Nachfolgen die wortgetreue Abschrift eines gedruckten Schriftstückes, welches wahrscheinlich im Jahre 1906 vom damaligen Pfarrer der Gemeinde, Alfred Krahulecz verfaßt worde.

 

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Die Vergangenheit Grinád´s (Grünau´s)

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im Lichte der ung. Kirchengeschichte

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Es gibt viele evang. Christen in unserem Vaterlande, die der irrigen Ansicht sind, als ob die Urahnen aller Deutschen, die in Ungarn wohnen, erst zur Zeit der Reformation aus dem deutschen Reiche oder aus Oesterreich hierher eingewandert wären und daß früher hierzulande deutsche Ortschaften und Gemeinden gar nicht anzutreffen waren ! Dem ist aber nicht so ! Die ersten deutschen Familien, Helden, Gelehrte und Priester kamen unter dem ersten ung. christl. apost. König, unter Stefan ins Land. Um die Mitte des XII. Jahrhunderts kamen unter König Géza II. die Sachsen in die Zips und nach Siebenbürgen. Man behauptet, daß schon unter König Stefan die ersten Sachsen-Einwanderungen in die Zips geschahen; die späteren deutschen Einwanderer gründeten die blühenden Bergstädte. Es ist wahrscheinlich, daß sich zur selben Zeit im XII. Jahrhundert während der mißlungenen Kreuzzüge viele deutsche Familien in unserem Vaterlande niederließen. Auch sind nach den Verwüstungen der Mongolen und Tartaren, besonders nach der Vertreibung der Türken deutsche Niederlassungen zu verzeichnen; besonders haben sich damals in der Umgebung Budapests und im Comitat Tolna, Baranya, Torontál, Temes und Krassó-Sörény Schwaben niedergelassen. Nur ein geringer Teil deutscher Einwanderer sind der Reformation und Gegenreformation zuzuschreiben. Dasselbe gilt über die Deutschen Wieselburgs, Oedenburgs und Eisenburgs. Was unseren Ort Grinád anbelangt, über welchen wir so manches berichten wollen, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß zur Zeit König Stefans unser Ort gar noch nicht existiert hat. Die ersten Deutschen dürften sich zur Zeit der Kreuzzüge niedergelassen haben. Unser Ort, ursprünglich "Grünau", entstand vor beiläufig 700 Jahren. Erst gab es hier nur einzeln stehende Häuser, Schmiedwerkstätten und 2 Gasthäuser; später wanderten "aus dem Reiche" bergbautreibende Einwanderer ein, die sich kleine Häuschen, auf der Landstraße zwischen den beiden Städten Bösing und St. Georgen auf "grünen Auen" davon der Name, erbauten und sich mit Berg- und Weinbau beschäftigten. Später aber, da der Bergbau nicht lohnend war, wendeten sie sich ausschließlich der Landwirtschaft und der Weinkultur zu. Infolge der Reformation kamen zu den bisherigen Einwohnern noch andere eingewanderte Reichsdeutsche hinzu und wurde die Ortschaft infolge der zunehmenden deutschen Einwohnerschaft zu einer privilegierten Marktgemeinde erhoben !

