Halm

7. Wenn eine Mutter betet für ihr Kind

8. Die Mütter v. Peter Bauer

9. Das Kind v. Friedr. Hebbel

10. Der offene Schrank v. Nik. Lenau

11. Dem Andenken meiner Mutter. L. Kiesgen


Am 25. Mai 1930 hielt die deutsche Jugend in Limbach ihr übliches Jugendtreffen ab. An dieser Zusammenkunft beteiligte sich auch unsere Schuljugend, und nahm an dem Singstreite teil. Diesmal erhielt unsere Schule den ersten Preis in Gestalt eines schönen Liederbuches "Strampedemi" von Walter Hensel. Dem Frl. Kriemhilde Babylon gebührt Anerkennung, denn sie war bemüht die 3. Klasse auch im Singen vorwärts zu bringen.


Gelegentlich der letzten Lehrerkonferenz stellte der Vorsitzende die Frage an die Lehrer, ob sie geneigt sind, auch im künftigen Jahre an der hiesigen Volksschule zu wirken. Lehrer K. Heider war gewillt seine Tätigkeit auch im nächsten Schuljahre aufzunehmen. Frl. Kriemhilde Babylon dagegen sprach sich dahin aus, daß sie in ihrer Heimat eine Stelle anstrebt. Die dritte Lehrstelle wurde somit ausgeschrieben, damit die Wahl noch zu rechter Zeit durchgeführt werden kann.


Zu Beginn des Schuljahres 1929/30 zählte:

 

Die 1. Klasse 38 Schüler, 20 Knaben, 18 Mädchen

Während des Schuljahres trat 1 Schüler ein (Mädchen)

Während des Schuljahres traten 2 Schüler aus (1 Knabe, 1 Mädchen)

Das Schuljahr endigte mit 37 Schülern, 19 Knaben, 18 Mädchen

 

(suche Originalfoto !)

 

 

Die 2. Klasse zählte 57 Schüler, 34 Knaben, 23 Mädchen

Während des Schuljahres trat 1 Schüler ein (Knabe)

Während des Schuljahres traten 2 Schüler aus (Knaben)

Das Schuljahr endigte mit 56 Schülern, 33 Knaben, 23 Mädchen

 

(suche Originalfoto !)

 

 

Die 3. Klasse zählte 61 Schüler, 26 Knaben, 35 Mädchen

Während des Schuljahres trat 1 Schüler aus (Knabe)

Das Schuljahr endigte mit 60 Schülern, 26 Knaben, 34 Mädchen

 

(suche Originalfoto !)

 


Im Schuljahre 1929/30 verließen folgende Schüler unserer ev. Volksschule nachdem sie das 14. te Lebensjahr erreicht haben:

 

1. Rudolf Gschweng

2. Samuel Kompauer

3. Katharina Ruckriegl

4. Wilhelm Sandtner und

5. Charlotte Wengh


Das Schuljahr 1929/30 war ein Jahr der Mühe und Arbeit. Die erste und dritte Klasse hatte während des ganzen Schuljahres ihren ständigen Lehrer. In der zweiten Klasse unterrichtete bis zur Bewilligung der dritten Klasse und bis zur Wahl der dritten Lehrkraft im Monate September Lehrer Rudolf Kottler. Mehr als vier Wochen hindurch waren zwei Klassen unter seinen Händen. Nachher übernahm Frl. Hildtraut Nulle die zweite Klasse. Sie wirkte nicht bis zur Rückkehr des L. Karl Heider. Mehr als zwei Monate war noch Lehrerin Augusta Achberger tätig. Während ihrer Wirkung gingen die Schüler besonders im Schreiben sehr zurück, da die Lehrerin sehr kurzsichtig war und die Arbeiten nicht genau überprüfen konnte. Nach beendetem Militärdienste übernahm dann L. Karl Heider auf 3 Monate die zweite Klasse. Der große Wechsel an Lehrkräften war unseren Schülern zum Nachteil. Der abwechselnde Unterricht in einem Lehrzimmer ging ohne Störungen vor sich. Die erste Klasse hatte von 1/2 8 - 1/2 10 und von 1/2 1 - 1/2 3 ihre Stunden. Die zweite Klasse dagegen von 1/2 10 - 12 oder 12 1/2 und von 1/2 3 - 1/2 5.

