Im Dezember 2004 stellte mir das Antiquariat Christian M. Nebehay  aus Wien freundlicherweise einige Seiten aus dem Buch

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"Geographisch-Historisches und Produkten Lexikon von Ungarn"

von Johann Matthias Korabinsky

gedruckt in Pressburg im Jahre 1786

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als Kopie zur Verfügung wofür ich mich hiermit auf das Herzlichste bedanken möchte. Nachfolgend gebe ich daraus für einige Orte des Pressburger Comitates die Ortsbeschreibungen buchstabengetreu wieder. Die jeweils eingefügten Symbole habe ich durch die entsprechende Erläuterung aus der Zeichenerklärung am Anfang des Buches ersetzt und zur besseren Kenntlichmachung kursiv dargestellt.

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Grünau, Grinavia, ein schlow. Dorf im Preßb. Kom. 1/2 M[Meile] von Pösing SW [südwestlich] und eben soweit von St. Georgen NO [nordöstlich]. Gehöret der Palffschen Familie.. Herr von Silvay hat allhier eine Kuriä, welche mit einer wohl eingerichteten Mühle versehen ist. Graf Franz Zichy hat vor einigen Jahren hier ebenfalls eine Kuriä erkauft, die vor Zeiten Kubinskisch war. Katholische Kirche, Weinbau

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Limpach, einschlow. Dorf im Preßb. Kom. 1/2 M[Meile] von Pösing W.[westlich] ist Palfisch. hat schöne Waldungen. Weinbau

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Pösing, Bozin, Pezinek, Basinium, eine königl. Freystadt 2 M.[Meilen] von Preßburg, 1 St. [Stunde] v. St. Georgen und 1 St.[Stunde] von Modern. Es liegt dieselbe in einer etwas erhöhten Ebene, hat gesunde Luft und gut Wasser. 

Im XIV. Jahrhundert hatten sie die Ritter von St. Georgen und Pösing im Besitz, und nach ihrem Aussterben eignete sich solche Johann von Zapolya zu. Dieser behielt sie gar nicht lange, denn Kaiser Ferdinand nahm sie ihm ab, und verleibte solche den ungarischen Krongütern ein. 

Nach dieser Zeit soll sie samt der ganzen Herrschaft durch die Gunst der ungarischen Könige wieder an eigene Herrscher verliehen worden seyn, unter welchen die Geschichtschreiber den Krusithius, einen wackeren Kriegsmann namhaft machen. 

Nach seinem Absterben fiel diese und die St. Georger - Herrschaft dessen Gemahlin Katharina Palfi in Pfand zu, und durch sie ihrem zweyten Gemahl Steph. Illeschhasy, welcher ehedem als Officier beym Krusithischen Regimente gestanden und sich nach dem eigenen Vorschlag des gedachten Krusithius mit dieser Dame vermhlte. Da aber die Einwohner zu St. Georgen und Pösing, unter dieser Herrschaft hart gehalten wurden, sahen sie sich genöthigt im Jahre 1598 bey Kaiser Rudolph mit einer Bittschrift einzukommen, wobey sie zugleich das Anerbieten äußerten, die Pfandsumme für diese Herrschaften mit 140000 Thaler erlegen zu wollen. Kaiser Rudolph willigte in ihr Begehren, und machte sie überdies auf 10 Jahre von Abgaben frey, nach Verlauf dieser Zeit aber wurde ihnen die Zahlung des sogenannten Kammerzinses zuerkannt. Illeschhasy nahm diese Verhandlung überhaupt sehr übel auf, und suchte die Wechsler in Wien, welche den Pösingern und St. Georgern das Geld vorstrekten, mit schmähvollen Vorwürfen von ihrer Dienstbereitwilligkeit abwendig zu machen; allein hiedurch zog er sich einen schweren Proceß zu, dessen Ausgang ihn nöthigte, sich von Wien zu entfernen, und Sicherheit in einem fremden Lande zu suchen. Er verfügte sich daher über Trentschin nach Pohlen. In den bald darauf erfolgten Botschkaischen Unruhen fand Illeschhasy Gelegenheit nicht nur wieder ins Land zu kommen, sondern auch seinen ehemaligen Proceß zu seinem Vortheil auszugleichen. Botschkay selbst, überzeugt von seinen Einsichten und von seinem Verhältniß mit dem kaiserlichen Hofe, wählte ihn zu seinem Rathgeber, und bediente sich seiner in Friedensunterhandlungen. Dieser war auch so glücklich den Frieden in Wien ganz her zustellen. Nach geschloßenem Frieden wurde Illeschhasy mit aller Feyerlichkeit aufs neue in die Herrschaften St. Georgen und Pösing eingesetzt; die schon gedachten Kreditores aber mußten bey dieser Veränderung vieles verliehren. 

