Nachfolgend veröffentliche ich die mir vorliegende Kopie einer Ortschronik der Gemeinde Grünau, herausgegeben im Jahre 1965 vom Pfarrer Dr. Fröhlich. Die im Text vorkommenden Namen habe ich farblich abgesetzt. Das Original ist mit zahlreichen Fotos von Personen und Gebäuden illustriert, die ich leider in keiner ausreichenden Qualität in diese Abschrift hätte einfügen könne. Wer ähnliche Fotos in seiner privaten Sammlung besitzt, den bitte ich, mir diese leihweise mit den dazugehörenden Erläuterungen zuzuschicken.

 

Norbert Gschweng, Greifswald im Januar 2001

 

 

Vorwort

 

Der alljährliche gedruckt erschienene Jahresbericht war ein äußeres Band, das die Glieder der Gemeinde zusammenhielt und darüber hinaus Ausgewanderte über die Belange der Heimatgemeinde informierte. Nun sind die Glieder der einstigen Kirchengemeinde Grünau in alle Welt zerstreut. Die Alten sterben langsam aus, bei den Jüngeren verblaßt das Bild der alten Heimat, und die, die schon in der Zerstreuung geboren sind, wissen nichts mehr von dem Lande der Väter. Mit dieser kurzen Geschichte Grünaus möchte ich die Grünauer an die alte Heimat — an die Heimat der Väter — erinnern und sie gleichsam als Zusammengehörige verbinden. Die in dieser Geschichte vorhandenen vielen Namen wollen sie direkt ansprechen und einen Kontakt der Zusammengehörigkeit erwecken. Darüher hinaus möge sie der Glaube der Väter, wo immer sie auch zerstreut sind, wach halten in der Nachfolge Jesu Christi!

 

Mit diesem Wunsche gebe ich diese bescheidene Geschichte Grünaus aus und grüße alle lieben Grünauer in der Verbundenheit des Herrn als euer

 

Pfarrer Dr. Fröhlich

 

 

Neuhütten/Württ., im Advent 1965

 

 

Allgemeines über Grünau

 

 

Nördlich der Donau, am Südhang der Kleinen Karpaten, entstand in der Nähe von Preßburg zwischen den beiden Städten St. Georgcn und Bösing auf "grünen Auen" vor etwa sieben- bis achthundert Jahren die spätere Marktgcmeinde Grünau, slowakisch Grinava, ungarisch Grinád, jetzt Myslenice genannt, deren deutsche Ureinwohner sich mit Berg- und Weinbau beschäftigten. Später aber, als der Bergbau nicht mehr lohnend war, wandten sie sich ausschließlich der Landwirtschaft und der Weinkultur zu. Die slowakischen Einwohner von der Umgebung hatten sich erst in den späteren Jahren dort angesiedelt. Dadurch ist die Einwohnerschaft Grünaus zweisprachig geworden, doch lebten bis zur Aussiedlung die sechshundert evangelischen Deutschen mit den siebenhundert katholischen Slowaken trotz konfessioneller und nationaler Unterschiede stets in Frieden und Eintracht zusammen. Das Eigenartige war nur, daß sowohl in Grünau, als auch in anderen Gemeinden der Slowakei die Deutschen im allgemeinen auch die slowakische Sprache beherrschten, dagegen die Slowaken die deutsche Sprache vielfach verstanden, aber sehr selten sprachen. In Grünau hatten beide Teile ihre eigene Kirche und Schule: Die Evangelischen ihre deutsche und die Katholiken ihre slowakische konfessionelle Schule. Galt es für Kirche oder Schule einen Beitrag oder Unterstützung von Seiten der bürgerlichen Gemcinde zu erlangen, so wurden beide Teile gleichmäßig bedacht. Das gute Einvernehmen zwischen den Deutschen und Slowaken zeigt die alte Gepflogenheit, daß das Richteramt, Bürgermeister, im Wechsel besetzt wurde. Auf einen Slowaken folgte ein Deutscher; war der Richter ein Slowake, so war sein Stellvertreter ein Deutscher und umgekehrt. Diese Sitte wurde auch damals nicht unterbrochen, als hei den späteren Parteiwahlen die Deutsche Partei in Grünau die stärkste wurde und sie somit laut Gesetz Anspruch auf die Richterstelle hatte. Das Amt wurde dennoch einem Slowaken übcrgeben, da vorher ein Deutscher der Richter gewesen war. Als die Evangelischen im Jahre 1926 eine neue Kirche bauten, haben auch Katholiken geholfen. Zur selbstverständlichen Gegenleistung ist es nicht gekommen, aber beim Konvent wurde der Beschluß gefaßt: Allen Andersgläubigen, die uns beim Kirchenhau geholfen, sollen unsere Glocken mitläuten, wenn einer von ihnen beerdigt wird. Das wurde gehalten, auch noch in dem einen Falle, als das Familienhaupt der einzigen jüdischen Familie beerdigt wurde. Wenn auch die Slowaken zahlenmäßig stärker waren, wirtschaftlich standen sich die Deutschen besser, dadurch war ein Ausgleich vorhanden.

Die Hauptbeschäftigung der Einwohner war der Weinbau. Grünau hatte einen Wein von gutem Ruf. Die Weinstube der Buncsák-Mühle war in der ganzen Umgebung bekannt. Unsere Weine waren reine Naturweine, aromatisch und bukettreich, darum beliebt und gesucht. Allgemein wurden nur Weißweine verkauft, der Rotwein wurde zumeist als Haustrunk verbraucht. Die ausschlaggebenden Sorten waren: Grünsilvaner, Riesling, Muskateller und auch Traminer in geringen Mengen. Mit dem Absatz der Weine gab es keine Schwierigkeiten, denn wir hatten ständige Abnehmer aus Preßburg, der Mittelslowakei, Mähren und Böhmen.

Ackerland hatte Grünau wenig, darum gingen unsere Weingärtner zur Zeit der Ernte in die naheliegende Fruchtkammer, in die sogenannte Kleine Ungarische Ebene, in die Schütt, und haben dort für den Schnitt-Teil gearbeitet. Der 29.Juni, der Peter-und-Paul-Tag, war in der Regel der Stichtag zum Abmarsch in die Ernte. Da kamen die ‘Wagen aus der Schütt, um die Schnitter und Schnitterinnen zu holen, die nun mit festem Mut und frohem Gesang hinauszogen in die nicht leichte Arbeit, die von Morgengrauen bis spät in die Nacht andauerte. In der zwei bis vier Wochen dauernden Erntezeit erzielten sie, je nachdem wie die Ernte ausfiel, fünf bis zehn Doppel-Zentner Frucht pro Person. Dies war ein reicher Lohn, denn er gab Brot genug fürs ganze Jahr.

Unsere Leute liebten ihre Heimat, sie opferten gerne für ihre Kirche und Schule und haben beide aus eigenen Kräften gebaut und erhalten. Die Kirchensteuer entrichteten sie in Weinmost und brachten immer mehr, als vorgeschrieben war, mit der einfachen und einfältigen Begründung: Es ist ja für unsere Kirche! Ja, selbst die Besoldung des Pfarrers geschah in Naturalien. So bekam der Pfarrer in Grünau an Gehalt von jedem Ehepaar 7 Liter Weinmost und 6 kg Frucht; Witwer und Witwen zahlten die Hälfte. Es muß der Wahrheit zur Ehre gesagt werden: Im Geben waren sie bei jeder Gelegenheit weder geizig noch engherzig; sie gaben und brachten von dem, was sie hatten, stets das Beste!

 

   

 

Die Reformation im Lande

   

Die Reformation und die Gegenreformation waren für die Geschichte Grünaus ausschlaggebend und gestaltend. Luthers Lehre hatte sich auch in Ungarn, dem damaligen Vaterlande, wie ein Lauffeuer verbreitet. Der kath. Klerus und die Könige hatten nichts eiligeres zu tun, als ungemein strenge Gesetze zu erlassen: „Die Lutheraner sollen verbrannt, die Kalviner des Landes verwiesen werden“ so lautete ein Gesetz, das der kath. Übereifer verfassen ließ. Es war jedoch zu spät, denn die Mehrzahl der Bevölkerung und der Adeligen, der Grundherren, war der evangelischen Lehre zugetan. Auf dem ungarischen Throne saß damals Rudolf II. (1576—1608), der Jesuitenzögling, der mit seinem Feldherrn Básta und Begiojoso alle Ketzerei in Ungarn vernichten wollte. Da erhob sich der reformierte Fürst von Siebenbürgen, Stefan Bocskay. Ihm schloß sich fast die ganze evangelisch gesinnte Bevölkerung Siebenbürgens und Ungarns an, um mit Schwert und Waffen die evangelische Glaubens- und Gcwissensfreiheit zu verteidigen. Bei Almosd war die entscheidende Schlacht. Bocskay und sein Heer siegten, den Grausamkeiten Belgiojosos wurde ein Ende bereitet, und durch die Vermittlung des Erzherzogs Matthias wurde der „Wiener Friede“ am 23. Juni 16o6 geschlossen, der den Protestanten freie Religionsausübung gewährte. Zwei Jahre später wurde der Wiener Friede durch den Landtag in Preßburg zum Landesgesetz erhoben. Er bildete die Rechtsgrundlage bei allen späteren Verhandlungen und Religions-Gesetzen.

 

   

 

Die Reformation in Griinau  

 

Nun wollen wir uns der kirchengeschichtlichen Vergangenheit Grünaus zuwendcn. Der Protestantismus dürfte seinen Siegeszug in Grünau nach dem Wiener Frieden 16o6 gehalten haben, als viele aus den österreichischen Erbländern herzogen, wo sie wegen ihres Glaubens verfolgt waren, um in Ungarn mehr Schutz und Sicherheit zu finden. Es kamen unter anderen Johann Schmidt mit seiner Gattin Elisabeth Dorn und die Familie Steingruber. Durch Familienbesuche und Hausandachten entstand eine ansehnliche Schar

von gläubigen evang. Christen in Grünau. So ist es zu erklären, daß das Kirchlein, das sich jetzt in den Händen der rom. kath. Bewohner befindet, im Jahre 16o8 gemeinsam mit der Grundherrschaft, den Grafen Fugger, erbaut bzw. erweitert wurde und die Evangelischen Johannes Wildericius zu ihrem Seelsorger beriefen. Daß Grünau zu den ältesten evang. Kirchengemeinden des Preßburger Contuberniums (Seniorates) gezählt werden kann, geht aus dem Umstand hervor, daß die Gemeinde schon im Jahre 1613 durch den ersten evang. Superintendcnten, dem Probst Isaak Ahrahamides Hrochotius aus Bojnice - Bajmocz (1610 bis 1620) kanonisch visitiert wurde. Damals wurde das Inventar über das Kirchenvermögen: die heiligen Gefäße, Bargeld, Weingärten, wie auch ein Verzeichnis über das Einkommen des Pfarrers und des Lehrers verfaßt. In dem Protokoll heißt es:

1613 Kirchenvisitation durch den Sup. u. bajmoczer Probst Isaak Abraham Hrochotius

Eine ansehnliche Monstranz silbern, über güldet, Crux argentea, oder das Pacem.

Zwei silberne Kelch und Patenen, übergüldet, Ein Chorrock.

Es ist bei fünfhundert Floren Khürchengeld vorhanden zwischen der Nachbarschaft auf Zinsen aus geliehen.