Ein Nachteil für diesen Unterricht war, daß die Schüler vielmal früher zur Schule kamen und die festgesetzte Zeit nicht einhielten. Der halbtägige Unterricht in einer Klasse wäre aber für die kleinen Schüler noch schwieriger gewesen, da sie vier oder fünf Stunden hindurch an dem Unterrichte sehr schwer hätten teilnehmen können.Der Winter war im Allgemeinen mild und so konnten die Schüler ohne weiteres den Beginn des Unterrichtes im Schulhofe abwarten. Da die Vorarbeiten für den Schulneubau noch nicht so weit fortgeschritten sind, ist anzunehmen, daß auch im nächsten Schuljahre auf diese Weise der Unterricht durchgeführt werden wird.


Vor Jahresschluß stellte auch heuer der Deutsche Kulturverband die Frage an die Schule, ob die Eltern der Schüler für die Ferien einen Wandervogel wünschen. Es meldeten sich etwa 40 Kinder und so baten wir den Deutschen Kulturverband, einen Wandervogel herauszusenden. Es erschien ein Volksbildner in der Person des Gustav Hruitz aus Engerau, der sich vier Wochen hindurch mit der Schuljugend und mit den Erwachsenen befaßte.


Die dritte Klasse wurde vom Schulreferate nur für das Schuljahr 1929/30 bewilligt. Die Einschreibungen fanden Ende des Schuljahres statt, wobei festgesetzt wurde, daß die Schülerzahl noch zunahm. Das Gesuch um die weitere Bewilligung der 3. Klasse wurde dem Schulinspektorate übergeben. Auf unsere Bitte folgte folgende Erledigung:

 

Skolský Inspektorát Bratislava II. Cislo: 3562/30.

Bratislava, dna 25. júla 1930.

Predmet: Ponechanie III doc. post. triedy pre skolský rok 1930/31

 

Skolskej stolici ev. a. v. lud skoly v Racistorfe

Vo smysle výnosu referátu ministerstva skolstva a nár.asvety cis. 1618/I ai 1927 zu dna 1. IV. 1927, taktiez na základe výnosu cis. 54148/I ai 1929 zu dna 9. IX. 1929 a s výhradou dódatocného schválenie referátu ministerstva skolstva a nár. osvety-ponechá.. sa

III. doc. post. trieda tamojsej skoly pre skolský rok. 1930/31

 

Józka v. r

skol. insp.


Auszug aus der Verhandlungsschrift des ev. Schulstuhles vom 17. August 1930

Punkt 2. Die Abdankung der Lehrerin Kriemhilde Babylon wird verlesen und vom Schulstuhle zur Kenntnis genommen

Punkt 4. Auf die dritte Lehrstelle unserer Volksschule meldeten sich 6 Lehrer und Lehrerinnen und zwar:

Hanni Baier, Zauchtel

Higo Dollna, Johannesthal

Gertrud Frank, Brünn

Ferd. Freiberger, Nizné-Sváby

Gertrud Krautheim, Asch

Irene Spitzkopf, Matzdorf

Der ev. Schulstuhl zu Ratzersdorf wählt einstimmig das Frl. Irene Spitzkopf auf die hiesige dritte Lehrstelle auf die Zeit vom1. September 1930 bis 31. August 1931.


Irene Spitzkopf (suche Originalfoto !)

 

Mein Lebenslauf.

Am 5. Oktober 1910 geboren, besuchte ich seit Herbst 1916 die ev. Volksschule in Matzdorf, die damals noch ungarisch war, aber im 3. Schuljahr deutsch wurde. Nach Beendigung der 5. Volksschulklasse kam ich an die ev. deutsche Mädchenbürgerschule in Käsmark. Noch während der IV. Bürgerklasse machte ich Aufnahmeprüfung in die V. Klasse des dortigen Gymnasiums, das ich 1929 nach abgelegter Reifeprüfung verließ. Dann kam ich nach Mies in Böhmen, wo ich an der deutschen staatl. Lehrerbildungsanstalt den Abiturientenkurs machte. Auf Grund meines Reifezeugnisses für Volksschulen suchte ich um die freie 3. Lehrstelle an der ev. Volksschule in Ratzersdorf an, wo ich auch gewählt wurde.