1609 verließ Illeschhasy als ungrischer Palatin diese Zeitlichkeit zu Wien, und setzte Kasparn Illeschhasy zum Erben ein. Dieses fiel den beyden Städten schwer, und sie suchten aufs neue ihr Recht bey König Matthias und dem Palatin Thurso, brachten es auch wirklich dahin, daß ihnen diese Herrschaften im Jahre 1615 durch ein königl. Diplom wieder übergeben wurden. Da aber erst gedachte Städte von der Schuldenlast zu stark gedruckt wurden, und sich nicht im Stande sahen, den Besitz dieser Güter zu behaupten, legten sie die Uebergaben derselben dem Kaiser zu Füßen mit der Bitte, die Zahlung dieser Schulden zugleich über sich zu nehmen, welches auch geschehen ist. 

In diesen Umständen befanden sich beyde Städte, als Stephan Palfi, damahliger Kronhütter 1626 vom Kaiser Ferdinand dem II. die Freyheit erhielt, diese Schloßgüter, jedoch mit Ausnahme der beyden Städte St. Georgen und Pösing um 260000 fl. in Pfand an sich zu lösen. 1635 wurde der Pfandschilling erhöht, und Palfy mußte noch 50000 fl. in das königl. Aerarium zuzahlen, welches sodann eine Summe von 310000 fl. betragen hat. Unter dieser Gestalt besaß die Palfische Familie die beiden Schlößer St. Georgen u. Pösing samt den dazu gehörigen Ortschaften Czaila, Gottsnoth, Klein- und Groß-Schenkwitz, Limpach, Schwanzbach u. Toth-Gurab bis 1744. Seit dieser Zeit aber erhielt es erst gedachte Familie vom Kaiser Karl den VI. wegen vielfachen dem kaiserlichen Hause treu geleisteten Dienste erblich.

Ohngedacht nun beyde Städte Pösing und St. Georgen von der Unterwürfigkeit dieser Herrschaften eximirt wurden, konnten sie doch auf ihre mehrmalige Bitten es nicht dahin bringen, und auf den Landtagen Sitz und Stimme zu erhalten, bis sich endlich die Landesstände selbst für sie verwandten, u. 1647 gleich andern königl. Freystädten zum Landtage beruffen wurden.

In den Kriegszeiten hatte Pösing mit St. Georgen und Preßburg fast gleiches Schicksal. Ottokar, der Türk, Botschkay, Bethlen, Tökely und Rakotzy hinterließen grausame Denkmähler, und von der Mannschaft des General Heisters wird berichtet, daß sie in zween Tagen mehr denn 2000 Eimer Wein ausgestürzt, und die Stadt über dies durch Erpreßung der Fourage u. anderer Sachen um das Ihrige, ge u. anderer Sachen um das Ihrige, viele gar in den Winterquartieren auf den Bettelstab gebracht.

Es ist die Stadt dermahlen mit zwey Thören versehen. Das Unterethor ist gegen Preßburg gerichtet, das Obere aber nach Modern zu. Vor Zeiten war auch Ostwärts oder im Gesichte des Rathauses ein Thor, welches man das Tyrnauer-Thor nannte; dieses ist aber 1663 aus Furcht vor den Türken ganz zugemauert und noch nicht wieder eröfnet worden, obgleich die Bürgerschaft solches vor mehreren Jahren ausdrücklich verlangt, und diese Bitte nach dem schreklichen Brande 1784, allwo den 8 Sept. bey nahe 100 Häser in der Stadt und Vorstadt in Flammen aufgiengen, aufs neue wiederholt haben soll. Es wird die Stadt von einem Bach bewäßert, und um die Mauern derselben befindet sich ein Graben.