260 Eimer Wein. (Die Verantwortung über dieses Kirchengut tragen die Kirchenväter.)

Es sind 7 Stück Wein gärten vorhanden, und zwar:

a)     a) Der große Kirchenweingarten, neben dem Weingarten, so Herr Pfarrer genüßt, gelegen.

b)     b) Der Wesserer, unterhalb des gedachten Weingarten, so Herr Pfarrer genüsset.

c)     c) Der Heidler, neben Eichengerischen Erben Weingarten, gelegen.

d)     d) Hosennestl, neben dem Balthasar Petenada von St. Georgen, gelegen.

e)     e) Das Neu Bergl im Georgengebirge gelegen, neben den Niklos Deaki.

1)    f)  Drächsler, im grunauergebürge, neben dem Matthias Winzer von St. Georgen, liegend.

g)     g) Der Bauer neben dem Girg Hilbertus von St. Georgen gelegen.

Auff den Weingartenbau ein Jahr zu dem andern gerechnet, geht jährlich auf circiter fl. 350.

Proventus pastoris.

Hat Paar geld 65 fl.

Der Neugewählte (1612) Herr Johannes Wildericius hat 70 fl.

Zwei Weingärten, dieselben bebauen die Kirchenväter.

Eine Wiese Zwei Gärten.

Drei generalia offertoria, bringt circiter 6o denar.

Proventus rectoris.

Hat Paargeld f. 26.

Unicam urnam vini et vindemiam.

 

Aber nicht lange währte die Freude der Evangelischen über ihr geordnetes kirchliches Leben und Kirchenvermögen. Schon im Jahre 1617 wurden sie sehr erschreckt durch die gewaltsame Wegnahme der evang. Kirchen zu Bösing und St. Georgen. Der Bösing - St. Georgner Pá1ffy-sche Schloßhauptmann Leopold Beck und sein Mitgehülf Lukas Ecker ließen die Kirchen mit Leitern ersteigen, erstürmen und erbrechen. Dagegen führte die Bürgerschaft beim König Matthias II. (1608—1618) Beschwerde, jedoch erfolglos. Die Grundherrschaft der Grafen Fugger bot den Grünauern noch einige Jahre Schutz gegen die Gewalttaten. Von der Regierung des Königs Ferdinand II. (1618—1637) erhofften sich die Evangelischen Ungarns blutwenig, zumal dieser nach der Schlacht am Weißen Berge, am 8. November 1620 die Gegenreformation in Böhmcn restlos durchgeführt hatte. Im Karpatenraum hatte dies der Fürst von Siebenbürgen, Gabriel Bethlen verhindert. Seine Heere kamen bis nach Preßburg und erzwangen den Nikolsburger Frieden 1621. In dieser Zeit lebte Peter Pázmany, der ursprünglich Kalviner war, später von Stufe zu Stufe stieg und Erzbischof zu Gran wurde. Durch seine Schriften und Büchcr machte er viele ungarische Magnaten und Grundherren dem Evangelium abwendig und sogar zu Feinden der evang. Kirche. Man handelte nach dem Grundsatz: Cuius regio, eius religio - ‘Wessen das Land, desscn die Religion! Der zur römischen Kirche zurückgekehrte Adel vertrieb von seinen Besitzungen die evang. Pfarrer, nahm ihnen Kirchen und Schulen weg und zwang seine Untertanen in den Schoß der Kirche Roms zurück. So hat z. B. in der Neutraer Gegend Graf Franz Nádasdy allein 40 000 Evangelische rekatholisiert. Der große Protestantenfeind Ferdinand II. soll entgegen seinem abgelegtcn Eid das traurige Bekenntnis getan haben: „Mein Mund hat wohl den Protestanten, aber mein Herz hat den Katholiken geschworen. Ich will lieber ein verwüstetes, als ein verdammtes Königreich haben.“ Ferdinand II. starb 1637 und bald nach ihm auch Peter Pázmany. Die Lage der Protestanten blieb unverändert auch unter Ferdinand III. (1637 bis 1657). Gleich hei seinem Regierungsantritt kam die Kirche in Grünau in den Besitz der Katholischen. Sie wurde von den beiden bereits erwähnten Pálffyschen Schloßhauptleuten Beck und Ecker gewaltsam weggenommen. Die Traurigkeit der mittlerweile altgewordenen Kirchenväter Schmidt und Steingruber war groß. Ihr geliebter Hirte J. Wildericius wurde des Landes verwiesen. Auch der Lehrer, dessen Name uns unbekannt ist, mußte Grünau verlassen. Wo sie später wirkten und starben, ist uns unbekannt. Die so verwaisten Grünauer hielten ihre Zusammenkünfte und Andachten im Walde; einmal bei den Pfenning-Lacken, ein anderes Mal im Krebsenbachtal, an den Hohen-Festtagen bei der sog. „Trockenen Maut“. Dabei haben sie die Kirchenlieder nicht gesungen, nur vorgelesen; der alte Schmidt hat ein Schriftwort kurz erklärt und gebetet. Viele gingen, um am Lehen, Hab und Gut nicht gefährdet zu werden, auch in die Kath. Messe. Gegen Ende des 3ojahrigen Krieges erhob sich abermals ein Fürst von Siebenbürgen, Georg Rákoczy, der bereits im Bunde mit den Schweden stand, und erzwang vom Ferdinand III. den sog. Linzer Frieden (16. Dezember 1645). Das Besondere war an diesem Friedensschluß, daß er die Religionsfreiheit nicht nur den Ständen und Städten, sondern auch den Bauern zugesichert hat. Und so bekamen die Evangelischen Grünaus nach acht Jahren ihr Kirchlein samt einem Teile des früher gehabten Kirchenvermögens zurück. Nun sammelten die evang. Bewohner Grünaus, die sich rasch vermehrten, einen Fond, um die Kirche mit einem Turme zu versehen. J. Schmidt und F. Steingruber erlebten die Freude der Turm- und Glockenweihe nicht mehr. Sie starben im Jahre 1648; der erstere im Frühjahr, der andere im Winter. Sie wurden in jenem Friedhof begraben, der dort im späteren Notariatsgarten in der unmittelbaren Nähe der jetzigen Bahnstation angelegt war. Kirchenväter wurden Samuel Dorn und Ludwig Fischer. Im Jahre 1649 wurde der Turm mit zwei Glocken geweiht. Pfarrer war zu dieser Zeit für Grünau und Limbach Christian Müller. Grünau verblieb im Verbande mit Limbach auch noch, nachdem sie beim Regierungsantritt des größten Protestantenvertolgers Leopold I.:(1657—17o5) Kirche und Schule samt dem übrigcn Kirchenvermögen verlorcn hatte, bis zum Jahre 1674, das ist bis zur Wegnahme der dortigen Kirche. Die allgemeine Unzufriedenheit unter Leopold I. führtc zur sog. Wesselényischen Verschwörung. Obzwar die Führer der Verschwörung kath. Adelige waren, wurden in Preßburg „Außerordentliche Gerichte“ eingesetzt. Zuerst wurde im Jahre 1673 gegen 32 lutherische und reformierte Pfarrer Anklage wegen Majestätsbeleidigung und Zusammenarbeit mit den Aufständischen erhoben. Im folgenden Jahr wurden 730 Pfarrer und Lehrer mit der gleichen Anklage vors Gericht geladen, 346 sind erschienen. Man drohte ihnen mit dem Tode, falls sie nicht den vorgelegten Revers unterschrieben: Rückkehr in die kath. Kirche, oder ihr Amt niederlegen, oder aber Auswanderung. Sie beteuerten ihre Unschuld, daraufhin wurden sie zum Tode verrurteilt und in die Gefängnisse geworfen. Zermürbt an Leib und Seele unterschrieben die meisten den Revers: die älteren von ihnen legten ihr Amt nieder, die jüngeren wählten die Auswanderung. Die Pfarrer Melchior Huber und Paul Galli aus St. Georgcn, Christoph Löhner aus Bösing und Stefan Pilárik aus Modern entschieden sich für die Auswanderung. Nur ein einziger hat seinen evang. Glauben verleugnet, er hieß Suchajda; seinen Namen wandelte man später in „Ach judas“ um. Doch 91 Pfarrer und Lehrer wollten den vorgelegten Revers nicht unterschreiben, diese wurden zu schweren Festungsstrafen verurteilt. Von ihnen hat man 41 in Ketten gefesselt, zu Fuß über ‘Wien nach Triest getrieben, wo nur 30 angelangt sind. Einigen gelang die Flucht, andere sind unterwegs gestorben. Die 30 aber wurden in Neapel für je50 Gulden als Sklaven an die Galeeren verkauft, wo sie mit Verbrechern an die Ruderbänke gekettet die Ruder ziehen mußten. Der holländische Admiral Michael Ruyter hat sie nach einjähriger Leidenszeit befreit. Andere 20 Pfarrer wurden an die Adria nach Buccari verschleppt, von ‚denen nur 5 ihre Befreiung erlebten. Nahezu 900 Kirchen und Schulen wurden den Evangelischen genommen. Der Kardinal Kollonits befahl: „Die ketzerischen Prediger recht zu quälen und die prot. Bevölkerung erst an den Bettelstab zu bringen und dann katholisch zu ma­chen.“

Die Türken bedrohten das Land, die allgemeine Unzufriedenheit nahm zu. da griff der 21jahrige Käsmarker Graf Emerich Thököly (1678) zu den Waffen. Leopold I. sah sich genötigt, einen Landag nach Ödenburg (1681) einzuberufen, den Wiener Frieden zu bestätigen, die Rückkeh der verbannten Prediger zu gestatten und in jedem Komitat zwei sog. Artikularkirchen zu belassen. Im Preßburger Komitat waren es die Friedhofskirche in Modern und die Kirche in Pustý Fedýmes. Auf großen Umwegen besuchten unsere Grünauer diese Kirchen. Die üblichen Abgaben mußten sie dem kath. Pfarrer leisten, durften jedoch nicht ihre Kinder zur Taufe in die Artikular-Kirche tragen; auch durfte der Artikular-Geistliche nicht nach Grünau kommen, um dort Trost zu spenden und die Toten zu begraben. Nur bei mondheller Nacht oder in den frühen Morgenstunden versammelten sich die Wenigen bei der Waldandacht und an den Gräbern ihrer Verstorbenen und getrösteten sich Dessen, der die Auferstehung und das Leben ist. Ja, sie freuten sich des prophetischen Wortes und achteten darauf, als auf ein Licht, das da scheint in einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in ihren Herzen. (2. Petrus I, 19.)

Nach der Türkenvertreibung 1683 bei Wien, war Leopold wieder der unumschränkte Herrscher im Lande. Wie es in dieser Zeit zuging, zeigt das Blutgericht zu Eperjes unter dem General Karaffa, wo vier unschuldige evangelische Bürger der Stadt nach den Methoden der spanischen Inquisition gefoltert und am 5. März 1687 öffentlich hingerichtet wurden. Erst hieb man ihnen den rechten Arm, dann den Kopf ab; die Leichname wurden gevierteilt und an den Stadttoren als abschreckendes Beispiel angebracht und die Köpfe an den Galgen aufgehangen. Noch einmal kam es zum Kampf gegen die Habsburger: Franz Rákoczy II. von Siebenbürgen griff zu den Waffen.

Am 17. März 1706 wurden den Evangelischen Grünaus im Sinne des Szécsényer Landtages die Kirche, Schule und die Weingärten durch die Kommissare des Fürsten Franz Rákoczy II. durch Stefan Nowotha, Nikolaus Gosztony und Stefan Losonczy übergeben. Den Katholischen aber als Bauplatz für Kirche, Pfarrhaus, Schule und Lehrerwohnung in der Nähe des Grünfelder-Maierhofes mehrere Joch Hutweide angewiesen. (Das Original dieser Verordnung ist im kath. Pfarrarchiv vorhanden.)