Laut Erlaß des Ministeriums für Schulwesen und Volkskultur vom 19. V. 1930, Ziffer 1516 präs. sollen in den Schulen Elternzusammenkünfte abgehalten werden, bei denen den Eltern und Lehrern Gelegenheit gegeben wird, sich in Schulangelegenheiten auszusprechen. Solche Vereinigungen fanden in unserer Schule schon statt. Bei der am 5. Oktober 1930 abgehaltenen Zusammenkunft wurden die Mitglieder des Elternrates wie folgt gewählt:

Paul Strohkendl

Viktor Marhofer

Eduard Gschweng

Samuel Wenzl

Johann Gschweng 317

Johann Ruckriegl

Valerie Wenzl

Rosa Kompauer

Theresie Wengh

Stefanie Petschuch

Julianna Wenzl

Rosa Wenzl


Auf Aufforderung des Schulinspektorates Bratislava II wurde im Schuljahre 1930/31 ein Fortbildungskurs abgehalten. Es beteiligten sich 20-25 Personen. In wöchentlichen 2 Stunden kam Rechtschreiben verbunden mit Sprachlehre und Rechnen zum Vortrage. Vorlesungen fanden auch statt.


Auszug aus der Verhandlungsschrift vom 6. November 1930.

6. Das Schulinspektorat Bratislava II bewilligt das abwechselnde Unterrichten der I. und II. Klasse in einem Klassenraume nur mehr bis Ablauf des Schuljahres 1930/31, das ist bis 28. VI. 1931.

Skolský Inspektorát II. v Bratislave

Cislo: 4659/30

Bratislava dna 24. októbra 1930

Predmet: Ponechanie III doc. post. triedy

7 priloh.

Skolskej stolici ev. a. v. ludovej skoly v Racistorfe

Referát ministerstva skolstva a nár. osvety výnosom za dna 12. IX 1930, cis. 53037/I ai 1930 schvaluje opatrenie tunajsieho úradu pod cis. 3562/30 za dna 26. júla 1930, ktorým sa udeluje súhlas na ponechanie III. triedy zatýmnej postupnej pri tomojsej na skolský rok 1930/31

Súcasne povoluje striedavé vyucovanie pri plnom pocte ucebných hodin najneskorsie vsak do 30. júna 1931.

Sdeluje sa cielom vzatia na vedomie.

 

Józka

skolský inspektor


Auszug aus der Verhandlungsschrift vom 6. November 1930.

5. Verlesen einer Zuschrift vom D. Kulturverband: Die allgemeine Burschenschaft Erlangen (Deutschland) spendete der Gemeinde zum Zwecke eines Schulbaues 300 (Dreihundert) RM, wofür der herzlichste Dank ausgesprochen wird. Der Betrag bleibt aber zinstragend beim D.K.V. liegen und steht der Gemeinde bei Verwirklichung des Schulbaues jederzeit zur Verfügung. Wird zur Kenntnis genommen.


Verhandlungsschrift aufgenommen am 24. November 1930 während der Presbyterialsitzung der evang. Kirchengemeinde zu Ratzersdorf.

Der Zweck dieser Sitzung war eine gründliche Aussprache über Erweiterung der Schulräumlichkeiten und einen diesbezüglichen Neubau der Schule. Die Sitzung dürfte einmal geschichtliche Bedeutung erlangen, sobald tatsächlich der Schulbau in Angriff genommen und mithin für Erhaltung und Festigung unseres Volkstums und unseres Glaubens in der Gemeinde Ratzersdorf ein neuer Grundstock gelegt werden sollte.

Anwesend waren auch die Herren Senior Dr. C. E. Schmidt und Senioratsinspektor Wilhelm Grüneberg aus Pressburg. Ersterer führte nach der Begrüßung in längerer Rede u. a. folgendes aus, das ich gekürzt wiederzugeben versuche (nach meinen stenogr. Aufz.)