Die slawischen Bewohner Grünaus stammen aus späterer Zeit und haben sich ihre Ahnen aus der Umgebung unseres Ortes hier eingefunden. Der Religion nach waren die ersten Bewohner Grünaus vom XII. bis zum XVI. Jahrhundert der röm.-kath. Kirche zugetan ! Einen gewaltigen Umsturz wie überallhin brachte auch unserem Orte die Reformation. - Es begann die Zeit da die Geister aufeinander platzten; da die Christen für die teuren Güter der Religion Jesu in die Schranken traten, für sein Evangelium sich begeisterten; alles schriftwidrige verpönten; für Recht und Tugend sich ereiferten, und für Christentum selbst den Tod nicht scheuten. Luthers Lehre hat sich wie ein Lauffeuer in unserem Vaterlande verbreitet; aber die ungarischen kath. Priester und Könige hatten nichts eiligeres zu tun, als ungemein strenge Gesetze gegen die Lutheraner und Kalviner zu erlassen.. Man wollte nur den röm.-kath. Bewohnern im ganzen Lande freie Religionsausübung gestatten. Jede andere Religion darf nicht geduldet werden. "Die Lutheraner sollten verbrannt, die Kalviner sollten des Landes verwiesen werden" so lautete ein Gesetz, welches der katholische Übereifer verfassen ließ. Es war jedoch zu spät, die Mehrzahl der Bevölkerung Ungarns war der evang. Lehre zugetan. Kath. Priester soll es damals kaum 300 im ganzen Lande gegeben haben; auch sollen fast alle Adelige, Barone und Grafen evangelisch gewesen sein. Am ung. Königsthrone saß damals König Rudolf, der Jesuitenzögling, der mit seinem Feldherrn Basta und Belgiojoso alle "Ketzerei" in Ungarn vernichten wollte. Da erhob sich der in seiner Ruhe gestörte ref. Feldherr aus Siebenbürgen Stefan Bocskay, dessen große Verdienste um die evang. Kirche Ungarns am 20. Mai l. J. gelegentlich der 300. Jahreswende des Wiener Friedens in allen ev. Kirchen gewürdigt wurden; ihm schloß sich fast die gesamte evangelisch gesinnte Bevölkerung Ungarns und Siebenbürgens an, um mit Schwert und Waffen die evang. Glaubens- und Gewissensfreiheit zu verteidigen. Bei Almost war die entscheidende Schlacht. Bocskay und sein Heer siegte; den Grausamkeiten Belgiojosos in Kaschau wurde ein Ende bereitet und durch die Vermittlung des Erzherzogs Mathias wurde der Wiener Friede im Jahre 1606 den 23. Juni geschlossen. Obige, allem christl. Mitgefühl hohnsprechenden Gesetzesparagraphen gegen die Protestanten wurden annulliert und den Protestanten freie Religionsausübung gewährt.

Nach diesen geschichtlichen Reminiszenzen wollen wir der eigentlichen kirchengeschichtlichen Vergangenheit Grünaus gedenken; einzelner eifriger Bekenner unseres Herrn, so auch Feinde desselben, mit einem Worte, der persönlichen und kirchengeschichtlichen Geschehnisse dieses Ortes uns erinnern. In Oesterreich hatten damals die Protestanten auch sehr viel Verfolgung zu leiden. Da machte sich aus einem kleinen Dörfchen Niederösterreichs ein armer junger Landmann Namens Johann Schmidt samt seiner Gattin Elisabeth geb. Dorn; auch kam mit ihnen die Familie der Steingruber und andere Gefährten, um in Ungarn, wo zufolge des Wiener Friedens mehr Schutz und Sicherheit war, eine neue Heimat und Zufluchtstätte zu suchen und zu finden. Sie ließen sich in Grünau nieder, wo zur Zeit nur erst wenige Evangelische wohnten. Sie wünschten hier Verkünder des Evangeliums des Friedens zu sein, hier viele dem Evangelium zu gewinnen, baldigst ein evang. Kirchlein zu bauen, eine Schule zu gründen und in aller Stille und Ehrbarkeit dem Sünderheiland zu dienen. Sie hielten sich an das Prophetenwort Jesaias 52, 7: "Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Boten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen."

Das verstand recht gut mit Worten und Werken jener neueingewanderte Johann Schmidt und Ferdinand Steingruber zu tun. Diese beiden haben die größere Hälfte der Bewohner Grünaus dem Evangelium gewonnen. Sie hielten fleißig im eigenen und in den Nachbarshäusern Hausandachten mit Gesang, Gebet und mit Schrifterklärung, und die Evangelischen erstarkten leiblich und auch geistig.