Die Evangelischen erhielten am obigen Tage den Kirchenschlüssel, denselben übernahm der Kirchenvater Johann Schmidt, ein Nachfolger des bereits erwähnten Kurators, der schon im vorgeschrittenen Alter war. Gott verlieh ihm die Gnade, daß er vor der letzten Wegnahme des evang. Gotteshauses entschlief.

Vom Jahre 1706 bis1711 wirkte als Seelsorger in Grünau Joachim Kneppel mit viel Segen. Damals gehörte Limbach zu Grünau als Tochtergemeinde. Zu jener Zeit hielt Daniel Krman die zweite kanonische Visitation in Grünau. Im Jahre 1711 wurde die Kirche samt Allem, was dazu gehörte, zum dritten- und letztenmale gewaltsam weggenommen.

Über Kneppel finden wir in der Geschichte der Preßburger Kirchengemeinde folgendes: Kneppel Joachim Mag. war bis 1674 und dann wieder von 1706 bis 1711 Pfarrer in Grünau. Von dort vertrieben lebte er als Privatmann in Preßburg und heiratete hier als Witwer am 22. November 1712 die Tochter Maria Elisabeth des Lehrers Franz Stephanides. Als 1713 die Pest ausbrach, wurde Kneppel von der Gemeinde Preßburg als Pestilenz-Prediger berufen. Die Seuche raffte ihn noch in demselben Jahre dahin.

 

Vom Jahre 1711 bis 1783, also durch 72 Jahre hatten die Evangelischen Grünaus weder Kirche noch Schule, weder Pfarrer noch Lehrer, und die kleine, vielgeprüfte Herde Jesu Christi war wieder nur auf die Wald- und Hausandachten angewiesen.

 

Eine entscheidende Wendung brachte das Toleranzedikt Josephs II. am 5. Oktober 1781, denn es machte der fast 200jährigcn Verfolgungszeit der Protestanten ein Ende. Wo wenigstens 100 evang. Familien oder 500 Seelen in einer Gemeinde wohnten und wirtschaftlich genügend stark waren, durften sie Kirche und Schule bauen, Pfarrer und Lehrer berufen. Die Kirche mußte aber ohne Turm und Glocken sein. Eine solche Kirche entstand in St. Georgen im Jahre 1783 - ein Vermächtnis der Familie v. Szegner. Die Grünauer hatten im Jahre 1783 am östlichen Dorfeingang das Eckhaus für eine Schule und Lehrerwohnung gekauft und eingerichtet. An dieser Schule wirkten von 1783 bis 1874 folgende Lehrer: Fábry, Förster, Batka, Szabo, Járosch, Lackner, Florian, Járosch zum zweitenmale und Conrad Jurscó. Während dieser Zeit gehörte Grünau durch 92 Jahre als Tochtergemeinde zu Bösing.

Am 9. Februar 1872 wurde das Presbyterium neugewählt: Die Kirchenväter: Georg Prechtl und Johann Simonovits; Schulväter: Samuel Ruttmar und Paul Buncsák. Die Presbyter: Michael Prechtl, Andreas Osswald jun.. Andreas Hrcko, Karl PolIak, Andreas Kreutz, Andreas Ruttmar, Michael Follrich,

Johann Wittich, Samuel Prechtl, Samuel Sewela und Paul Steberl. Die alte Schule wurde um 750 Fl. ö. W. verkauft. Nun kam ein Bitten und Handeln, denn der kath. Graf Pálffy war den Evangelischen nicht sehr freundlich gesinnt, doch gab er schließlich nach, indem er den Verkaufpreis von sechs auf achttausend Gulden gesteigert hatte, und verkaufte sein sogenanntes „Schlössel“ den Evangelischen. Dieses Haus wurde etwa um 1845 erbaut und gehörte vorher dem Freiherrn Huy.

 

   

 

Grünau wird selbständige Muttergemeinde

   

Im Januar 1874 wurde Gustav Adolf Csernák nach Grünau berufen, geboren am 16. 8. 1842 zu Lubina als Sohn des Lehrers Thomas Csernák. Nachdem die Filialgemeinde Grünau bei dem am 2. September 1875 in Bösing abgehaltenen Senioratskonvente dem deutschen Pfarrer Matthias Dorner 300 FI. und dem slowakischen Pfarrer Johann Mockovcák 100 Fl. als Ablöse zugesagt hatte, stimmte dieser Sen.-Konvent der Selbständigkeit zu, und der in Tyrnau abgehaltene Distriktual-Konvent sprach am 16. September 1875 die Selbständigkeit Grünaus als Muttergemeinde aus. Am 17. Oktober wurde G. A. Csernák zum ersten Pfarrer eingeführt und den 24. Oktober 1875 am 22. Sonntag n. Trinitatis hat Superintendent Dr. Ludwig Geduly im Beisein von sieben Geistlichen das Gotteshaus eingeweiht. Es war bescheiden und klein, es war aus drei Gassenzimmern durch die “Wegnahme der zwei Mittelwände errichtet worden. Dennoch durfte die Gemeinde mit Jakob bekennen und jubeln: „Hier ist nichts anderes denn Gottes Haus und hier ist die Pforte des Himmels!“

Am 9. Juli 1877 hat der Superintendent Dr. Ludwig Geduly die dritte kanonische Visitation in Grünau gehalten. In dem ausführlichen Protokoll wurde der Wunsch ausgesprochen, die Namen derjenigen zum Andenken der Nachkommen einzuschalten, die sich um die Gemeinde besonders verdient gemacht haben. Diese sind: Samuel RuttmarGottlieb Gschweng, Karl Pollak und Johann Simonowits.

 

Zur Ausstattung des Gotteshauses spendeten:

 

i‘.    1. Paul Buncsák zur Anfertigung des Altars 400 Fl.

        2. Andreas Osswald sen. und jun. sowie Karl Pollak bezahlten den Taufstein.

        3. Samuel Ruttmar den kleinen stark vergoldeten Kelch samt Patene.

        4. Paul Steberl mit Matthias Prechtl den größeren silbernen Kelch samt Patene.

        5. Georg Prechtl die großen silbernen Altarleuchten.

        6. Andreas Ruttmar das Altarkreuz mit silbernen Christus.

        7. Gottlieb Gschweng sen. und Gottlieb Schmidt die zwei Lustern aus Messing.

        8. Marie Gruber geb. Slany die schwarze Altar- und Kanzeldecke.

        9. Sophie Sewela geb. Osswald und Elisabeth Draxler geb. Reichbauer die rote Altar- und   

            Kanzeldecke.

        10. Elisabeth Prechtl geb. Fürst zwei, Kath. Osswald geb. Prechtl das dritte Chorhemd (Alba).

        11. Theresie Osswald geb. Slany mit Rosine Pollak geb. Steberl den Altarteppich.

        12. Johann Simonovits das deutsche und slowakische Gesangbuch für den Geistlichen.

        13. Johann Reichbauer die Altarbibel.

        14. Samuel Brandtner das Doppelt-Kreuz am Gotteshause.

        15. Paul Schay den Klingelbeutel und den Altarschemel.

        16. Samuel Hedecker und Jobann Slany 2 Stück zinnerne Weinkannen.

        17. Samuel Wittich zur Herstellung des Altars 50 Fl. Rosine Macher geb. Dax aus Preßburg 10 Fl.

        18. NN. 2 Seidentücher zur Bedeckung der heiligen Gefäße.

        19. NN. ein Opferbecken.  

Bei der Umgestaltung des Hauses wurden Gratisleistungen getan. Zur Tilgung der Schulden wurde auf die Gemeindeglieder eine Pflichtabgabe von 7005 Fl. ausgeworfen. 3270 Fl. sind eingeflossen. Trotzdem mußten noch 4000 Gulden Bankschulden aufgenommen und dabei acht treuen Mitbürgern ihr Vermögen mit der ganzen Schuld belastet werden. 17 Jahre lang dauerte die Abtragung dieser Last. Es ist recht und billig, wenn wir auch deren Namen hier aufzeichnen. Es waren: Georg Prechtl, Johann Prechtl, Lorenz Köplingcr, Michael Holleitner, Gottlieb Gschweng, Samuel Ruttmar, Samuel Brandtner und Johann Wittich.

 

Eine Orgel besitzt die Kirche seit 1884, die am Kirchweihfeste, dem 9. November, zum gottesdienstlichen Gebrauche übergeben wurde. Diese Orgel stammt aus Preßburg; der Orgelbauer Josef Effinger hat sie gebaut oder umgebaut. Sie kam 1783 nach St. Georgen und diente dort bereits 101 Jahre lang und wurde um 8o Gulden für Grünau gekauft. Vinzenz Mozsny aus Preßburg reparierte und erneuerte sie um 200 Gulden und stellte sie in Grünau auf. Im Laufe der Jahre hat sie Vinzenz Draxler aus Bösing oft repariert und 1926 in die neue Kirche eingebaut. Die alten Holzpfeifen dieser Orgel mußten oft geleimt und geklebt werden, dafür aber waren die Metall-Pfeifen von ausgezeichneter Qualität und so wohltuenden Tönen, daß wir sie für die geplante neue Orgel zu verwenden gedachten.

Pfarrer Gustav Adolf Csernák wirkte in Grünau als Pfarrer und Lehrer zugleich mit viel Eifer, Treue und Geduld 17 Jahre lang. Er verstarb plötzlich im Alter von nur 49 Jahren am 29. April 1891 und wurde in Grünau beerdigt.

 

Am 6. September 1891 wurde Alfred Krahulecz zum Pfarrer gewählt, geboren in Modern am 10. November 1861; mit zehn Jahren verlor er den Vater, besuchte die Volks- und vier Klassen Bürgerschule in Modern, das Lyceum und die Theologie in Preßburg und war ein Jahr in Göttingen. Als Hilfsprediger war er in Nem. Grob, Süvete in Gömör und in Modern. Das Wirken des körperlich kränklichen Pfarrers war in den schweren Jahren doch reich gesegnet. Er war ein frommer Mann, der mit viel Liebe und Geduld sein Leiden und die Not der Gemeinde mit betendem Herzen vor Gott getragen hat. Im ersten Jahre seines Wirkens in Grünau hat er auch den Schulunterricht erteilt; nachher wurden selbständige, ordentliche Lehrer an die Schule gewählt. In Ermangelung einer Lehrerwohnung wechselten die Lehrer fast jährlich; diese wurde im Jahre 1897 mit großen Opfern erbaut. Zum Gedenken an das l5jährige Selbstbestehen als Muttergemeinde wurde am 13. 1. 1901 der Glockenfond angelegt. Die ersten Spender hierfür waren Pfarrer Krahulecz selbst mit 1 K., sodann die Presbyter: Paul Tenk 2 K., Paul Wittich 2 K., Wilhelm Osswald 4 K., der Kirchenvater Johann Wittich 5 K. und der Schulkassier Johann Holleitner 3 K., zusammen 26 K. Diesen so bescheidenen Anfang hat der HERR reichlich gesegnet. Nach weiteren 25 Jahren ist daraus eine neue Kirche mit Turm und Glocken entstanden!

Im Jahre 1902, am 22.-24. Mai fand durch Bischof Dr. Friedrich Baltik die vierte kanonische Visitation statt. Auf Grund des Visitations-Protokolls konnten wir so manches aus der Vergangenheit Grünaus ermitteln. 1903 ist die Schule abgebrannt. Der Schaden wurde durch die Versicherung nur zum Teil gedeckt. Zufolge der Reblaus, der Phyloxera, die sich rasch ausbreitete, gingen die Weingärten ein; diese mußten auf sogenannten amerikanischen Unterlagen neu angelegt werden. Viele Weingärtner waren gezwungen, das tägliche Brot als Handlanger und Hilfsarbeiter auswärts zu suchen, einige sogar in Amerika. Allein 1903 sind 38 Seelen ausgewandert, bis 1913 stieg die Zahl auf 75, die über den Ozean zogen. Die meisten kamen zwar zurück, aber viele verblichen in der Neuen Welt.