Die hiesigen Kirchengebäude folgen also einander: I, Die ehemalige Pfarrkirche ohnweit vom Obernthore, ist ein altes Gebäude und gehörte vor Zeiten den Evangelischen. Es ist dieselbe nebst dem dabey befindlichen Gottesacker mit einer Mauer umgeben, allwo auf dem Thore nachstehende Worte zu lesen sind: Gaudium erit super uno peccatore poenitente. In dieser Kirche, welche mit einem Geläute versehen ist, wird auch das Grabmahl des ehemaligen Palatins Stephan Illeschhasy, in einer von ihm selbst 1609 erbauten Kapelle gezeigt. Man erblicket daselbst auf schwarzem Marmor einen Küraßier in Lebensgröße, und seine Gemahlin Katharina Palfy neben ihm.

Die zweyte ist die neue Kirche auf dem Platze, welche die Evangelischen 1659 zu ihrem Gebrauche erbauten, unter dem damahligen Prediger Theodor Puchner einweihten, und bis 1674 besaßen. Die Matrickel dieser Kirche ist von selbiger Zeit erst 1780 dem Kirchenkonvente zu Modern, als wohin sich die Evangelischen zu Pösing hinhielten, von einer Wittwe aus  Preßburg verehret worden, deren Gemahl Johann Kowatsch Stadtbuchhalter solche lange bey sich als ein geborner Pösinger in Verwahrung hatte. Es hat diese Kirche ein schönes Geläute, führet den Namen St. Salvator und werden dermahlen allhier die Pfarrdienste versehen. 1674 den 28. Febr. wurde sie zum katholischen Gottesdienste eingeweihet, und den Kapuziner Mönchen, die allhier zu Pösing ihren ersten Sitz in Ungarn einnahmen, am 10 Junius erst bemeldten Jahres einberaumet. Es setzten dieselben allhier ihre Andacht auch bis 1727 fort, da sie denn durch Unterstützungen verschiedener Wohlthäter, worunter Kohari, Palfy und mehr andere zu zählen sind, im Stande waren, eine eigene Kirche und Kloster zu erbauen.

Die dritte katholische Kirche ist demnach die Kapuzinerkirche ohnweit dem Obernthore nahe an den Stadtmauern. 1774 den 12 Jun. begiengen allhier die Inhaber derselben ihr feyerliches Jubelfest zum Andenken, daß sie vor 100 Jahren allhier ihren Wohnsitz erhielten.

4 ist die Kapelle auf dem Platz, der St. Salvatorskirche gegenüber in dem ehemaligen Jesuitenkollegio, wo dermahlen die Normalschulen gehalten werden. Es ist dieselbe ebenfalls von Evangelischen erbauet worden und wird das Kripplein Christi genennt. -

Seit 1783 halten auch die Evangelischen allhier wieder ihren freyen und öffentlichen Gottesdienst in einem neuerbauten Bethause, welches der Bauart und innern Einrichtung nach, vor vielen andern einen Vorzug hat. Es wird in demselben deutsch-böhmischer Gottesdienst gehalten, welchen zwey Prediger versehen.

Das Rathaus stehet auf dem Platz und hat die Überschrift: Et accedam ad vos in iudicio, et ero teftis velox maleficis et adulteris et qui calumniantur mercedem mercenarii, et humiliant viduas, et opprimunt peregrinum, nec timuerunt me, dicit Dominus exercituum. Außer dem jene Worte: Nec glorietur fortis in fortitudine &c. Es bestehet dieses Gebäude aus einem Stockwerk. Zu ebener Erde sind Kaufmannsgewölber und eine Apothecke.

Der Marktplatz ist mitten in der Stadt, und wird durch den Bach jedoch ungleich getheilt. Die Gassen sind breit und egal.

Es befinden sich allhier auch einige adeliche Kurien oder Freyhäuser. Hiezu gehören 1, das Maithanische bey der Trauben, wo Fremde einzukehren pflegen. 2, das General Bujanowskysche, ehedem Skaritzische, wo der evangelische Gottesdienst vor Erbauung des Bethauses eröfnet wurde. In dem Keller soll hier vor Zeiten ein heimliches Gericht gewesen seyn. 3, das Stupawskysche, welches aber die Stadt für 22000 fl. an sich gekauft. Die übrigen ansehnlichern Gebäude in der Stadt sind das Wernhartische, Redetzkischehaus, das Gemeinhaus, das ehemalige Jesuiterkollegium, das Wirtshaus zum goldenen Hirschen u. m. a.