"In unserer heutigen Aussprache handelt es sich um den Fortbestand unserer Schule. So wie die Verhältnisse liegen, entsprechen wir mit den jetzigen Gebäuden nicht mehr den Anforderungen der Schulbehörden und nach Mitteilungen des Herrn Oberlehrers wurde das abwechselnde Unterrichten zweier Klassen in einem Klassenraume ausdrücklich nur mehr für dieses Schuljahr (bis 28. VI. 1931) gestattet. Wir müssen also daran denken, und das mit allem heiligen Ernst, diese Zustände abzuändern, und den Forderungen der Schulbehörde genüge zu leisten, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, daß die Schule gesperrt oder ganz genommen wird. Und das darf nicht geschehen. Haben unsere Vätermit den allergrößten Opfern die Schule gegründet und erhalten für ihre Zukunft, nämlich das jetzt lebende Geschlecht, so müssen wir das auch tun für unsere Zukunft. Bilden wir uns nicht ein, daß damals die Zeiten besser waren. Die gelebte Zeit ist immer eine schlechte Zeit ! Und wenn unsere Väter vor 100 Jahren gearbeitet haben und mußten, so lasset es auch uns tun. Wir sind nicht um 100% schlechter daran als jene. Denken wir nur an die Geldentwertung i. J. 1811, eine Folge der Franzosenkriege. Sie lebten noch viel schlechter als wir heutzutage. Man darf die Flinte nicht gleich ins Korn werfen.

Wir stehen nun vor der Frage: Wollen wir die evang. Schule erhalten oder nicht ? Natürlich ja ! Also müssen wir den Anforderungen der Schulbehörde entsprechen, wir müssen also wirklich neu bauen. Das kostet Geld. Es handelt sich jetzt darum: Kann die Gemeinde sich den Bau leisten oder nicht ? Ganz allein kann sie es nicht. Da aber kann ich ihnen die größte Zusicherung geben, daß sie von auswärts durch die Liebe der Glaubensgenossen die größtmögliche Unterstützung zu erwarten gewiss sein können. Mir selber stehen zum Zwecke der Unterstützung von Schulen 100000 Kc. zur Verfügung die ich, im Falle die Gemeinde den Schulbau angeht, ihr im vollen Betrage zuwenden will. Auch der D.K.V. steht mit 50000 Kc. zur Hilfe bereit, ebenso sind noch Unterstützungen vom Land, Gustav-Adolf-Verein und kleinere Spenden von anderorts mit Bestimmtheit zu erwarten, so daß sie, gesetzt den Fall, der Schulbau käme auf über 200000 Kc. zu stehen, höchstens eine Schuld von 35-50000 Kc. auf sich nähmen. Das ist das Maximum. Das ist eine Schuld, die die Gemeinde Ratzersdorf auf sich nehmen und auch tilgen kann.

Bedenken sie, was sie für die Schule opfern, ist nicht für fremde Menschen. Das ist ja für sie selber."

Nachdem Herr Senior noch viele schöne aufmunternde Worte gesprochen und auch die Bedeutung und Freude eines eigenen Schulgebäudes hervorhob, stellte er den Antrag:

Das Presbyterium möge sich zu dieser Angelegenheit gründlich aussprechen, daß es sich vornimmt, die Schule zu bauen und beschließt, neue Pläne herstellen zu lassen, da die früheren von der Landesbehörde abgelehnt worden sind und mit der Herstellung und dem Bau Herrn Baumeister Stefan Elefanti, einen leistungsfähigen Mann, zu betrauen.

Daraufhin ergriff H. Inspektorstellvertreter Paul Strohkendl das Wort. Nachdem er auf die ev. Glaubensstärke der Bewohner vor 100 Jahren hinwies, bedauerte er bei einer Großzahl jetzt lebender Gemeindemitglieder gerade das Gegenteil von früher zu finden, nämlich Schwäche und Lauheit. Das wirke sich besonders in den Pflichten der Gemeinde gegenüber aus. Diese Tatsache, sowie die allgemeine wirtschaftliche Notlage, lassen gar nicht daran denken, eine neue Schule zu bauen.