1912 habcn 6 Jungfrauen, nämlich Rosa Kraitz, Justine Prechtl, Marie Follrich, Vali Reichbauer, Rosa Gruber und Marie Reichbauer eine creme-farbige, mit blauer Fütterung versehene Kanzel-, Taufstein- und Altarbekleidung gehäkelt.

 

 

Der Erste Weltkrieg

 

Nun brach der Erste Weltkrieg aus. Gleich zu Beginn mußten der Kircheninspektor Dr. O. Jamnicky, der Lehrer K. Lackner und mit ihnen 25 Mitglieder unserer Gemeinde einrücken, unter ihnen der Kirchenvater Gottfried Ruttmar und die Schulväter Eduard Ruckriegl und Samuel Ruttmar. Bald mußten noch andere fort, so daß ihre Zahl bis Ende 1915 auf 49 stieg. Es folgten noch drei Jahrgänge. Mitten im Toben des Krieges starb der greise 86jährige Monarch, Franz Josef I. Zum Nachfolger wurde am 30. Dezember 1916 Karl IV. in Budapest gekrönt.

Dieser Krieg hat von Grünau acht teure Menschenleben gefordert: die Brüder Gottlieb und Gottfried Gschweng, Paul Schay, Ludwig Steberl, Gejsa Krahulecz, Gustav Follrich, Ferdinand Schiessler und Gotthilf Simonovits. Das Ende des Ersten Weltkrieges hat den Zerfall der Österreich-Ungarischen Monarchie mit sich gebracht. Oberungarn wurde unter dem Namen Slowakei der Tschechoslowakischen Republik einverleibt. Ihr erster Präsident war Dr. Thomas G. Masaryk. Der Umsturz hat auch die Kirche getroffen. Ihre Selbstverwaltung - Autonomie - wurde am 30. 1. 1919 aufgehoben, sie wurde fast vier Jahre lang durch ernannte Administratoren verwaltet.

Nach 28jähriger, segensreicher Tätigkeit starb am 28. Mai 1919 im Alter von 58 Jahren Pfarrer A. Krahulecz. Ihm und seinem Vorgänger, G. A. Csernak hat die Liebe und Dankbarkeit der Gemeinde die Ruhestätte mit Grabsteinen gezeichnet.

                                                                                                                                             Am 7. Dezember 1919, dem Zweiten Advent, wählte die Gemeinde einstimmig Kaplan Johann Fröhlich zum Seelsorger. (Geboren am 24. Oktober 1892 in Wallendorf. Eltern: Wilhelm Fröhlich, Landwirt, und Amalie geb. Fürst. Gymnasium mit Matura 1913 in Zipser Neudorf, Theologie mit Grund- und Fachprüfung in Preßburg, daneben zwei Jahre Diakon in Militärspitälern, Pfarrerprüfung und Ordination am 13. Juni 1917 in Eperjes durch Bischof Heinrich Geduly; 1917-1919 Kaplan in Zipser Neudorf, inzwischen Feldkurat an der Piave; seit 1921 verheiratet mit Gisela Thern aus Zipser Neudorf; am 23. 1. 1937 an der Commenius-Universität zu Preßburg zum Dr. med. promoviert.)

Nachdem die Verfassung der Evang. Kirche A. B. in der Slowakei am 15. Mai 1922 durch den bevollmächtigten Minister für die Verwaltung der Slowakei, Dr. Martin Micura, bestätigt wurde, konnten die Wahlen in der Kirche durchgeführt werden. Inspektor der Generalkirche wurde Dr. Johann Vanovic; für den östlichen Kirchendistrikt wurden Dr. Georg Janoska zum Bischof, Dr. Johann Ruman zum Inspektor gewählt. In unseem westlichen Kirchendistrikt wurde Samuel Zoch Bischof und Dr. Ludwig Simko Inspektor. Das angestrebte Deutsche Seniorat im Preßburger Komitat haben wir 1923 erhalten und durften zu Senior Dr. C. Eugen Schmidt, zum Inspektor Wilhelm Grüneberg wählen. Konsenior ist Johannes Scherer, Inspektor-Stellvertreter Moritz v. Maier geworden.

Das zerrüttete geistige Leben der Nachkriegszeit bedrückte uns. Gottes Wort beim Propheten Haggai im 1. Kapitel wies uns den Weg, den die Gemeinde betreten mußte. „Aufbau“, so hieß das Losungswort nach der Völkerzerstörung; sollte uns geholfen werden, so mußte zu allererst der verwüstete Altar des HERRN aufgerichtet werden. Gott zu ehren und unserer Jugend zu dienen war die Absicht der vielseitigen Arbeit im Jugendbund, der in Verbindung mit der E.-C.-Bewegung stand. In Abendkursen, Schulungen und Darbietungen wurde manch köstlicher Same willig aufgenommen und die Jugendschriften gerne gelesen. Der Männerchor unter der Leitung des Lehrers Lackner stand im Dienste der Kirchengemeinde.

 

 

Der Kirchenbau

 

Kirchengeschichtlich näherte sich Grünau seit 1875 dem 50jährigcn Jubiläum des Bestehens als Muttergemeinde. Die Sehnsucht nach Turm und Glocken wurde immer stärker. Der Lokalinspektor Samuel Buncsák ließ viele Fuhren an Sand und Schotter zuführen. Der Kirchenkassier Samuel Simonovits spendete zum Fond 2000 Kc. Die Opferfreudigkeit in der Gemeinde wuchs. Am Sonntag Rogate 1924 entschloß sich der Kirchenkonvent zur Erweiterung der Kirche und zum Turmbau, was zur Folge hatte, daß die einzelnen Gemeindeglieder zu diesem Zwede aus eigenen Mitteln 63 000 Kc. zeichneten. Im Durchschnitt entfielen auf die Familie 500 Kc. pro Seele 120 Kc. Diese Zeichnung haben die Kirchenväter binnen drei Tagen in der Gemeinde durchgeführt. 7000 Kc. wurden sofort in bar erlegt und für eine Glocke noch 10.000 Kc. gezeichnet. Angesichts solcher Opferbereitschaft hat der H. Senioratsinspektor Wilhelm Grüneberg die Architekten, Prof. Baurat Siegfried Theisz und Architekt Hans Jaksch aus Wien mit der Ausarbeitung der Baupläne betraut. Es stellte sich aber bald heraus, daß wir Kirche und Turm in einem Zuge nicht bauen können. Es fehlte an Mitteln hiezu. So wurde der Beschluß gefaßt, bloß die Kirche zu bauen und für den Turm das Fundament zu legen. Auch so war es eine große und schwere Aufgabe, die unser wartete. Wir aber schauten auf Den, Der gesagt hat: „Ohne mich könnt ihr nichts tun“. Zum Besten des Kirchenbaues erhielt die Kirchengemeinde die Bewilligung zu einer Haussammlung bei den Glaubensgenossen in der ganzen Slowakei, deren weit über Erwartung erreichter Erfolg neben der Hilfsbereitschaft der Glaubensgenossen auch dem Eifer der Sammler zuzuschreiben ist. Die Presbyter wählten als Sammlungsorte die Gemeinden unseres Seniorates und zwar sammelten sie selbst in Mischdorf und Tatschendorf Eduard Ruckriegl mit Andreas Hrtschko in Bösing Paul Wittich und Andreas Prechtl, in St. Georgen Samuel Drgala mit Michael Simonovits, in Preßburg Rudolf Osswald mit Eduard Ruckriegl, in Limbach Samuel Schewela mit Ludwig Follrich, in Modern Johann Draxler mit Samuel Osswald 140, und in Ratzersdorf Samuel Wittich mit Rudolf Osswald. Die jüngeren Männer der Gemeinde verließen das traute Heim auf drei bis fünf Wochen und durchzogen die beiden Distrikte der Gesamtkirche in der Slowakei. Es waren Stefan Bernat aus Limbach mit Ludwig Fakundiny 107, Gottfried Ruttmar jun. mit Ludwig Fakundiny 146, Oskar Prechtl mit Ludwig Prechtl und Gustav Schmidt mit Gottlieb Prechtl.

Am eigentlichen Erinnerungstage der Einweihung des Gotteshauses, am 24. Okt. 1925, abends wurde die Geschichte der Gemeinde - die Taten und Leiden der Väter - den Kindern und Kindeskindern vorgetragen. - Nicht leicht waren die letzten 50 Jahre: Am Anfang die Schuldenlast, dann die Phyloxera-Zeiten, der Erste Weltbrand, der Umsturz und die Nachkriegszeit, Lebensabschnitte voll Not und Leid! Dennoch durften wir an diesem Abend lobend und dankend die gnädige Durchhilfe und die Wunder unseres Gottes rühmen und preisen. Die Herzen schlugen hoch, der Glaube der Väter hatte sie erfaßt!

Laut Kirchenverfassung wurde am 7. Februar 1926 das Presbyterium zur Hälfte ausgelost und neugewählt. Dieses Presbyterium hat die schwere und verantwortungsvolle Aufgabe des Kirchenbaues auf sich genommen, es bildete zugleich den Schulstuhl und die Finanzkommission der Gemeinde und bestand aus folgenden Herren: Kirchenväter: Gottfried Ruttmar und Samuel Simonovits; Schulväter: Rudolf Osswald und Samuel Wittich, ferner Johann Fock, Wilhelm Osswald, Ludwig Follrich, Samuel Fakundiny 65/a, Samuel Drgala, Samuel Prechtl 122, Andreas Prechtl, Paul Holleitner, Michael Simonovits, Franz Buncsák, Samuel Osswald 130, Gottfried Reichbauer und Gottlieb Gruber.

Baumeister Stefan Elefanti aus Preßburg hat am 12. April 1926 mit dem Bau begonnen. Das Ausgraben und Betonieren der Turm- und Gassenmauer-Fundamente erlaubten es, daß wir die Gottesdienste, wenn auch ohne Orgelbegleitung, doch noch über die Pfingstfeiertage im alten Bethaus abhalten konnten. Mit einem Abschiedsgottesdienst, verbunden mit Beichte und Heiligem Abendmahl, trennten wir uns von der alten heiligen Stätte der Andacht. In den nun verflossenen 50 Jahren waren in diesem Raume

doch 955 Kinder getauft, 537 konfirmiert, 202 Paare getraut worden und 13599 Personen empfingen das Abendmahl des HERRN.

Tags darauf hat uns der Herr des Lebens und Todes einen zweiten Abschied bereitet: der Nestor der Kirchengemeinde, der treue und wohlverdiente Lokalinspektor, Samuel Buncsák, wurde plötzlich und unerwartet heimgerufen. Am 27. Mai haben wir ihn zur Grabesruhe geleitet.

Die feierliche Grundsteinlegung vollzog am Trinitatis Sonntag. 30. Mai, Senior Dr. Carl E. Schmidt. „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.‘ / i. Kor. 3,11. / Die Festansprache hielt Konsenior Johannes Scherer.

Am 16. Juni wurde die Gleiche erreicht; der Turm bis zur Kirchenmauerhöhe aufgebaut und damit unser Bauprojekt überschritten. Eine zweite Zeichnung bei den Gemeindegliedern und die damit verbundene Anfrage über den Weiterbau ergab den Betrag von weiteren 30 000 Kc. und den allgemeinen Wunsch zum Weiterbau des Turmes, bis zur Fertigstellung der ganzen Kirche samt Turm und Glocken. So durfte am 19. August in einer Feierstunde das Turmkreuz verankert und am 12.Oktober die drei Glocken von der Bösinger Station im festlichen Zuge abgeholt werden. Das Probegeläute brachte jung und alt auf die Gasse. Die Leute konnten sich nicht satt hören an dem schönen Klang der Glocken. Ich denke dabei an den alten 85-jährigen Bahnwächter Johann Fakundiny, wie er beim offenen Fenster stand, auf den Turm schaute, während ihm dabei die Tränen über die Wangen herab rollten.