Schmidt´s und Steingruber´s Familien vermehrten sich zufolge des göttlichen Segens. Sie erfuhren beide die Wahrheit des 128. Psalmes: "Wohl dem der den Herrn fürchtet und auf seinen Wegen gehet. Du wirst Dich nähren von Deiner Hände Arbeit; wohl Dir, Du hast es gut. Dein Weib wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock um Dein Haus herum, Deine Kinder wie die Oelzweige um Deinen Tisch her, Siehe, also wird gesegnet der Mann, der den Herrn fürchtet." Gott segnete auch ihrer Hände Arbeit in Feld und Weinberg. Im Jahre 1608 haben sie beschlossen, vereint mit der Grundherrschaft der Grafen Fugger ein Gotteshaus zu bauen und erbauten in einem Jahre jenes Kirchlein das sich heute noch in den Händen der röm.-kath. Bewohner Grinád´s befindet. Im selben Jahre 1906 (wohl 1609 gemeint) haben sich die Evangelischen Grünaus: Johannes Wildericius zu ihrem Sehlsorger berufen. Groß war die Freude Schmidt´s und Steingruber´s, daß das ausgestreute Senfkorn in so kurzer Zeit zu einem schattigen Bäumchen herangewachsen war.Sie konnten die große Freudenbotschaft von Christo und von seiner göttlichen Lehre von berufenen Lippen im Gotteshause vernehmen und jene Beiden waren die ersten ev. Kirchenväter Grünaus. Besonders glücklich fühlten sich Pfarrer Wildericius so auch seine eifrigen Kirchenväter und alle Evangelischen Grünaus als im Jahre 1613 der erste ev. Superintendent Isaak Abrahamides Croehstius aus Bajmócz hier die erste ev.-kanonische Visitation durchführte und neues evangelisches Glaubensleben erweckte. Damals wurde das Inventar über das Kirchenvermögen, über das Bargeld, über 7 Weingärten und über die heiligen Gefäße aufgenommen, so auch ein Verzeichnis über das Pfarrer- und Lehrereinkommen verfaßt. Die Abschriften darüber stehen uns zur Verfügung. Aber nicht lang währte die Freude der Evangelischen über ihr geordnetes kirchliches Leben und Kirchenvermögen. Die Evangelischen wurden schon im Jahre 1617 hier sehr erschreckt, durch die gewaltsam durchgeführte Kirchenwegnahme zu Bösing und Skt.-Georgen wobei der Bösing-Skt.-Georgener Pálffy´sche Schloßhauptmann Leopold Peek und sein Mitgehülf Rentmeister Lukas Eckher zum großen Ärgernis aller Stadtbewohner durch ihre Leute das ev. Gotteshaus zu Bösing und Skt.-Georgen, die Stadtkirchen, mit Leitern ersteigen, erstürmen und erbrechen ließen. Dieselben ließen auf offener Straße den Bewohnern Roß und Wagen gewaltsam wegnehmen und haben etlichen Privatpersonen Weingärten ablesen lassen. Dagegen führte die Bürgerschaft bei König Mathias II. Beschwerde, jedoch erfolglos.

Die ev. Bewohner Grünau´s fühlten es, daß dunkle Wolken sich auch für sie nähern und ihre Religionsfreiheit und Kirchenvermögen bedrohen; aber doch bot Ihnen die Grundherrschaft der Grafen Fugger noch etliche Jahre Schutz gegen Peek´s und Eckher`s Gewalttaten. Der Schutzherr der Evangelischen des Landes Palatin Graf Georg Thußó starb auch zu Weihnachten 1616. Von der Regierung des Königs Ferdinand II. hofften die Evangelischen Ungarns blutwenig; ja vielmehr sie waren gefaßt auf Verfolgung und Bedrückung. Diese blieben nicht aus. Aber der Fürst Siebenbürgens Gabriel Bethlen sammelte ein Heer und er erzwang den Nikolsburger Frieden (1622) durch welchen den Evangelischen abermals freie Religionsübung zugesichert wurde. In dieser Zeit lebte Peter Pázmány der ursprünglich kalvinistischer Religion war, später von Stufe zu Stufe stieg und Erzbischof zu Gran wurde, welcher durch seine Schriften und Bücher die er schrieb, viele ungarische Magnaten und Aristokraten dem Evangelium abwendig machte. Die ev. Kirche erhielt durch ihn viele böse neue Feinde ! Zu dieser Zeit 1630 nahm man den Evangelischen Preßburgs und Oedenburgs, ja den meisten ev. Gemeinden ihre Kirchen weg, unter dem Vorwande, daß dieselben von Katholiken erbaut worden wären.