In den früheren Plänen wurde der Schulbau mit 230000 Kc. veranschlagt. Woher diese Summe nehmen ? Aus fremden Mitteln ? Das wäre beinahe eine Schamlosigkeit. Auch andere Bauten stehen uns bevor: so eine Ausbesserung des Pfarrhauses. Wir haben beschlossen, daß auf diejenigen, die nicht zahlen wollen, aber zahlen könnten ein Druck ausgeübt wird. Das sollte bei den Einschreibungen in die Schule geschehen und die Kinder nichtzahlender Mitglieder nicht aufgenommen werden. Das wurde nicht durchgeführt. Darum fordere ich jetzt: Wir wollen jetzt gründlich wissen, wieviel Kinder abgehen und den Stand der evang. Kinder, wobei jene ausgeschlossen sind, deren Eltern aus Nachlässigkeit und Pflichtvergessenheit die Gemeindebeiträge nicht leisten wollen. Dadurch wird der Stand der Schüler stark verringert. Sollten für den neuen Stand die zwei Räume nicht genügen, dann dürfte vielleicht gebaut werden. Aber nur bescheiden. Wir wollen den Kindern auch Sorgen überlassen. Hätten das auch unsere Eltern getan, wäre evang. Geist unter den Gemeindemitgliedern geblieben. Die 8-jährige Schulpflicht ist für uns Weingärtner ein großer Schaden. Damit hängt auch die Überfüllung der Klassen zusammen. Für den Schulbau wollen wir niemandem das Geld abknöpfen, aber aus eigenen Mitteln ist es bei der Opferwilligkeit so weniger nicht möglich. Evangelischer Geist fehlt überall. Der Grund dazu muß schon in der Schule gelegt werden und die Kinder vor allem anderen zu ev. Christen erzogen werden.

Herr Senior: Es ist richtig , vor allem ev. Geist. Wenn aber die Behörden die Schule schließen, dann ist es auch mit dem ev. Geist zu Ende. Als Kirchenbehörde kann ich aber nie und nimmer die Einwilligung zu ihrem Beschluß geben, die Kinder von weniger evang.-bewußten Eltern auszuschließen, wozu sie auch gar kein Recht haben. Gerade für diese kinder ist die ev. deutsche Schule wichtig, denn bei ihnen beginnt dann Missionsarbeit. Sie wollen für 50000 Kc etwas bauen ? Da wird Ihnen kein Mensch etwas beisteuern. Wenn wir Sie aber unterstützen wollen, so können sie das ruhig und ohne sich zu schämen annehmen, weil es keine Schande ist: Denn was die Liebe gibt, kann die Liebe annehmen.

Als letzter Redner sprach der Herr Senioratsinspektor, der seiner Verwunderung Ausdruck gab, daß die Gemeinde das hochherzige Anerbieten des Herrn Senior nicht annehmen will und fordert auf, heute bloß die Vorbereitungen zu treffen, die zu nichts Weiterem verpflichten, da auch die Pläne kostenlos hergestellt werden. (Heilrufe!)

Aus Zeitmangel mußten die beiden Herren die Sitzung vorzeitig verlassen.

Es wird nun einstimmig beschlossen, auf Anregung und Darlegung des Herrn Senior und des Herrn Senioratsinspektor die Schulangelegenheit ernstlich ins Auge zu fassen, die Vorbereitungen in Angriff zu nehmen und damit eine Baukommission zu betrauen. Die endgültige Festlegung des Schulneubaues muß später vorgenommen werden. Mit der kostenlosen Ausarbeitung der Pläne wird H. Stefan Elefanti in Pressburg-Bratislava betraut.

Mitglieder der Baukommission sind:

Herr Oberlehrer R. Kottler, Inspektorstellvertreter Paul Strohkendl, Viktor Marhofer, Eduard Gschweng, Samuel Wenzl, Rudolf Kompauer, Konstantin Wenzl, Johann Wengh, Paul Petschuch, Samuel und Johann Gschweng 317

 

Karl Heider e.h.                        Otto Schulze e.h.