Fast alle Häuser in der Stadt sind allhier mit Gärtchen versehen, und die Häuser auf den Vorstädten, welche von gemeiner Art erbauet sind, haben ihre Weingärten, welches die Hofweingärten genennet werden. Außerdem sind nahe an der Stadt die Mayerhöfe, Scheinen, Gärten, wo schönes Küchengewächse erzielet wird. Der Kunstgärtner Hauch legte allhier vor einigen Jahren eine Baumschule an.

Von Abend nach Norden zu befinden sich die Weinberge, und die Waldungen. Die Lage des Weingebirges ist schön und trägt guten Wein, dessen Grundgeschmack sich den Muskatweinen nahet, u. sich sehr lange halten läßt, besonders ist der Oedenwein berühmt. Es wird allhier auch Ausbruch gemacht, welcher süß und lieblich, jedoch nicht in solcher Menge wie zu St. Georgen. Ein Eimer wird zu 8: 10: bis 14 Dukaten verkauft, aber der Absatz dieses Produkts an Schlesien u. Pohlen ist nicht mehr so stark als ehedem.

In eben dieser Gegend des Weingebirges befindet sich auch das kalte Eisenbad, welches sowohl in Ansehung der Lage als seiner guten Wirkungen wegen merkwürdig ist. Es ist daßelbe schon seit etlich und dreyßig Jahren bekannt, aber erst seit einigen Jahren fängt es an in besondere Aufnahme zu kommen. Anfangs pflegte man das Wasser zur Heilung der Wechselfieber mit gutem Erfolge zu gebrauchen in dem man es trank. Bald fanden sich andere ein, die mit Lähmungen, Kreutz-Sand und andern Schmerzen behaftet waren. Der Brunn ist am Fuße eines Eisenhaltigen steilen Felses, ohngefehr zwey Klafter tief. Die Quelle ist mit einem herabhangenden großen Felsen bedekt, mehr als ein Arm dick. Das Wasser enthält nach dem Zeugniße des H. Doktor von Torkosch, welcher damit physikalisch - chemische Versuche gemacht in sich; 1, ein leichtes Wasser, wie das allerreinste Regenwasser. 2, eine Eisenerde. 3, unterirdisches Laugensalz. 4, eine bergkristallische und 5 eine selenitische oder frauenglasartige Erde. Von allen diesen mineralischen Bestandtheilen befinden sich in einem Pfund Wasser vie Gran. Von Schwefel soll nichts zu finden seyn. Man gebraucht es sowohl zum Trinken als Baden. Der Geschmack ist ein Mittelding zwischen dem ordentlichen Trinkwasser und Sauerbrunnen, und man bemerkt gleich im Trinken, daß es eisenhältig ist. Bey denen, die es in einer großen Menge trinken, färbt es die Zunge und den Stuhlgang schwarz. Die sich aber darinnen baden, bekommen gelbliche Wäsche, wie denn auch die Rinnen u. Gefäße gelb werden, wo das Wasser aufbewahret wird. Läßt man es etliche Tage stehen, so verliert es seinen Geschmack und präcipitirt sich in eine Ochra. Bey denen die es trinken, und sich merklich bewegen, äußert es sich gar bald durch Betrübung des Urins. So oft Ungewitter entstehet, oder anhaltende Nässe einfällt, verlieret das Wasser seine Klarheit, wird trübe, und der Geschmack stärker.

Das Badhaus ist 1777 auf Kosten des Pösinger Stadtmagistrats gleich bey der Quelle erbauet worden. Es sind in demselben im obern Stock Wohnungen für Badgäste, die sich aber selbst mit Bettgewand vesehen müssen, dann ein geräumiger Saal und eine Kapelle. In dem untern Stock sind die Badkammern mit Ziegeln gepflastert. Durch alle diese Kammern gehen zwey hölzerne Röhren mit Pipen versehen, in den Obern fließt das warme, und in den untern das kalte Wasser, so daß man sich das Bad nach Belieben selbst temperiren kann.. Hinter der Quelle sind abgesonderte hölzerne Kammern für die Juden.

Die Gegend gehört unstreitig unter die schönsten, und es scheint, als ob die Natur alles, was das Auge ergötzen kann, hier angebracht hätte. Das Haus stehet eben, wo sich die überaus schöne Pösinger Ebene, in einen zimlich tiefen und schattigten Thal verliert.