Nach einer Bauzeit von sieben Monaten konnte die Kirche, wie vorgesehen, am 22. So. n. Trinitatis, 7. November, durch Senior Dr. C. E. Schmidt eingeweiht werden. Text: Hebr. 9, 11-14. „Seht euch die Kirche an! 1/ Was sie euch bietet, 2/ Was sie euch verheißt.“ Prediger war der slovakische Senior Vladimir Jurkovic. Ansprachcn hielten Wilhelm Ratz, Otto Schultze  und Konsenior J. Scherer. Es wurde auch im Pfarrhof gepredigt, weil die Kirche alle, die aus nah und fern zur Weihe gekommen waren, nicht fassen konnte. Im Rahmen der Kirchweihe wurden zwei Kinder getauft, und das Presbyterium empfing das Heilige Abendmahl. Die Kirchenlieder wurden in zwei Sprachen gemeinsam gesungen, deutsch und slowakisch zugleich.

Der Herr hat über der ganzen Bauarbeit gewacht: Kein Unfall, kein Unglück hat uns betroffen. Ungestört konnte der Bau durchgeführt werden. Die Sehnsucht der Väter: Kirche mit Turm und Glocken, ist wahr geworden! Wofür Opfer und Gaben seit 25 Jahren in Leid und Freud dargebracht wurden, wofür Bekannte und Unbekannte nah und fern ihren Beitrag zugelegt haben, das ist nun in Erfüllung gegangen. Nach 215 Jahren stiller, demütiger Gedrücktheit rufen Glockentöne über den Dächern, Fluren und Weingärten Grünaus laut festgelegter Läuteordnung in die Herzen der Gläubigen: „Gebt unserm Gott die Ehre!“

Die Baupläne haben die Wiener Architekten Prof. Baurat Siegfried Theiß und Hans Jaksch entworfen; den Bau selbst hat der Preßburger Baumeister, Stefan Elefanti, durchgeführt. Das Frescobild ist ein Werk des Wiener akad. Malers Vinzenz Gorgon; den Corpus Christi am Altar, hat der Bildhauer Alois Riegele aus Preßburg geschaffen. Die Malerarbeitcn, besonders an der Decke, machte Samuel Morawek aus Preßburg. Um die Entstehung des Baues haben sich ein bleibendes Andenken erworben in erster Reihe die bereits heimgegangenen Pfarrer Alfred Krahulecz mit der Gründung des Baufondes im Jahre 1901, der Mesner Stefan Simonovits, der zu diesem Zwecke der Gemeinde ein ansehnliches Kapital hinterließ und der Lokalinspektor Samuel Buncsák mit seinen Leistungen. Ihnen gilt der Dank übers Grab hinaus. Sodann Senioratsinspektor Wilhelm Grüneberg, dessen umsichtige Fürsorge und Unterstützung den Bau in Gang setzte. Die beiden Namen Grüneberg und Grünau sind durch die Baugeschichte aufs innigste verbunden.

Altar und Frescobild sind eine Spende der Witwe Susanna Buncsák geb. Nagy samt Familie.

Den großen 24armigen Luster spendete zur Erinnerung an Peter Jamnicky, gewesenen Inspektor, sein Sohn und Nachfolger Dr. Ottokar Jamnicky.

Die Liebe zur alten Heimat der Ehegatten Georg Steberl und Rosine geb. Osswald, Dayton-Ohio, verkünden das vergoldete Turmkreuz samt Blitzableiter.

Bei dem Bau selbst haben sich verdient gemacht besonders die beiden Kirchenväter; Gottfried Ruttmar und Samuel Simonovits, so auch die Mitglieder der Baukommission: Rudolf Osswald, Samuel Wittich, Eduard Ruckriegl, Samuel Drgala, Michael Simonovits, Johann Fock, Ludwig Follrich und Samuel Schewela. Ja, die ganze Gemeinde, ohne Unterschied ob reich oder arm, alt oder jung, Mann und Weib, alle haben das rechte Verständnis für die Sache bewiesen und ihre Pflicht an Arbeit, Zeit und Geld getan. Selbst die Grünauer Arbeiter, die beim Bau beschäftigt waren, haben den Zehnten ihres Lohnes gespendet. Die Stimme vom Kreuz: „Das tat ich für dich, was tust du für mich?“ hat Widerhall in den Herzen gefunden, und es war Gnadenzeit, da man etwas tun durfte zu seines Gottes Ehre. „Du brauchst dich nicht zu schämen, deine Gabe wär zu klein, reichts nicht zu einem Turme, reichts doch zu einem Stein!“ Etwas zu tun und wärs auch noch so klein, ist immer mehr, als garnichts zu tun. / Begutachtet wurde der Bau in der deutschen Bauzeitung, Berlin, Nr. 47, vom Jahr 1927. Forum Preßburg, 1931/IV. und Slovenský stavitel, Preßburg, 1936, Nr. 2.

 

 

Die Glocken

 

Den sog. Große-Glocke-Fond haben am 6. Juni 1916 die Hochzeitsgäste des Michael Draxler und Irene Fock mit 55.80 K. angelegt. Im Laufe der Jahre wurden einige Spenden hinzu getan, so daß der Fond bis zum Jahre 1916, das ist bis zum Kirchbau, mit Zinzeszinsen auf 662.95 Kc wuchs. Da hat der „Jugendbund“ den Entschluß gefaßt, sich hinter den Fond zu stellen und ihn mit Gaben und Spenden bei Vorstellungen, Hochzeiten und Begräbnissen soweit zu stärken, daß es möglich sein würde, das Ziel zu erreichen. In sieben Jahren, zu der 450. Wiederkehr des Geburtstages Luthers, ist dies geschehen.

Am 5. Okt. 1933 wurde die Glocke im festlichen Zuge von Bösing geholt und am 9. Okt. in den Turm aufgezogen. Am Kirchweih- und Luther Jubelfeste, 12. Nov., wurde sie durch Senior Johannes Scherer als „Luthers­Jugendglocke“ geweiht. Auf der einen Seite trägt sie als Inschrift: „Ein feste Burg ist unser Gott“, darüber das Kreuz und darunter die Jahreszahlen 1483—1933. Auf der anderen Seite: Die Grünauer evangesche Jugend 1926—1933. Ihr Gewicht ist netto 1055, armiert 1350 kg. Sie kostete 24242,85 Kc. Sie ist entstanden — geboren aus Freud und Leid und soll verkündigen in des Lebens Leid und Freud: Ein feste Burg ist unser Gott!

 

Die Inschrift an den drei Glocken, die bereits beim Kirchbau 1926 gespendet wurden, ist der Lobgesang der Engel von Bethlehem: I. Ehre sei Gott in der Höhe, II. Friede auf Erden, III. Den Menschen ein Wohlgefallen. Sie tragen auch einzeln die Namen ihrer Spender: I. Samuel Simonovits, Kirchenkassier s. Gattin Theresie geb. Fakundiny, II. Wilhelm Osswald, Presbyter s. Gattin Anna geb. Fakundiny und III. Gottfried Ruttmar, Kirchenvater s. Gattin Elisabeth geb. Wittich. Letzterer hatte kein Bargeld, sondern verkaufte seine Ochsen und gab den Erlös für die Glocke. Sie kosteten einzeln I. 16200, II. 10 000 und III. 6ooo Kc. Der erste Glöckner Gottfried Ruttmar jun. verpflichtete sich ein Jahr lang gratis zu läuten.

Vom Turme der Grünauer Kirche läuten somit vier Bronzeglocken mit dem Choralmotiv „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ oder „Wie schön leuchtet der Morgenstern“:

 

                    e‘                    mit 1350kg  Durchmesser 125 cm                    1933

                     gis‘ca.                     630kg                          99cm                    1926

                     h‘ca.                        320kg                          83cm                    1926

                     cis‘ca.                     26okg                          72cm                    1926

 

 

Gießer der vier Glocken war Richard Herold in Komotau.

 

„Glocken sind das in Erz gegossene Glaubenszeugnis der Väter und sprechen eine deutliche Sprache für den, der sie hören will. Sie rufen nicht nur von oben herab, sondern auch nach oben hinauf. Sie rufen zum Gehorsam gegen Gottes Gebot, ‚daß wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern dasselbe heilig halten, gerne hören und lernen‘. Sie rufen morgens, damit keiner ohne Morgensegen zur Arbeit gehe und abends: ‚Ach bleib bei uns, Herr Jesu Christ, weil es nun Abend worden ist. Dein göttlich Wort, das helle Licht, laß ja bei uns auslöschen nicht‘. Sie rufen zum Dienst des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, daß wir uns zum Gottesdienst der Gemeinde locken lassen und den Nächsten nicht vergessen sollen in seiner Krankheit, in seiner Not. ‚Denn es zeigt sich, wenn die Glocke schlägt, ob wir noch dienen können oder ob wir bloß verdienen wollen. Sie rufen auch noch aus der Ferne: Glaube der Väter! Heilger Gott, gib auch uns Treue bis zum Tod!“

 

 

Finanzierung des Kirchenbaus

 

Der Kirchenbau war trotz der großen Opferwilligkeit der Gemeindeglieder und der so vielseitigen, reichen Unterstützungen von außen doch nicht leicht. Um den Baumeister auszahlen zu können, mußten wir eine Amortisations-Anleihe von 60000 Kc auf 15 Jahre und eine Privatschuld von 20000 Kc aufnehmen. Wir durften aber mit Gottes Beistand die ganze Schuldenlast bereits in zehn Jahren tilgen. Dazu verhalfen uns besonders die vielen in- und ausländischen Unterstützungen. Hier sei die Übersicht der Hauptrechnung in Einnahme und Ausgabe, ohne die behobene Schuld von 80000 Kc niedergelegt, denn diese wurde bis auf einen geringen Rest dem jährlichen Voranschlag gemäß getilgt resp. abgetragen.

 

Die Einnahmen waren:

Spenden vom Jahre 1901-1936

137638,61 Kc

Zeichnungen 79912,50 Kc
Haussammlungen in der Gesamtkirche 37283,35 Kc
Vermächtnisse, Wertpapiere 19537,10 Kc
Aus Amerika 17278,30 Kc
Von den Hilfsanstalten 16762,26 Kc
Vom Steuerfonds 35500,00 Kc
Gustav-Adolf-Vereine 28208,85 Kc
Sächs. Gotteskasten 2411,00 Kc
Präsidentskanzlei 1000,00 Kc
Vom Orgelfond behoben 1200,00 Kc
Für 3 Glocken 32200,00 Kc
Für Altar und Frescobild 12746,00 Kc
Für Luster 7200,00 Kc
Für elektr. Licht im Jahre 1930 7589,40 Kc
Für Altarteppich 3500,00 Kc
Für Luthers Jugendglocke 1933 24242,85 Kc

zusammen

464210,22 Kc

 

Die Ausgaben waren:

Architekten-Honorar 8320,00 Kc
Sammlungsspesen 361,72 Kc
Baumeister Stefan Elefánti 320820,00 Kc
Zufuhr, Sand, Diverse 6684,60 Kc
Glocken und Glockenstuhl 1926          40715,95
Turmkreuz und Blitzableiter 2938,00 Kc
Orgel-Reparatur und -Umbau 1200,00 Kc
Amort. Schuldzinsen 21840,00 Kc
Bankabzüge und Zinsen 4626,00 Kc
Altar und Frescobild 12746,00 Kc
Luster 7200,00 Kc
Elektrisches Licht 7589,40 Kc
Altarteppich 3500,00 Kc
Luthers Jugendglocke 24242,85 Kc

zusammen

462784,52 Kc

 

Bilanz:

 

Einnahme:   464210,22 Kc

Ausgabe:     462784,52 Kc

 

Der Rest von:  4125,70 Kc

 

fiel laut Konventsbeschluß dem Gesangbuch-Fonds zu.