Schriftführer                                ev. Pfarrer

 

Paul Strohkendl e.h.

Karl Drgala e.h.

Otto Wenzl e.h.


Auszug aus der Vaerhandlungsschrift vom 1. Mai 1931 der evang. Kirchengemeinde zu Ratzersdorf.

2. Inspektorstellvertreter Paul Strohkendl berichtet über das Gutachten, das die Bezirksbaukommission in der am 30. April abgehaltenen Zusammenkunft nach Besichtigung beider Lehrerwohnungen und der Schulräume ablegte. Aufgabe der Kommission war, festzustellen, ob der Schulbau nötig sei oder nicht. Daß die Notwendigkeit eines Neubaues besteht, darauf verwies der Herr Schulinspektor in einem Schreiben an den Schulstuhl. Die Kommission bemängelte hauptsächlich den Bauplatz, der auf einer freien Stelle und nicht zwischen Häusern eingepfercht hätte gesucht werden sollen. Redner wiest darauf hin, daß er selbst sich bemühte, einen Baugrund für die Gemeinde auf der Druschweide zu erwerben, aber immer abgewiesen wurde. Die Kommission bezeichnete den Schulbau als Flickwerk und stellte deswegen nur eine geringe Unterstützung des Landesamtes in Aussicht.

3. Der Herr Senior übernimmt es, diesbezüglich beim Landesamt und beim Bezirkshauptmann vorzusprechen, Aufklärung zu geben und die noch vorhandenen Schwierigkeiten zu beseitigen.

4. Der Herr Senior überreicht dem Schriftführer eine Schenkungsurkunde, die zur Verlesung gelangt und folgenden Wortlaut hat:

 

An die Löbl. Ev. Kirchengemeinde A. B. Ratzersdorf

Ein ungenannt sein wollender, edler kirchlicher Wohltäter hat uns einen Betrag zur Verfügung gestellt, der unter jene Kirchengemeinden unseres Seniorates verteilt werden soll, die eine Schule zu bauen oder umzugestalten haben und hierzu einer Unterstützung bedürfen.

Der Kirchengemeinde Ratzersdorf wurden zu diesem Zwecke Kc. 120000 zugewendet.

Der Ertrag erliegt bei der Firma E. Schmidt u. Comp. Bratislava Blumenauerstraße 7 und kann dort, sobald der Schulbau im Gange ist, je nach Bedarf abgehoben werden, wozu die beiden Herren Inspektoren besonders zu ermächtigen sind.

 

Dr. C. E. Schmidt                    Wilhelm Grüneberg

Senior                                        Sen. Insp.

                        Siegel.

 

5. Der Herr Senior mahnt nun, den Schulbau ernstlich in Angriff zu nehmen. Als leuchtendes Beispiel stellt er den Schulbau von 1812 hin, der nur durch die übergroße Opferwilligkeit, Schaffensfreude, aber auch durch das Pflichtbewußtsein für die Nachkommen zu sorgen und ihr die Wege ebnen, zustande kam. Jedes Geschlecht muß seine Opfer bringen. Es gibt keine andere Gemeinde, die unter so günstigen Verhältnissen zu bauen begonnen hätte. Er stellt nun den Antrag, das Preßbyterium möge der Durchführung des Schulbaues zustimmen. Der Antrag wird einstimmig angenommen.


Nach zweijähriger Pause wurde heuer am zweiten Osterfeiertage (6. April) wieder konfirmiert. Die schulpflichtige Zeit wurde bis zum 14. Lebensjahr hinausgeschoben und somit auch die Konfirmation, die immer als ein Schlußakt der Schulzeit war. Konfirmiert wurden 6 Knaben, 3 Mädchen zusammen 9 Schüler. Sie heißen:

Martin Petschuch

Viktor Petschuch

Wilhelm Sandtner

Peter Paul Tietz

Daniel Wenzl

Johann Wenzl

Karoline Greiner

Rosa Gschweng

Elisabeth Strohkendl

(suche Foto dieser Konfirmation, in der Chronik ist keins enthalten)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

bis hier: Seite 83 von 258

wird fortgesetzt !

 

 

 

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