In Preßburg wollte König Ferdinand der II. unter dessen Regierung in Deutschland die Verheerungen des 30-jährigen Krieges viel Unheil über die Menschheit brachten, den Bau einer Kirche einstellen; aber die Evangelischen Preßburgs ließen sich nicht hindern, bauten dieselbe auf und weihten dieselbe zum öffentlichen Gottesdienste feierlich ein. Dieser große Protestantenfeint König Ferdinand der II. soll gegen seinen abgelegten Eid das traurige Bekenntnis getan haben:"mein Mund hat wohl den Protestanten, aber mein Herz hat den Katholiken geschworen. Ich will lieber ein verwüstetes als ein verdammtes Königreich haben." Daß die Evangelischen wieder eines mächtigen Beschützers bedurften war gewiß -. Die Protestanten Deutschland hatten im Schwedenkönig Gustav Adolf ihren besten Verteidiger und Beschützer gefunden. In Ungarn fand sich zur Zeit keiner. Doch starb 1637 Ferdinand II. und bald nach ihm Peter Pázmány und dadurch führte Gott eine Wendung der Dinge herbei. Die evangelischen Untertanen wurden von den katholischen Grundherren immer härter gedrückt. Alle Klagen darüber blieben auch unter Ferdinands III Regierung unbeachtet. Da nahm sich der Siebenbürger Fürst Georg Rákóczy endlich der Evangelischen an, besiegte die königlichen Heere und durch den Linzer Frieden im Jahre 1645 wurde die freie Religionsübung zum dritten Male gesetzlich bestätigt.

In Grünau kam das Kirchlein beim Regierungsantritt Ferdinands III. in den Besitz der Katholischen.Auch hier wurde dieselbe von jenem Peek und Eckher gewaltsam weggenommen.

Die Traurigkeit jenes nun mittlerweile altgewordenen J. Schmidt und Fr. Steingrubers war groß; ihr geliebter Hirte J. Wildericius wurde des Landes verwiesen; zu nächtlicher Stunde mußte er fliehen. Es war sein Leben gefährdet. Die Hauskollekte veranstalteten die rührigen Kirchenväter und unter vielen Tränen überreichten sie ihm den Geldbetrag am Tage vor seiner Fluch, zur Linderung seiner bevorstehenden Not und als Unterpfand der Liebe der Gemeinde zu ihrem unglücklichen Hirten. Der Rtaschluß Gottes hatte es so bestimmt. Jede Aussicht war verschwunden, daß sie sich je einmal in diesem Leben wiedersehen sollten,  dieser Abschied war für sie so schmerzlich, daß sie sich alle drei, ja auch viele andere eifrige ev. Christen sehnten von dieser Welt zu scheiden um bei Christo zu sein. Auch der ev. Lehrer, dessen Name uns unbekannt, mußte bald Grünau gänzlich verlassen und auch von ihm war der Abschied rührend und schmerzlich. Dieser und auch Pfarrer Wildericius flüchteten mit ihren Familien nach Deutschland; wo sie später wirkten und verstarben, ist uns bekannt. Dies war der schmerzhafteste Schlag der die zwei eifrigen Kirchenväter seit sie in Grünau waren, betroffen hat. Wo früher nur Lobgesänge zur Ehre Gottes fast aus allen Häusern ertönten, da hörte man bloß leises Schluchsen uns Lispeln betrübter ev. Christen, die von nun an nur im Walde ihre Andachten und Zusammenkünfte hielten. Viele Evangelische gingen, um nicht am Leben, Hab und Gut gefährdet zu sein, zur Messe in die gewesene ev. Kirche. - Die Waldandachten hielten die wenigen Evangelischen die ihren Glauben nicht verleugneten, einmal bei der Pfenniglacken, dann ein anderesmal im Krebsenbachtal ab, und nur an hohen Festtagen bei der sogenannten "trockenen Maut" im Gebirge. Bei diesen Andachten, wobei sie die Kirchenlieder nicht sangen, nur vorgelesen haben. hat der alte J. Schmidt stets ein Schriftwort kurz erklärt, zuletzt betete er ein selbstverfaßtes Gebet, wobei kein Auge trocken blieb; weil nebst der Not in himmlischen Gütern auch die Not in irdischen Dingen bitter drückte; weil der Herr Mißernten sandte. Das Gebet lautete: "Barmherziger Gott, himmlischer Vater; in dieser Zeit so vieler Not höre unser Flehen Herr!  Laß Dir unser Wehklagen zu Herzen gehen, laß uns nicht verderben und nicht verschmachten, weder leiblich noch geistig. Deinen Sohn hast du um unseretwillen arm werden lassen, auf daß wir durch seine Armut reich und durch seine Leiden getröstet werden. Er hat gesagt: "Mich jammert des Volks." Ei, so laß dich lieber Herr Gott auch unser jammern, die wir nach deinem Namen genennet sind und Tag und Nacht zu dir rufen. Gib uns künftig eine reiche Ernte, einen gnädigen König, besänftige die Herzen unserer Feinde; wehre ab allen Haß und jedes Unrecht und Blutvergießen; erwecke unsrer gedehmütigten Kirche neue Freunde, auf daß die schweren Zeiten aufhören und wir für die gnädige Hülfe und Rettung deinen Namen lobsingen, dein Wort frei hören und verkündigen, deine hl. Sakramente rein genießen und dir fröhlich danken mögen. Lieber Herr Jesu laß also alles geschehen und alle Not vergehen. Amen"