Gegen Osten führet nach Pösing zu, ein schöner mit Weiden und Lindenbäumen an beyden Seiten besetzter Weg, der eine Viertelstund währet. Zur linken sind die schönsten Weingärten, die sogenannten Oeden, zur rechten die schönsten Wiesen, Aecker und das Dorf Czaila. Südlich am Badhause befindet sich ein ungemein anmuthiger Eichenwald. Hart am Badhause fließt das sogenannte schwarze Wasser, welches ohnweit in dem nämlichen Thale aus den sogenannten neun Pfaffenlöchern, oder so vielen starken aus der Erde heraussprudelnden Quellen entspringt, und das gräflich Palfische Gebiet von den Stadtgebiethe scheidet. Es nähret derselbe schmackhafte Forellen.

Jenseits des Flußes sind die schönsten Fluren, und dann wieder Weingärten, an deren Fuße etlich hundert Schritte vom Bade die Sumberger Kirche nebst einem gräflich Palfischen neuerbauten Gasthofe und einer Walk- und Papiermühle. An Sonntagen finden sich bey dem Badhause viele Gäste aus den umliegenden Städten und Dörfern ein, die sich hier auf verschiedene Weise wohl zu unterhalten wissen.

Das vor einigen Jahren allhier eröfnete Bergwerk ist goldhaltig, und gibt auch Antimonium. Es hat bereits eine Ausbeute von 30000 fl. gegeben, und das Gold wird an Feinheit dem Arabischen gleich geschätzt. Herr von Enzler hat zu seiner Zeit einen Weg über den Berg machen lassen, um mit mehr Bequemlichkeit zu den Gewerken kommen zu können. Zugleich ließ er einen Teich anlegen, um dadurch die Maschinen beym Puchwerk in beständiger Bewegung zu erhalten.

Die Einwohner des Orts sind Deutsche und Schlowacken. Der Magistrat ist halb katholisch und halb der evangelischen Lehre zugethan. Im Jahre 1747 ist allhier auf dem Rathause ein Jubiläum gefeyert worden, weil die Stadt eben vor 100 Jahren ihre Freyheit erhalten hat. Es sind dabey zwey feyerliche Reden von zween Jünglingen, als von J. Ferdinand Häußler und einem anderen abgelegt worden. Unter den Magistratspersonen ist in der Geschichte der ehemalige Stadthauptmann Sebastian Rösch bekannt, welcher die Stadt wider die Türken männlich vertheidigte.

Die Einwohner nähren sich von Handwerken und vom Weinbau. Die Zahl derselben ist 3720 und ihre Kontribution 5682 fl. 58 1/2 kr. Die gewähnliche Abgabe des Weinzehends setz Bel in seinem Werke auf 280 Eimer an.

Das Wappen der Stadt stellet das St. Annenbild mit dem Jesuskinde vor.

Auf der hiesigen Ebene sind schon mehrmalen Kampemente gehalten worden, und in der Stadt hatte der Stab gewöhnlich sein Quartier.

Unter den hiesigen Stadtkindern hat sich 1, Joh. Kupetzky als Künstler einen großen Ruhm erworben. Er erblickte allhier 1667 das Licht der Welt, lernte bey Claus einem Mahler von Lucern, welcher eben in Wien arbeitete, die Mahlerkunst. Hierauf verfügte er sich na Italien, wo er sich kümmerlich fortbringen mußte. Ein Gemählde, welches er für den Arzt des kaiserl. Gesandten in Rom verfertigte, brachte ihn bey dem Prinzen Alexander Sobiesky in Bekanntschaft, der ihm seine Arbeit reichlich belohnte. Nach einem 22jährigen Aufenthalt in Italien kam er nach Wien, wo er die Porträte des kaiserlichen Hofes machte. 1716 wurde er ins Karlsbad beruffen, das Porträt Czar Peters de I. zu verfertigen. Er gieng hierauf nach Nürnberg, wo er, ohngeachtet vieler Beruffungen an kaiserlich und königl. Höfe, seine übrige Lebenszeit zubrachte, u. 1740 starb. Kupetzky war unstreitig einer der größten Porträtmahler seiner Zeit. In seinen Gemählden findet man die Stärke von Rubens; das zarte und geistige von Bandik, und das bezaubernde in Schatten und Licht von Rembrand.-