 

 

Die Schule

 

Wie das Protokoll der ersten kanonischen Visitation vom Jahre 1613 bezeugt, gab es in Grünau eine evang. Schule, die in der Gegenreformation, zuletzt 1711, verloren ging. Erst das Toleranzedikt Josephs II. vom Jahre 1783 gab sie der Gemeinde wieder. Diese Schule samt Lehrerwohnung war bis 1874 das Eckhaus am östlichen Ortseingang, rechts. An dieser Schule wirkten die Lehrer: Fábrv, Förster, Batka, Szabo, Jarosch. Lackner, Florian und Conrad Jurcsó. Nach dem Kaufe des "Schlössels" vom Grafen Pálffy, Wurde die Schule in den Pfarrhof verlegt. Pfarrer G. A. Csernák war zugleich Lehrer an dieser Schule, und Pfarrer A. Krahulecz erteilte auch noch ein Jahr lang Unterricht an dieser Schule. Dann wurden selbständige Lehrer angestellt. Es fehlte an einer Lehrerwohnung, darum wechselten die Lehrer fast jährlich. Diese wurde 1897 gebaut; der Lehrerwechsel hörte auf. Mit der Einführung des achten Schuljahres wuchs die Zahl der Schulpflichtigen im Jahre 1929 auf 86. im nächsten Jahr auf 99 Kinder. Nach Zusicherung der Staatsunterstützung für eine zweite Lehrkraft wurde am 14. September 1930 Frl. Gertrud Frank aus Brünn zur Lehrerin gewählt. Vier Jahre hindurch fand an der nun zweiklassigen Volksschule in einem Schulraum nur halbtägiger Unterricht statt. Die staatliche Behörde drohte mit der Verstaatlichung der Schule, wenn der zweite Schulraum nicht errichtet würde. ‘Wie sollten wir das vollführen bei der vorhandenen noch beträchtlichen Kirchenbauschuld von 53519 Kc? Da half Gott, der Herr, wie immer in der Not! Altsenior Dr. Carl E. Schmidt überreichte uns ein auf unsere Schule lautendes Sparbuch mit einer Einlage von 20063 Kc als Gabe eines ungenanntsein-wollenden Spenders. Da faßten wir Mut und griffen zu. „Gott hat Wege allerwegen, an Mitteln fehlt‘s ihm nicht!“ Den 27. Mai 1934 wurde der Bau nach dem Plane des Baumeisters Samuel Draxler beschlossen, und er selber wurde mit dem Bau der Schule betraut. Wie beim Kirchenbau, so haben auch diesmal die Gemeindeglieder treu und fleißig mitgeholfen; die Schulväter Ludwig Fakundiny 146 und Gottfried Wittich mit gutem Beispiel voran. Müllermeister Samuel Buncsák spendete den Sand zum Bau. Die Haussammlung ergab 2085 Kc.

Am 1. September 1935 durften wir das Schulgebäude weihen und der Bestimmung übergeben mit der Bitte: „Ach, zeuch mit ein, Herr Jesu Christ, du holder Freund der Kleinen und laß, weil du ein Helfer bist, die Gnadensonne scheinen auf das dir werte Arbeitsfeld und segne die du hast bestellt zu Hirten deiner Herde.“ Die “Weihe vollzog Konsenior Richard Hollerung­Modern, die Festpredigt hielt Pfarrer Dr. Stöckl, Wien.

Diese Schule war nach den letzten Erkenntnissen des Schulbaues erbaut und mustergültig eingerichtet worden. Sein Gepräge erhielt der Unterrichtsraum durch das große Wandbild „Jesus segnet die Kinder“. Es war eine Spende der Eltern der Lehrerin Gertrud Frank.

Eine Schuldenlast blieb zurück, aber wir erhielten laufend Unterstützung, so daß der ganze Schulbau im Gesamtbetrag von 106493,70 Kc bis 1943 restlos getilgt werden konnte. Wir durften uns aber nicht lange unserer evangelischen Schule erfreuen, denn im Sinne der Durchführungsverordnung Zl. 4276/41 D. A. des Gesetzes 308/40 wurde unser Schuleigentum am 10. April 1942 in die Verwaltung der bürgerlichen Gemeinde übernommen. Danach übernahm der Staat die ganze Besoldung der Lehrer, den Sachaufwand trug die bürgerliche Gemeinde. Aber nur den Deutschen wurde die konfessionelle Schule genommen, während die Slowaken unter denselben Bedingungen ihre kirchlichen Schulen behalten durften. Nur der konnte unseren Schmerz nachfühlen, der seine Schule als ein treues Erbe der Väter geachtet, mit so viel Liebe und Opfer gebaut und erhalten hat wie wir. Das Luthertum und das Deutschtum in Grünau sind auch durch die stille und segensreiche Arbeit der Schule erhalten geblieben und gefördert worden. Trost fanden wir allein in der damaligen Jahreslosung aus Jesaja 33. 22:

„Der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Meister, der HERR ist unser König: der hilft uns!“

Lehrer waren in Grünau seit 1892: Michael Kellenberger (1892-93), Ludwig Ravasz (1893-94), Michael Kellenberger zum zweitenmale (1894-96), Samuel Rigan (1896-97), Karl Posch (1897-1909), Karl Halwax (1909-11), Karl Lackner (1911-45). Als zweite Lehrkraft: Gertrud Frank (1930-42),

Helene Antos (1942—45). „Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.“ (Daniel 12, 3)

 

 

Der Kirchenkonvent

 

Die Grundlage, auf welcher die Autonomie d. h. die Selbstverwaltung der Kirche aufgebaut war, ruhte auf dem Kirchenkonvent. Mitglied des Kirchenkonventes war jedes kirchensteuerzahlende Glied der Gemeinde. Der Konvent wählte den Pfarrer, den Kircheninspektor, den Lehrer, ferner aus seiner Mitte das Presbyterium und die übrigen Angestellten der Kirchengemeinde. Der ehrenamtliche Kircheninspektor stand dem Pfarrer mit gleicher Gewalt zur Seite und vertrat die Kirchengemeinde in weltlichen und wirtschaftlichen Belangen nach innen und nach außen. Das Presbyterium, zugleich Schulstuhl und Finanzkommission, war der Kirchengemeinderat, der die Angelegenheiten der Gemeinde im Sinne der Konventbeschlüsse durchführte. Eine besondere Stellung und Aufgabe hatten die Kirchenväter; besonders in den Verfolgungszeiten waren sie es, die die verwaiste Herde zusammenhielten. Sonst verwalteten die beiden Kirchenväter — Kurator und Kassier — ehrenamtlich das Vermögen der Gemeinde und die Kasse und waren besorgt um die Instandhaltung der Kirche und des Pfarrhauses. Für die Bedürfnisse der Schule und der Lehrerwohnung sorgten die beiden Schulväter. Mehrere Kirchengemeinden bildeten ein Seniorat, mehrere Seniorate den Kirchendistrikt und die Distrikte die Landeskirche. Auf jeder Stufe bestand die Parität, das Gleichgewicht der geistlichen und weltlichen Elemente: somit der Senior und der Senioratsinspektor, der Bischof und der Distriktual-Inspektor und der Landesbischof mit dem Landesinspektor. Sie alle wurden durch den Konvent der einzelnen Gemeinden gewählt.

Kircheninspektoren waren in Grünau: Peter Jamnický (1880—95), Dr. Jaroslav Minnich (1896—97), Oskar Ulreich (1897—1911), Dr. Ottokar Jamnický (1911—1939), von da ab als Ehreninspektor, Johann Buncsák (1942 bis 45). Inspektor-Stellvertreter war in den Jahren 1914 bis 1926 Samuel Buncsák.

 

 

Streiflichter aus dem Gemeindeleben und Zeitgeschehen

 

 

1922

Der unter der Leitung des H. Lehrers K. Lackner stehende Männerchor hat mit 300 Kc den     Orgelfonds gegründet.

Die Eheleute Michael Drgala und Marie geb. Reichbauer stifteten das Begräbniskreuz.  

1924

Am 15. Novernber besuchte die Gemeinde Missionsinspektor Dr. Ihmels aus Leipzig.              

Zwölf Frauen der Gemeinde spendeten die grüne Plüsch-Kirchenbekleidung im Werte            von 2500 Kc

1927

Zwei Opferkästchen aus Zinkblech vom Spengler Rudolf Steinhauser aus Bösing und zwei     kunstvolle hölzerne Opferstöcke vom Gottfried Gschweng erhielt die Gemeinde.

Die Frauen Elisabeth Prechtl geb. Ruttmar und Anna Fakundiny geb. Hedecker sammelten zur  Ausstattung der Kirche 1040 Kc.

1928 Am 4. Januar verstarb Bischof Dr. Samuel Zoch. Sein Nachfolger Dusan Fajnor wurde durch  den Erzbischof von Upsala Dr. Nathan Söderblom in Modern ordiniert.  
1930

Besucht hat die Gemeinde der Generalsekretär des Gustav-Adolf­Vereins  Dr. Bruno Geissler aus Deutschland.

Das elektrische Licht wurde in der Kirche eingeführt. Ermöglicht haben es die Kinder: 

Rosine Rudolf, Christine und Paul als Erben des verstorbenen Ehepaares  Paul Osswald

und Susanne geb. Ruckriegl

Kinder spielten auf der Wiese, dabei fiel der sechsjährige Ludwig Ruttmar vom Steg in den angeschwollenen, reißenden Bach und ertrank. Die Leiche wurde nicht gefunden.

1931

Zur Konfirmation am Palmsonntag schenkten die Konfirmandinnen Irene Draxler,             Rosine Osswald, Wilma Osswald, Anna Schober und Wilma Hrcsko der Kirche eine              kostbare Hardanger Kirchenbekleidung, die sie in monatelanger Arbeit unter der Leitung         der Frau Lehrer Lackner angefertigt haben.

Am 20. Mai, an einem Mittwoch nachmittags, hat ein furchtbarer Hagelschlag, wie             seinesgleichen die Ältesten der Gemeinde nicht erlebt haben, die Ernte in Feld und             Weingarten vernichtet.

Nach 33 Jahren tagte der Sen.-Konvent in Grünau; dabei hat der Seniorats-Inspektor 

Wilhelm Grüneberg der hartgeprüften Gemeinde 2000 Kc gespendet.  

1932 Einen Perserteppich für den Altar nach Maß ließ Frau Pfarrer Fröhlich anfertigen.  
1934

Beim Senioratsmissionsfest in Grünau sprach Probst Th. Meyner von der Leipziger 

Mission über Christus auf der indischen Landstraße.  

1935

Am 27. Februar feierte der Kirchenkassier Samuel Simonovits mit seiner Gattin Theresie geb. Fakundiny die goldene Hochzeit. Am 2. März ist sein Bruder Michael, spurlos verrschwunden; seine Leiche konnte erst nach zwei Wochen aus dem durch Tauwetter angeschwollenen Bache geborgen werden.

Am 19. Mai legte der Kirchenkassier S. Simonovits mit Rücksicht auf sein Alter sein Amt nieder -  nach 14 Tagen ist er heimgegangen.