Der große Vater der Menschenkinder hat sich der bedrückten Evangelischen angenommen und dieselben erhielten nach 8 Jahren, nach dem Linzer Frieden 1645 ihr Kirchlein zurück, samt einem Teil des früher gehabten Kirchenvermögens. Nun sammelten die ev. Bewohner Grünau´s die sich rapid vermehrten, einen Fond um die Kirche mit einem Turme zu versehen. J. Schmidt und F. Steingruber erlebten die Freude der Turm- und Glockenweihe nicht mehr. Sie wurden im Jahre 1648 beide begraben, der Erstere im Frühling, der Andere im Winter und wurden in jenem Friedhof begraben, der hier im jetzigen Notariatsgarten war in umittelbarer Nähe unserer Bahnstation. Beide hinterließen mehrere Söhne und Töchter, wurden innigst beweint und betrauert. Sie kämpften einen guten Kampf, ihnen ward die Krone zu Teil. Kirchenväter wurden Samuel Dorn und Ludwig Fischer. Die erstere Familie starb bald aus, die letztere wurde in späteren Jahren, im XIX. Jahrhundert katholisch. Im Jahre 1649 wurde der Turm mit 2 Glocken geweiht. Ev. Pfarrer war hier zu dieser Zeit für Grünau und Limbach Christian Müller. Aber nicht lange konnte sich die ev. Bewohnerschaft der schönen Gottesdienste erfreuen, nicht lange konnten sie die Gotteskraft des Evangeliums erfahren, daß es ein Geruch des Lebens zum Leben ist, nur noch wenige Monate konnten sie ihr Haupt ruhig und sicher mit ihrem Seelsorger zum Schlafe niederlegen. - Das Damoklesschwert hing bald über ihrem Haupte. Im Jahre 1657 übernahm der größte Protestantenverfolger den Thron, Leopold I., der 48 Jahre zur Qual und Marter und zur Unzufriedenheit fast aller Bewohner regierte. Unter seiner Regierung sind in jedem Comitate sogenannte 2 Artikularkirchen gestattet gewesen. Auf großen Umwegen gingen unsere Grünauer Protestanten, sowie auch die anderen des Comitates an Sonn- und Festtagen entweder in die Modreiner oder Pußtafödémeser Artikularkirche. Alle übrigen Kirchen, Schulen und Güter wurden den Protestanten weggenommen; die Seelsorger und Lehrer wurden eingekerkert oder des Landes verwiesen; 61 Seelsorger, protestantische Geistliche wurden auf die qualvollen Galeeren nach Neapel geschickt. - Aus jener schweren Zeit besitzt die Skt.-Georgener ev. Nachbargemeinde eine Matrik, angelegt durch die beiden ev. Pfarrer Klesch und Lang im Jahre 1663 und vom Jahre 1665 bis 1674 weitergeführt durch die ev. Pfarrer Huber und Galli. Es wurden in dieser Zeit dort 752 Kinder getauft, darunter aus Preßburg 146 Kinder, welche in der Zeit vom 30. Mai 1672 bis 27. Februar 1674 in Skt.-Georgen getauft wurden; desgleichen wurden aus Oberufer, Kittsee, Edelstal, Limbach und Grünau 12 Kinder getauft. Vor dem Preßburger strengen Gericht und bevor das schauerliche Blutgericht in Eperjes unter Karaffas Leitung durchgeführt wurde - entschieden sich die Pfarrer Huber und Galli aus Skt.-Georgen, Christoph Löhner aus Bösing und Stefan Pilarik aus Modern und 3 andere Prediger für die Auswanderung. Die röm.-kath. Bischöfe, an der Spitze Kollonits, befahlen: Die ketzerischen Prediger recht zu quälen und die protestantische Bevölkerung erst an den Bettelstab zu bringen und dann doch katholisch zu machen." Nahezu 900 Kirchen und Schulen wurden den Evangelischen genommen und ebensoviele Pfarrer und Lehrer teils eingekerkert, teils des Landes verwiesen, teil auf die Galeeren geschickt. Letztere, welche höllische Qualen litten, befreite der holländische Admiral Ruiter, weinte Freudentränen mit ihnen und sagte: "daß ihm von all´ seinen Siegen keiner so viel Freuden gebracht habe, als die Befreiung dieser Diener Christi von einem unerträglichen Joch." - Von unserem Erzfeinde, vom röm. Clerus der doch auch die Liebe Christi predigen sollte, wurden die Protestanten mit den Türken, Räubern, Hunden und Gotteslästerern in eine Reihe gezählt, das waren übrigens auch nur die mildesten Schimpfnamen. In diesem Sinne schrieb den 2. Januar 1700 Cardinal Kollonits von Wien an alle katholischen Grundherren und Prälaten, daß sie die katholische Religion und Kirche auf jede mögliche Art zu ihrem alten Flor, Blüte erheben mögen. Wenn die Türken die kath. Kirche nicht auch im Bestande bedroht hätten, wenn ferner Tökölyis Heere nicht den Clerus und König Leopold in die Enge getrieben hätten; wenn ferner von Gott gesendet als die Not am größten war, Franz Rákoczy der Protestanten in Ungarn sich nicht angenommen hätte: so wäre es den Feinden des Evangeliums gelungen ganz das Land erst an den Bettelstab zu bringen und dann katholisch zu machen.