2, hat H. v. Rottenstein allhier in seinem Geburtsort einen Weingarten mit Reben aus Kandien, Griechenland, Burgund und von Monte Pulciano besetzen lassen, worunter sich bey warmen Sommern oft Trauben befinden, welche 7 bis 8 Pfund wägen. Eine Beere ist so groß, als ein Tauben-Ey, und besonders schmackhaft.-

Zu Anfang dieses Jahrhunderts brachte der aus Tyrnau Exulirte Prediger Mittuch seine Lebenszeit allhier zu. Man wolte ihn allhier Anfangs nicht dulden, er bequemte sich also das Bürgerrecht anzunehmen, und lehrte als Bürger die Stadtkinder im Lesen, Schreiben etc. man merket von ihm an, daß er eine Katze gehabt habe, die vorfrefflich abgerichtet war, ihm aus bekannten Häusern verschiedene Viktualien nach Hause zu bringen. Sein Porträt ist an verschiedenen Örtern in Kupfertich vorhanden.-

Gleich vor dem Obernthothore befindet sich das Schloß, welches mit jenem zu St. Georgen einerley Herrn und beynahe auch einerley Schiksal hatte. Unter der Graf Palfischen Herrschaft ist es erneuert worden. Es bestehet zum Theil aus zwey Stockwerken, hat zu ebener Erde Gewölber und Vorrathskammern, in der Höhe schöne Zimmer und unter der Erde tiefe Gefängniße. Der Brunn im Hofe hat vorzüglich gutes Wasser und ist fast unerschöpflich. Man hat angemerkt, daß vor mehreren Jahren nach Abgang von 5000 Eimern doch kein Mangel am Wasser sondern vielmehr Zuwachs verspüret wurde. Um das Schloß ist ein Fischreicher Teich mit einem Schanzgraben eingefaßt. An dem Schloße von Osten ließ schon Stephan Illeschhasy einen Schüttkasten anlegen, welcher aber wegen der Baufälligkeit von der Palfischen Herrschaft 1713 wieder erneuert wurde. Es befinden sich zum Beßten der Schloßbeamten und Einwohner auch verschiedene andere Gebäude als ein Wirtshaus, Fleischbank etc. besonders ist der herrschaftliche schöne, große und mit einer Mauer umgebene Garten mit Alleen, Fruchtbäumen, dann mit Forellen und Schildkrotenteichen versehen. Links am Bache ist gemeldtermaßen das Palfische Terrän.

Vor eben diesem Obernthore haben auch einige Judenfamilien ihre Wohnungen und eine Synagoge. Die Geschichte meldet und ein trauriges Andenken von diesem Geschlechte. Es ließen sich nämlich im Jahre 1529 einige Juden beygehen, einen neunjährigen Knaben Johann Meilinger, eines Wagners Sohn, heimlich abzufangen, demselben in einem Keller alle Adern zu öffnen, und ihn mit noch mehr Wunden erbärmlich ums Leben zu bringen.Das Blut wurde dabey nach aberglaubischem Gebrauche in eine Schale aufgesamlet, und so dann der Körper in ein Gebüsch hingeschaft. Durch die plötzliche Vermißung des Knabens wurde überall nachgeforscht und gesucht, auch der Körper in dem Gebüsche mit entblößtem Haupte und rückwärts zusammen geknüpften Händen bald entdekt. Diese gräuliche That soll selbst durch Juden verrathen worden seyn, da denn schuldig und unschuldig eingefangen, und gegen 30 Seelen männlichen u. weiblichen Geschlechts auf den Richtplatz gebracht und verbrannt wurden. Man sagt: der Hügel vor dem Unternthore auf den Stadtwiesen hieße von dieser Hinrichtung, noch heutigen Tages das Judenbergel. Die Kinder, so unter 10 Jahren waren, blieben verschont, und wurden in der christlichen Religion erzogen.-

Sonst merket man noch von Pösing die Salitersiederey; die Maulbeerplantagen; die Spaziergänge auf den Wällen um die Stadt; die Gastfreyheit der Einwohner; die Pensionirten Officiers u. andere so hier wohnen, die großen Wochenmärkte, welches alles den Ort angenehm, lebhaft u. gesellschaftlich macht.

Katholische Kirche, Evangelische Kirche, Judensynagoge, Weinbau, Bad, Getraid- und Sägmühlen, Papier-, Stampf- und Pulvermühlen.