Der erste Präsident der Tschechoslowakei Dr. Th. G. Masaryk hat nach 17jähriger 

Regierung im Alter von 86 Jahren abgedankt. Sein Nachfolger wurde Dr. Eduard Benes.  

1936

Unsere Asphaltarbeiter haben den Zugang zur alten Schule und Pfarrhaus gratis asphaltiert, 

dabei auch das hierzu nötige Material geschenkt.  

1937 

Aus Anlaß der Promotion des Pfarrers zum Dr. med. hat dessen Schwiegermutter Frau Irma Thern aus Zips-Neudorf eine mit Gold gestickte Kirchenhekleidung aus rotem Plüsch mit einer selbst genetzten und ausgenähten Altardecke gespendet.

Den hierzu passenden Altarschemel hat Johann Weiszmann und den Trauschemel 

Frau Irene Lackner gestiftet.  

1939

Die Eheleute Rudolf Osswald s. Gattin Marie geb. Gruber-Follrich und Stefan Simovetz s. Gattin Christine geb. Osswald legten gelegentlich ihrer silbernen Hochzeit den Kirchenbänke-Fonds an.

Die erste Synode der Deutschen Evangelischen Landeskirche in der Slowakei tagte 

am 26. und 27. Juni in Käsmark.

Am 14. März entstand die Slowakische Republik. Zu ihrem Präsidenten wurde am 26. Oktober der katholische Pfarrer Dr. Josef Tiso.

Am Ersten Advent wurde das neue Gesangbuch eingeführt. Mit dem Gesangbuchfonds 

konnten den Schulkindern Gesangbücher geschenkt werden. Die Schüler erlernten unter der    Woche neue Choräle, die am Sonntag im Gottesdienst gesungen wurden. Durch den Gesang der Kinder gewann die Gemeinde schnell den neuen Liederschatz.  

1940 Witwe Katharine Fakundiny geb. Prechtl hat am Sterbebett mit 500 Kc den Friedhofsfonds    angelegt.
1942

Nachdem die Regierung die Verfassung der Deutschen Evangelischen Landeskirche in der    Slowakei genehmigt hat, konnte die am 28. und 29. Juni in Preßburg abgehaltene                     Kirchenversammlung Johannes Scherer zum Bischof und Wilhelm Grüneberg zum Inspektor     wählen und ins Amt einführen. 

Die Lehrerin Gertrud Frank verehelichte Ertl hat nach 12-jähriger treuer Pflichterfüllung von  ihrer Stelle abgedankt. Die jüngere Generation, die zu ihr in die Schule ging, denkt an sie und  dankt ihr für die Unterweisung. (Daniel 12, 3)  

 

 

 

Das Gemeindeleben

 

Die Kirche war das Herz der Gemeinde, die Liebe zu ihr der Pulsschlag, der Gottesdienst das Band der Gemeinschaft. Sonntäglich versammelten sich die Gemeindeglieder zweimal um das Wort Gottes. Vom Ersten Advent bis Palmsonntag fanden Dienstag und Freitag liturgische Abendandachten statt. In den Sommermonaten war der Nachmittagsgottesdienst mit der Christenlehre verbunden, bei welcher die Schulkinder Kirchenlieder und Abschnitte aus dem Neuen Testament lernten. Der Konfirmandenunterricht dauerte zwei Jahre. Bibel und Gesangbuch, Wort und Sakrament waren die Quellen, aus denen man Kraft und Trost schöpfte. Der Jahresbericht hat die Glieder nah und fern über die Belange der Gemeinde auf dem laufenden gehalten. Die Glieder, die so mit der Kirche verbunden waren, haben neben der Abgabe der Kirchensteuer bei Trauungen, Beerdigungen und an Gedenktagen stets an die kirchlichen Bedürfnisse gedacht. Der Sarg ihrer Verstorbenen war mit einem Bahrtuch bedeckt, und die Familienangehörigen haben statt der verwelkenden Blumen und Kränze für die Kirche gespendet. An Altarkerzen und Altarblumen mangelte es nie.

Wir gedachten noch, die alten Kirchenbänke durch neue zu ersetzen, eine neue Orgel zu bestellen und den Gottesacker mit einer Mauer zu umfrieden. Ende 1944 stand uns hiezu ein Barvermögen von 144454,25 Ks. zur Verfügung. Allein der Krieg und seine Folgen hat unser Vorhaben durch die Aussiedlung zunichte gemacht.

Die Nähe Preßburgs ermöglichte den Besuch an höheren Schulen und Lehrstätten. Fünf Theologen, ein Lehrer, ein Arzt und Jurist, einige Absolventen der Handelsschule und tüchtige Handwerker kamen in den letzten 25 Jahren aus der kleinen, kaum 6oo Seelen zählenden Weingärtnergemeinde.

 

 

Der Zweite Weltkrieg

 

Unsere Söhne, die bei der slowakischen Wehrmacht dienten, kamen mit der „Schnellen Division“ an die Ostfront; die Reservisten wurden in der Slowakei eingesetzt. Bald wurden die Volksdeutschen aus der Division herausgenommen und mit ihnen viele Jugendliche und Männer zur Wehrmacht und zur Waffen-SS genötigt und gezwungen. Beim Luftangriff auf Preßburg am 16. 6. 1944 wurden als Arbeiter Ludwig Wenzl (1909) und Johann Fakundiny (1917) getötet.

Mit dem Zusammenbruch der Ostfront näherte sich die Kampflinie den Karpaten und somit Grünau. Viele Gemeindeglieder evakuierten mit ihren Kindern nach Böhmen und nach Österreich. Zu Ostern, am 1. und 2. April 1945, wurde Grünau beschossen und eingenommen. Durch Beschuß wurden der Turm, das Pfarrhaus, die Schule und einige Häuser in der Gemeinde mehr oder weniger beschädigt. Andreas Strohkörndl (1899), Samuel Böhm (1891) und Gustav Schmidt (1892) sind ums Leben gekommen.

Die Gottesdienste und die anfallenden Amtshandlungen durften nur slowakisch gehalten werden. Nach fast 34jähriger Tätigkeit als Lehrer und Organist verstarb Karl Lackner am 25. 5. 1945 und wenige Wochen darauf unser Kircheninspektor Johann Buncsák. Als die Front wich, wurde auch er zu den deutschen Männern in das Bösinger Gerichtsgefängnis abgeführt, die tagsüber Aufräumungsarbeiten verrichten mußten. Er erlag den erduldeten Strapazen und Entbehrungen. Der Abschied von den beiden Kirchenmännern war in dieser leidgefüllten Zeit schwer: Wir beklagten und beneideten sie zugleich!

Die Evakuierten kehrten fast alle heim, doch viele von ihnen fanden ihre Häuser bereits von Fremden besetzt. Zwar wurden manche zu Zwangsarbeiten verpflichtet, aber im großen ganzen ließ man die Deutschen ihre Äcker und Weingärten bis zur Ernte bearbeiten, dann wurden die Felder samt der Ernte den Slowaken zugeteilt. Auf Grund der Potsdamer Beschlüsse hat man die Deutschen aus Bösing, Modern, Limbach und Grünau in dem sogenannten Grünauer Lager interniert und von dort aus schubweise in das Sammellager nach Preßburg abgeliefert. Nur 15 gemischte Ehen durften daheim bleiben. Das Grünauer Barackenlager wurde seinerzeit als Gefangenenlager für englische Flieger errichtet, und nachdem es einigemale die Bewohner gewechselt hatte, kamen die Deutschen dahin. Es lag in der Nähe der Strapakschen Mühle und erinnerte an den 137. Psalm: „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten.“ Von dort aus konnte man das Dorf, die Kirche und die Weingärten noch sehen. Als die ersten Grünauer Familien interniert wurden, erbat ich mir, sie im Lager seelsorgerlich betreuen zu dürfen und konnte an den Sonntagnachmittagen dort deutsch predigen. Wie begierig und hungrig sind sie gekommen, auch noch „die Freien“ aus der Umgebung unter das Wort! Nachdem der internierte deutsche Arzt das Lager bald verlassen hatte, übernahm ich auch den ärztlichen Dienst an den Internierten. Zu Ostern 1946 wurde mir als Arzt auch noch das Arbeitslager von St. Georgen übertragen.

Während der Internierung kamen drei Jugendliche auf tragische Weise ums Leben: Gottfried Schober (1928) durch elektrischen Strom im Maierhof  bei Senec-Wartberg, Franz Fakundiny (1935) und Otto Ruttmar (1936) im Preßburger Lager durch eine Handgranate.

Im Sommer 1946 fuhren die Transporte von Preßburg aus abwechselnd in die Ost- und Westzonen Deutschlands. Die schon durch die Transporte von einander getrennten Gemeindeglieder wurden bei der Auswaggonierung in Deutschland noch mehr auseinandergerissen, so daß kaum zwei oder drei Familien in einem Dorf beieinander blieben. Nachdem das Sammellager in Preßburg aufgelöst wurde, kam ich Ende Oktober 1946 aus Nowáky mit den zwei letzten Grünauer Familien mit dem letzten Transport in die Westzonen Deutschlands.

Was das aber bedeutet, Haus und Hof - die Heimat - verlassen zu müssen, kann nur der ermessen, den ähnliches betroffen hat. Hab und Gut zu lassen und mittellos mit einem Bündel armer Habseligkeit in die Fremde, in ein verwüstetes Land zu ziehen! Es kostete viel, viel Tränen und Herzeleid! Besonders die lieben Alten trugen schwer und viele starben vor der Zeit am Heimweh. Das niederzuschreiben, was in diesen schweren Zeiten einzelne Glieder und Familien erlebt haben, würde den Rahmen dieses Büchleins sprengen. Es haben alle so viel Schweres mitgemacht, daß ein jeder ein Buch darüber schreiben könnte. Ein alter Flüchtling klagt: „Aus der Heimat in die Heimat, in der Heimat keine Heimat!“ Als Heimatlose sind wir auf die Barmherzigkeit Gottes geworfen und auf die Liebe der Nächsten angewiesen. Aber nur der Herr hat die Fremdlinge lieb; er gibt ihnen Speise und Kleider (5. Mose 10, 18). Er spricht: „Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum Herrn; denn wenns ihr wohl geht, so geht‘s euch auch wohl“ (Jeremia 29, 7).

Das war der Weg und das Ende einer 338jährigen Geschichte. In den letzten 71 Jahren, das heißt seit 1875, der letzten Zeit als Muttergemeinde, sind in Grünau geboren und getauft 1275 Kinder, konfirmiert 766 Jugendliche, 292 Paare wurden getraut, bei dem heiligen Abendmahle waren an die 18205 Personen und zur Grabesruhe wurden 832 Seelen beigesetzt.

 

 

Kirchensteuer zahlende Mitglieder 1944

 

 

Haus-Nr.

Name

Haus-Nr.

Name

104 Böhm, Samuel 92 Buncsák, Oskar
104 Böhm, Stefan 92 Buncsák, Franz sen.
258 Böhm, Gustav 263 Buncsák, Franz jun.
185 Buncsáik, Geschwister 173 Holleitner, Paul
120 Cechovits, Hermine 114 Holleitner, Gottfried
51 Draxler, Johann 241

Holleitner, Friedrich

43 Draxler, Johanns Witwe 70 Holleitner, Wilhelm
133 Draxler, Michael 118

Holleitner, Kath. Witwe

228 Draxler, Samucl 210 Holleitner, Michael
103 Draxler, Geschwister 211 Holleitner, Johann
181 Drgala, Michaels Witwe 110 Hrcsko, Andreas Erben
79 Drgala, Samuels Witwe 132 Hrcsko, Gustav
79 Drgala, Wilhelm 111 Hoffmann, Marie
55 Drgala, Samuel jun. 81 Juran, Samuels Witwe
44 Fakundiny, Julie 136 Kadlecsik, Daniel
44 Fakundiny, Ernst 200 Köplinger, Johann
14 Fakundiny, Stefan 229 Köplinger, Gustav
94 Fakundiny, Samuel 190 Köplinger, Stefan
65 Fakundiny, Samuels Witwe 235

Karlo, Viktor sen.