Gleich beim Religionsaustritt Leopolds I. war den Evangelischen Grünau´s Kirche samt Turm, Schule und 8 Weingärten und alles übrige Kirchenvermögen weggenommen worden. - Die Wald- und Hausandachten wurden wieder in aller Stille gehalten; die ev. Herde ist nur ein kleines Häuflein gewesen und wieder waren es die Familien Schmidt, Steingruber, Dorn und Fischer, die sich unentwegt trotz vielfacher Bedrängnis zum Evangelium hielten und sich desselben nicht schämten, so auch alles dafür zu erdulden bereit waren. Dem kath. Pfarrer mußten sie die üblichen Abgaben leisten, durften jedoch nicht ihre Kinder zur Taufe dem ev. Artikular-Geistlichen bringen, sonst hätte man ihnen die Häuser und Futtervorräte angezündet, die Fenster eingeschlagen; auch dufte der Artikular-Geistliche nach Grünau nicht kommen um hier Trost zu spenden und die ev. Toten zu begraben. Das waren schwere Zeiten, von welchen wir uns keine klare Vorstellung machen können. Nur bei mondheller Nacht oder in den frühen Morgenstunden versammelten sich die wenigen Evangelischen bei der Waldandacht und an den Gräbern ihrer frommen, verstorbenen Väter und Mütter, Brüder und Schwestern und da getrösteten sie sich dessen, der die Auferstehung und das Leben ist, dessen, von dem es heißt, daß wer an ihn glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; ja des Glaubens an den, der uns den Sieg gebracht und durch den wir die Welt, selbst Grab und Tod überwinden ! Sie freuten sich des profetischen Wortes und achteten darauf als auf ein Licht, das da scheinet in einem dunklen Ort bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufging in ihrem Herzen.

Sie ahnten es nicht, daß aus der zerstreuten Herde wieder eine ansehnliche Gemeinde sich sammeln werde, und daß des Herrn Ratschluß alles wunderbarlich ändern und hinausführen könne; war ja doch das beliebte Lied der Ungarn längst vergessen: "Mag mein Ungarn nicht vertauschen, mag nicht fremden Liedern lauschen, Nirgens ist´s wie hier so gut."

Im Jahre 1706 am 17. März wurde den Evangelischen wieder ihre Kirche samt Schule und den 8 Weingärten durch die Commissäre des Fürsten Franz Rákoczy II., durch Stefan Nowotha, Nikolaus Goßtonyi und Stefan Losonczy im Sinne des Czécsényer Landtages übergeben und den Katholischen als Bauplatz für Pfarre, Kirche, Schule und Lehrerwohnung in der Nähe des Grünfelder Meierhofes mehrere Joch Hutweide angewiesen. - Die Evangelischen erhielten den Kirchenschlüssel am obigen Tage und übernahm denselben Curator J. Schmidt, ein Sohn des bereits erwähnten Curators, der bereits auch in vorgeschrittenen Jahren war und sprach zu dieser Zeit wie der greise Simeon: "Herr nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen." "Ich freue mich wohl sehr dies erlebt zu haben; aber nun übergebe ich auch gern meinen Platz auf Erden Andern. Ich überlasse, wenn der Herr mich abberuft, gern den vergänglichen Müden Leib der Erde. Mein Glaube hat sich im Feuer der Trübsal bewährt. Der Herr war hier und wird auch dort mein Ein und Alles sein."Gott verlieh ihm die Gnade, daß er vor der letzten Wegnahme des ev. Gotteshauses allhier, unmittelbar etliche Wochen vorher sanft und selig im Jahre 1711 entschlief und sich bis ans Lebensende auch in dieser letzten Zeit als treuer, eifriger Curator erwies. Vom Jahre 1706 bis 1711 wirkte hier als ev. Seelsorger Joachim Kneppel, der mit viel Segen und immer vor großer Zuhörerschaft das Evangelium unseres Herrn rein und lauter predigte und die Sakramente laut Christi Einsetzung verwaltete. Im Jahre 1711 wurde die Kirche samt allem was dazu gehörte zum dritten und letzten Male gewaltsam weggenommen. Pfarrer Kneppel zog nach Preßburg, wo er 2 Jahre hindurch, wie einst Dr. Martin Luther in Wittenberg als Pestilenzprediger wirkte 1713 jedoch selbst dieser argen Krankheit zum Opfer fiel. Zur Zeit Joachim Kneppels hielt Superintendent Daniel Krmann in Grünau can. Visitation. Die Protokolle darüber sind verschollen !

Vom Jahre 1711 bis 1783, bis zu König Josefs II. Zeiten, dessen Herz schon warm für die Prostestanten schlug -, dessen Toleranzedikt aber wenig fruchtete, hatten die Evangelischen Grünaus weder Kirche noch Schule, weder Pfarrer noch Lehrer und war die kleine vielgeprüfte Herde Christi wieder an die Hausandachten angewiesen.

Im Jahre 1783 haben sie sich am östlichen Dorfanfange das Eckhaus für eine Schule gekauft und eingerichtet und wirkten zwischen den Jahren 1783 bis 1875, während welcher Zeit Grünau durch 92 Jahre zu Bösing asiliirt war, unter Anderen folgende Lehrer: Fabry, Förster, Batka, Szabó, Jarosch, Lakner und Conrad Juresó.