95 Fakundiny, Samuels Witwe 162 Karlo, Viktor jun.
95 Fakundiny, Samuel 212 Kovacs, Andreas
93 Fakundiny, Matthias Witwe 257 Michalicsek, Franz
107 Fakundiny, Ludwig 49 Mokry, Paul
146 Fakundiny, Ludwig 135 Neradt, Andreas
110 Fakundiny, Rudolf 176 Osswald, Paul
235 Fakundiny, Franz 130 Osswald, Samuels Witwe
235 Fock, Gustav 55 Osswald, Otto
188 Follrich, Ludwigs Witwe 130 Osswald, Andreas
188 Follrich, Johann 140 Osswald, Samuel
119 Follrich, Samucl 148 Osswald, Johann
123 Follrich, Oskar 45 Osswald, Rudolf
231 Fleischhacker, Koloman 47 Osswald, Wilhelm
63 Dr. Fröhlich 54 Osswald, Susanna
84 Greger, Lorenz 210 Okaty, Johann
210 Greiner, Johanns Witwe 89

Pollak, Karl

87 Gruber, Andreas Witwe 31 Prechtl, Andreas
111 Gruber, Gottlieb 14 Prechtl, Stefans Witwe
116 Gruber, Ludwig 182 Prechtl, Samuels Witwe
116 Gruber, Andreas 182 Prechtl, Gustav
87 Gruber, Michael 154 Prechtl, Theresie
170 Gruber, Stefan 171 Prechtl, Alfred
132 Gschweng, Hedwig 49 Prechtl, Oskars Witwe
153 Gschweng, Paul Witwer 115 Prchtl, Johann
123 Gschweng, Ludwig sen. 153 Prechtl, Ludwig
198 Gschweng, Ludwig jun. 95 Prechtl, Henriette
121 Prechtl, Gottfried 122

Schmidt, Iohann

264 Prechtl, Wilhelm 99 Schober, Johann Witwer
25 Prechtl, Wilhelm 104 Schober, Johann jun.
208 Prechtl, Samuel 99 Schober, Gottfried
31 Prechtl, Gustav, Tischler 99 Schober, Samuel
146 Reichbauer, Andreas 127 Schober, Ludwigs Witwe
90 Reichbauer, Ludwig 123 Schober, Ludwig jun.
252 Reichbauer, Gustav 232 Schober, Wilhelm
129 Ruttmar, Friedrich Witwer 77 Steberl Andreas
129 Ruttmar, Gottlieb 193 Steberl, Friedrich
114 Ruttmar, Gottliebs Witwe 24 Steberl, Johanns Witwe
117 Ruttmar, Samuels Witwe 24 Steberl, Alfred
56 Ruttmar, Gottfried sen. 98

Simonovits, Johann sen.

56 Ruttmar, Johann 107 Simonovits, Johann jun.
154 Ruttmar, Gottfried jun. 48 Simonovits, Samuels Witwe
65 Ruttmar, Stefan 74 Simovetz, Stefans Erben
93 Ruttmar, Andreas 74 Simovetz, Karl
113 Ruttmar, Samuel 224 Simovetz, Stefan
49 Ruzsicska, Karl 114 Strohkörndl, Ludwigs Witwe
67 Schaubmar, Karl 118 Strohkörndl, Andreas
109 Schewela, Samuel sen. 227 Strohkörndl, Gustav
256 Schewela, Albin 219 Wadinger, Stefan
46 Schewela, Samuel jun. 209 Weiszmann, Johann
18 Schewela, Wilhelm 198 Wenzl, Erhard
73 Schewela, Gustav 88 Wenzl, Andreas
260 Schewela, Eduard 40 Wittich, Michaels Witwe
105 Schay, Gustav 67 Wittich, Samuels Witwe
39 Schmidt, Andreas sen. 246 Wittich, Gottfried
39 Schmidt, Andreas jun. 145 Wittich, Wilhelm
39 Schmidt, Gottlieb 40 Wittich, Karl
124 Schmidt, Gustav 67 Wittich, Samuel

 

 

Nun sind die Glieder dieser einstigen geschlossenen Kirchengemeinde Grünaus zerstreut in Ost- und Westdeutschland, in Österreich, in Amerika und in Australien. Diese Geschichte möge sie erinnern an die gemeinsame Heimat der Väter und zur Treue im Glauben ermahnen: Glaube der Väter! Leucht uns klar und hell ins tiefste Herz hinein, daß wir, wie sie, unwandelbar uns Gott in Liebestreue weihn! Glaube der Väter! Heiliger Gott, gib auch uns Treue bis zum Tod! (J. B. E.-C.-Bewegung). Denn unser Weg geht weiter an der Hand dessen, der gesagt hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Zu ihm weisen uns auch diejenigen, die als Soldaten gefallen, gestorben oder vermißt sind:

 

 

Draxler, Johann (1924) Reichbauer, Johann (1924)
Gschweng, Gottlieb (1917) Ruttmar, Gottfried (1921)
Holleitner, Gottfried (1908) Ruttmar, Andreas (1923)
Köplinger, Gottlieb (1920) Schay, Johann (1922)
Markl, Franz (1915) Schewela, Eduard (1913)
Osswald, Eduard (1927) Schmidt, Gustav (1925)
Osswald, Gottfried (1925) Schmidt, Johann (1922)
Osswald, Johann (1922) Schober, Gottfried (1902)
Osswald, Rudolf (1914) Schober, Johann (1926)
Prechtl, Eduard (1924) Steberl, Andreas (1921)
Prechtl, Gottfried (1925) Strohkörndl, Andreas (1925)
Reichbauer, Eduard (1925) Wittich, Gottfried (1922)

 

 

 

Den Leidtragenden diene zum Trost, was auf einer Gedenktafel geschrieben steht: Alle die gefallen im weiten Land, sind gefallen in Gottes Hand. — ‘Wir aber wollen bitten: Gib uns das Leben durch deinen Sohn, uns und den Toten vor deinem Thron (S. Goes).

 

 

Bemerkung zur Austreibung

 

In Grünau gab es keinen völkischen Haß. Die Übergriffe, die dennoch, zumeist von seiten der Auswärtigen, vorkamen, waren Erscheinungen der aufgewühlten Zeit. Sie wurden vielfach genährt durch die Gier nach fremdem Hab und Gut. Brutale, unmenschliche Mißhandlungen, wie sie anderorts den Deutschen angetan wurden, sind in Grünau nicht geschehen. Im Gegenteil! Die einheimische, slowakische Bevölkerung hatte Mitleid mit den Deutschen, mit denen sie durch Jahrzehnte in Freud und Leid lebte und im guten Einvernehmen und edlem Wetteifer verbunden war. So mancher von ihnen sah mit wehmütigem Herzen und tränenden Augen dem Geschehen zu. Viele von ihnen besuchten die Deutschen in den Lagern und brachten ihnen Lebensmittel und sonstige brauchbare Sachen zum Abschied. Auch noch heute sind viele von ihnen im brieflichen Verkehr mit uns, den Grünauern, und geben immer wieder dem Wunsche Ausdruck: Do videnia! das heißt, Auf Wiedersehn! Und wer die Möglichkeit hatte, die alte Heimat zu besuchen, der kann von viel Freundlichkeit erzählen, mit welcher er dort aufgenommen wurde.

 

Quellen:

Abschriften vom Theologen Gustav Csernák.

A. Krahulecz: Vergangenheit Grünaus.

Dr. C. E. Schmidt: Lebensläufe der Pfarrer in Preßburg.

Dr. A. Hudak: Die Kirche unserer Väter.

Jahresberichte der Gemeinde Grünau von 1897—1944. 

 

 

Nachwort

 

 

 „Gedenke der vorigen Zeit bis daher und betrachte, was Er getan hat den alten Vätern. Frage deinen Vater, der wird dir´s verkündigen, deine Ältesten, die werden dir´s sagen.“ (5. Mose 32, 7.) Dies sei die Antwort auf die Frage, warum diese Geschichte Grünaus geschrieben wurde, die uns vom Leben und Kämpfen, Siegen und Erliegen unserer Väter berichtet. Nicht aus Neugier um zu zeigen, wie in früheren Zeiten die Väter gelebt und gestrebt haben. Was uns über die Väter berichtet wird, sind nicht nur ihre Taten und ihr Glaube, sondern das alles redet auch von Gottes Tun von einer Generation zur anderen. Das macht die Beschäftigung mit der Vergangenheit lohnend! Wir entdecken in den alten Berichten, wie Gott sein Volk geführt hat, oft auf Umwegen, aber doch zielbewußt. Dabei merken wir, daß wir angesprochen sind, denn es sind ja unsere Väter und Ältesten von denen geredet wird, und erkennen uns selbst darin wieder, wenn wir von Streit und Unzufriedenheit in der Welt lesen. Wir erfahren, wie Gott Versöhnung und Frieden gewirkt hat. Wir hören von Gefahren und Glaubensproben und wir dürfen zuversichtlich wissen: Der Herr, der damals durchgeholfen hat, will auch uns in der Stunde der Erprobung seine Kraft schenken. Frage deinen Vater, der wird dir´s sagen: "In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet." Deine Ältesten, die werden dir‘s verkündigen: „Alles vergehet. Gott aber stehet ohn alles Wanken, seine Gedanken, sein Wort und Wille hat ewigen Grund.“ — und bekennen: „Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut, das machet, daß ich finde das ewge, wahre Gut. An mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erd; was Christus mir gegeben, das ist der Liebe wert.“  

Den Zweck, wozu diese Geschichte geschrieben wurde, beschreibt schon der  Apostel Johannes, der sich selbst den Altesten und die zerstreuten Glieder der Gemeinde seine Kinder nennt: „Ich habe keine größere Freude als die, daß ich höre, wie meine Kinder in der Wahrheit wandeln“ (3. Joh. 4.). So verfolge ich auch Euren weiteren Weg in der Zerstreuung und freue mich über jede gute Nachricht von Eurem Wandeln in der ‘Wahrheit. In der Wahrheit wandeln heißt nicht soviel, wie man sich als einzelner in der Fremde recht und schlecht durchschlägt, bedeutet auch nicht, daß man in der Welt Karriere macht, sondern daß man den Weg an der Hand dessen weiter geht, der gesagt hat: „Solches habe ich mit euch geredet, daß ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“
Glaube der Väter! Ein leuchtendes Vorbild. „In der Welt ist dunkel, leuchten müssen wir, - du in deiner Ecke, ich in meiner hier“ - wohin uns auch Gott, der Herr, gestellt haben mag. Wandeln, nicht stehen bleiben; der  Weg führt weiter - bis ans Ziel! Wandeln, aber in der Wahrheit! „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, denn  durch mich.“ Über solchen Wandel freuten sich die Väter schon von altersher, darüber wird Freude selbst im Himmel sein

Darum ihr, in der Welt zerstreuten Söhne und Töchter der einstigen Kirchengemeinde Grünaus, wandelt in der Wahrheit und lehrt auch eure Nachkommen beten: Erhalt uns in der Wahrheit, gib ewigliche Freiheit zu preisen deinen Namen durch Jesum Christum. Amen.

 

 

Verfaßt von Pfarrer Dr. Fröhlich im Advent 1965

 

Ich danke Herrn Otto Ruckriegl, der mir freundlicher Weise sein Exemplar zur Abschrift zur Verfügung stellte.

 

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