Im Jahre 1874 wurde vom Grafen Pálffy für 16000 K (8000 Gulden) sein hiesiges sogenanntes "Schlössel" angekauft und als Lehrer und Pfarrer G. M. Csernák berufen. Wo einstens die Urbalialisten und Evangelischen zu Gericht, zur Verantwortung gezogen; wo früher auch so manche Stockprügel ausgeteilt wurde: da wird seit 1875 nun das Wort Gottes verkündigt und jung und Alt wird in Kirche und Schule durch den Pfarrer und Lehrer angehalten, dem nachzutrachten "was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach." (Phil. 4, 8).

Pfarrer Csernák wirkte 17 Jahre hier als Pfarrer und Lehrer zugleich. Zu seiner Zeit wurde 1877 durch den Superintendenten Dr. Ludwig Geduly die dritte uns bekannte can. Visitation vorgenommen. Seit 1891 wirkt der Schreiber dieser geschichtlichen Ereignisse in dieser kleinen treuen Gemeinde, die gegenwärtig rund 540 Seelen zählt. Die Familie Schmidt* ist gottlob noch nicht ausgestorben und wenn auch viele Namen der Vergangenheit ausstarben, es möge nur der rechte Glaubenseifer der Väter nicht aussterben, nicht das Feuer der evang. Opferwilligkeit erlöschen; nicht das Gottvertrauen von den Familien weichen; nicht das ev. Gebetsleben aufhören ! Hat ja im Jahre 1902 am 22. Mai gelegentlich der 4. canonischen Visitation in unserer Mitte der eifrige verehrte Oberhirte Dr. Friedrich Baltik begeisternd eine Zuhörerschaft ermuntert: "zu bleiben bei dem was uns anvertraut ist, zu bleiben beim reinen und lauteren Evangelium Jesu Christi, für welches die Väter unserer Kirche soviel litten und stritten; zu bleiben bei den Gnadenmitteln, wie sie unsere Kirche verwaltet und der hl. Schrift gemäß besitzt und darauf hinwies": daß "Einen andern Grund kann zwar Niemand legen außer dem der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." I. Kor. 3. "Halte was du hast, daß Niemand deine Krone nehme." Offbg. 3.

Alles Übrige über unsere Gemeinde ist in unseren Jahresberichten im Laufe der Jahre früher berichtet worden und braucht hier nicht wiederholt werden.

Die Geschichte der meisten Gemeinden unseres Vaterlandes gleicht dem Dornbusch, den Moses sah, der mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehrt; gleich dem Phönixvogel, der sich wiederholt aus seiner Asche erhob. - Darum lieber Leser dieser Zeilen, wer du auch bist, so oft du nur über die Schwelle eines evang. Gotteshauses trittst, erinnere dich dessen, wie viel besser wir es haben, als Tausende, ja Millionen unserer entschlafenen Vorfahren es gehabt haben; wie viel sie gekämpft, eas sie geduldet, wie sich ihr Glaube in Trübsal bewähret hat: "Denn wir haben ja davon viel gehöret und wissen, was unsere Vater uns erzählet haben. Daß wir es nicht verhalten sollen ihren Kindern, die hernach kommen und verkündigen den Ruhm des Herrn und seine Macht und Wunder, die er getan hat." (Psalm 78, 3-4)

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"Wer da glaubet, hat das Leben

Tod und Sünde hören auf

Dorthin gehet unser Lauf

Wo die Sterne Gottes schweben. -

Glaube knieet an Altären,

Jesu Namen aufgebaut,

Lauter Jubel, heiße Zähren

Die allein sein Auge schaut,

Danket ihm den Lebensfürsten,

Dem Versöhner dieser Welt,

Laßt us streben, ringen, dürsten

Das zu tun, was ihm gefällt"

 

A. Krahulecz

Pfarrer

 

*) Jeder wahre Christ seines Glückes Schmied, der mit seinem Wandel und Bekenntnis seiner evang. Kirche Ehre macht und derselben Treue hält bis in den Tod.

 

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